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Tafeln am Limit: Drohen Schließungen? „Das ist eine berechtigte Frage“

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Von: Moritz Serif

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Die Mitarbeiter:innen der Tafel sind am Limi
Die Mitarbeiter:innen der Tafel sind am Limit (Archivfoto). © Christian-Ditsch.de/imago

Die Tafeln ächzen unter steigenden Energie- und Spritpreisen, denn die Hilfsorganisationen haben kaum Sparpotenzial, da sie Lebensmittel kühlen müssen.

Berlin – Die Preise steigen immer weiter und es ist kein Ende in Sicht: Mittlerweile liegt die Inflation bei bald zehn Prozent, Gaskosten schießen in die Höhe und auch Lebensmittel werden immer teurer. Wie wirkt sich all das auf die Arbeit der Tafeln aus, die auch in Nicht-Krisenzeiten Menschen helfen, die Probleme haben, über die Runden zu kommen?

„Die Tafeln helfen aktuell so vielen Menschen wie nie zuvor“, antwortet Jochen Brühl, Vorsitzender der Tafel Deutschland, auf eine Anfrage von FR.de. Insgesamt seien es zwei Millionen Bürger:innen, die Hilfe bräuchten. „Wir sehen, dass Menschen akut von Armut bedroht sind, die bislang über die Runden kamen“, sagt Brühl.

Energiekrise und Inflation: Bedürftige sind dringender denn je auf Tafeln angewiesen

Bedürftige seien dringender denn je auf die Lebensmittel der Tafeln angewiesen. „Das sollte eigentlich nicht sein. Wir wollen eine finanzielle Entlastung sein, aber keine notwendige Existenzhilfe“, erklärt der Tafel-Vorsitzende. In jüngster Zeit müssten immer häufiger Menschen mit leeren Händen nach Hause geschickt werden.

Auch Mitarbeitende sind am Limit angelangt, was Brühl zunehmend besorgt. „Unsere Helferinnen und Helfer sind seit der Corona-Pandemie nahezu dauerhaft im Einsatz. Neben der körperlichen Anstrengung nimmt deshalb auch die psychische Belastung für unsere Helferinnen und Helfer zu. Viele bräuchten eine Pause“, sagt er. Droht gar die Schließung einzelner Tafeln?

Tafel-Geschäftsführer: „Kosten für Strom und Benzin sind enorm gestiegen“

„Das ist eine berechtigte Frage. Die Kosten für beispielsweise Strom und Benzin sind enorm gestiegen“, sagt Brühl. Die Hilfsorganisation hätte wenig Einsparpotential, da sie Kühlfahrzeuge zum Abholen bräuchte und die Lebensmittel in der Tafel gekühlt werden müssten. Brühl ruft die Ampelkoalition zum Handeln auf.

„Die Politik muss endlich verstehen, dass es so wie bisher nicht weitergehen kann“, sagt der Tafel-Vorsitzende. So sei das Bürgergeld nicht hoch genug, um durch Inflation und Energiekrise zu kommen. „Wir brauchen mindestens 650 Euro. Menschen mit wenig Geld stehen im kommenden Winter vor der Frage, ob sie essen oder heizen sollen“, fordert Brühl. Entlastungen müssten zielgerichtet erfolgen und bei denjenigen ankommen, die die Unterstützung tatsächlich brauchen. (mse)

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