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Tacos aus der Luft

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Von: Jonas Rest

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Drohnen werden nicht nur für militärische Zwecke eingesetzt. Die Fluggeräte sollen alltagstauglich werden. Vom Fensterputzen bis zum Lieferservice sollen die fliegenden Roboter den Menschen helfen.

Mit Drohnen lassen sich Immobilen besser verkaufen, davon ist Stephen Shapiro überzeugt. Daniel Garate hilft ihm dabei. Der Fotograf lässt für den Immobilienmakler in Südkalifornien seine Mini-Drohne aufsteigen, ausgerüstet mit einer professionellen Kamera. Die nähert sich dann im Tiefflug über den Rasen dem Objekt in Holmby Hills, durchfliegt die Säulengänge des exklusiven, früheren Frank-Sinatra-Anwesens, schraubt sich an einer Palme nach oben und fotografiert das Anwesen aus der Vogelperspektive, bevor es einen Zitronenbaum aus der Nähe aufnimmt.

Der Fotograf hat die Drohne selbst zusammengebaut, nach einer Anleitung im Internet. Gekostet hat sie ihm einige tausend Euro, auch aus Deutschland hat er dafür Bauteile bestellt. Er ist nicht der einzige, der eine Leidenschaft für Drohnen hat. Chris Anderson, der Chefredakteur des US-Technikmagazins Wired, hat vor fünf Jahren das Forum DIYdrones.com gegründet. Inzwischen diskutieren dort 27.000 Drohnenbastler. Andersen ist überzeugt: „So wie in den 70er-Jahren der Personal Computer aufkam, kommt in diesem Jahrzehnt die persönliche Drohne.“ Ein Technologiesprung, sagt Anderson, der eine ähnliche Revolution auslösen wird, wie die Entwicklung des Mikrocomputers. „Wie in den 70er und 80er- Jahren bei Computern experimentieren jetzt noch vor allem Technik-Nerds“, sagt er. Auch damals sei unklar gewesen, wozu Mikrocomputer dienen konnten. „Doch sobald sie in die Hände normaler Menschen kommen, werden sie uns zeigen, was man damit alles machen kann.“

Drohnen als Lebensretter

Die Voraussetzungen für den breiten Einsatz von Drohnen werden gerade erst geschaffen. In den USA unterzeichnete Präsident Barack Obama im Februar ein Gesetz, dass die US-Luftfahrtbehörde beauftragt, die Nutzung von Drohnen im heimischen Luftraum zu erleichtern. In Deutschland einigten sich Bund und Länder kürzlich auf gemeinsame Zulassungsbestimmungen für Drohnen bis 25 Kilogramm. Die Direktorin des Humans and Automation Lab des Massachusetts Institute of Technology (MIT), Missy Cummings, sagt, „in 15 Jahren werden wir, sobald wir aufblicken, Drohnen sehen, die Fenster putzen oder Gebäude inspizieren“.

Nicht nur Sicherheitsbehörden setzen schon heute immer häufiger Drohnen ein. Auch Paparazzi nutzen sie, um etwa bei den Filmfestspielen in Cannes Fotos von privaten Partys zu machen. Anderson sieht Drohnen schon als Lebensretter. Mit Sonosonden bestückte Drohnen könnten in Erdbebengebieten etwa verschüttete Personen orten. Feuerwehrleute sehen mit Wärmekameras an Drohnen, ob sich unter dem Dach eines brennenden Hauses noch Personen aufhalten. Öl-Konzerne nutzen Drohnen bereits, um Bohrinseln und Pipelines zu inspizieren. Weinbauern an der Mosel erproben die zielgenaue Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln mittels Drohnen. Auch Tierschützer wissen sie zu schätzen: Aktivisten von Paul Watsons Sea Shepherd Conservation Society setzen eine 10.000-Euro-Drohne mit einer 300-km-Reichweite ein, um eine Walfang-Flotte in der Antarktis aufzuspüren.

Getrieben wird die Drohnen-Revolution von der Entwicklung der Smartphones, die Mikrocomputerchips leistungsfähiger, Batterien langlebiger und GPS-Systeme genauer werden lässt. „Drohnen sind eigentlich eine Flotte fliegender Smartphones“, sagt Anderson. Er arbeitet gerade an einem System, das beide Technologien kombiniert: Mit Druck auf eine Smartphone-App soll man schon in wenigen Wochen eine Drohne aufsteigen lassen können, die einen dann wunschgemäß filmt – etwa beim Surfen.

Auch in San Francisco brachte ein MIT-Absolvent Smartphone und Drohnen zueinander. Er konzipierte einen drohnenbasierten Taco-Lieferdienst. Mit der Smartphone-App wird bestellt und werden die GPS-Daten übermittelt. Dann bringt eine Drohne die heißen Tacos vorbei.

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