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"Ich habe meinen Posten verloren, aber nicht meine Selbstachtung": Friedbert Pflüger kurz nach seiner Abwahl.
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"Ich habe meinen Posten verloren, aber nicht meine Selbstachtung": Friedbert Pflüger kurz nach seiner Abwahl.

Innerparteilicher Streit

Szenen aus der Provinz

Nicht nur die SPD kann Spitzenleute demontieren - das schafft auch die CDU, in Berlin und anderswo.

Von BERNHARD HONNIGFORT UND THOMAS KRÖTER

Am Ende ging es ruckzuck. Um elf Uhr trafen sie sich, die 37 CDU-Parlamentarier im Berliner Abgeordnetenhaus. Dann wurde kurz abgestimmt, 26 waren dafür - und aus Friedbert Pflüger, dem CDU-Fraktionsvorsitzenden, war ein einfacher Hinterbänkler geworden. Einen Nachfolger gab es auch gleich: Frank Henkel, Parlamentarischer Geschäftsführer und, noch wichtiger: Ur-Berliner.

Pflüger, der 53-jährige Politologe, vor knapp drei Jahren als Retter und Hoffnungsträger der berüchtigten Berliner Landes-CDU in die Hauptstadt gekommen, hatte fertig. Kleingemacht von den eigenen Leuten. "Ich habe meinen Posten verloren, aber nicht meine Selbstachtung", sagt er sichtlich mitgenommen.

Er war gescheitert - an den Verhältnissen in der Berliner CDU und an sich selbst. Die Union, gerade einmal 12000 Mitglieder in der Hauptstadt stark, gilt als notorisch fremdenfeindlich: Sie mag keine Christdemokraten, die von außen kommen und die Partei verändern wollen. Seit die CDU 2001 nach der Fast-Pleite der Landesbank abgewählt wurde, dämmerte sie im Schatten der rot-roten Regierung Klaus Wowereits dahin. Anfang 2006 fand sich Pflüger als dritte oder vierte Wahl bereit, als Fraktionschef und Spitzenkandidat nach Berlin zu kommen. Er verlor die Landtagswahl grandios und hatte seitdem fast nur noch Gegner in den eigene Reihen.

Als er überraschend auch den Landesvorsitz beanspruchte, machten die echten Muskelmänner um Parteichef Ingo Schmitt kurzen Prozess mit ihm. Wie im Dampfdrucktopf schwoll eine Woche lang der Ärger über den ungeschickten und unbeliebten Pflüger an, dann pustete es ihn weg.

In Brandeburg köchelt seit Jahren, was in Berlin jetzt so schnell ging. Als dort ein Christdemokrat kürzlich gefragt wurde, wie es so sei in der Brandenburger CDU, antwortete er: "bürgerkriegsähnlich". Die Partei, seit 1999 Junior in der Regierung von Matthias Platzeck (SPD), ist tief gespalten in zwei Lager, die nichts auslassen, wenn sie übereinander herziehen. Auf der einen Seite der blasse Parteichef Ulrich Junghanns, von Beruf Wirtschaftsminister. Auf der anderen der jüngere Sven Petke, einst aufstrebender CDU-Generalsekretär, dann in Ungnaden entlassen. Er soll E-Mails von CDU-Vorstandsmitgliedern ausspioniert haben, was er bestreitet.

Diese Lager sind dafür verantworlich, dass die CDU, 6000 Mitglieder groß, sich praktisch nur mit sich selbst befasst. Auf einem Landesparteitag im Januar 2007 gerieten die Dinge außer Kontrolle. Delegierte schrien sich an, und am Ende des Parteitages redete der mit nur zwei Stimmen Vorsprung vor Petke zum Vorsitzenden gewählte Junghanns vom "Hass", den er in den Augen etlicher CDU-Leute im Saal erblickte. Seitdem hat sich nichts geändert. Ende September sind Kommunalwahlen in Brandenburg. Sollte die CDU Verluste einfahren, rechnet man schon mit neuen Attacken aus dem Lager Petkes. Spötter empfahlen sogar schon einen neuen Wahlspruch: "CDU - Wir sehen schwarz."

Thüringen und CDU-Regierungschef Dieter Althaus sind davon noch ein paar Meilen entfernt. Im August 2009 ist Landtagswahl, aber in heutigen Umfragen ist die CDU-Mehrheit mit Sicherheit dahin. Linke und SPD liegen deutlich vorn. Sollte es zum Regierungswechsel kommen, bräche auch in der Thüringer Union der Bürgerkrieg aus. So kraftvoll, wie Althaus manchmal in den Medien daherkam, war er nämlich nie.

Im Saarland droht Peter Müller (fast) ohne eigenes Verschulden ein ähnliches Schicksal. Er hat das Pech, die selbe Heimat sein eigen zu nennen wie Oskar Lafontaine. Der Star der Linken knabbert nicht nur an der Substanz seiner ehemaligen Partei SPD. Die Aussicht, er könnte im Saarland Ministerpräsident werden, macht auch das Ziel des Christdemokraten, im nächsten Jahr seine absolute Mehrheit zu verteidigen, unerfüllbar.

In Bayern ist es so weit nicht. Aber die Zeiten, da am "50 plus x" der CSU nur das "x" fraglich war, sind vorbei. Zum ersten Mal seit Jahrzehnten muss die Fast-Staatspartei um ihre absolute Stimmenmehrheit bangen. Der langjährige Ministerpräsident Edmund Stoiber hat zwar einiges Chaos angerichtet, als er nach der Bundestagswahl erst nach Berlin wechseln wollte und es sich dann doch wieder anders überlegte. Aber seine Blitz-Entmachter Günther Beckstein und Erwin Huber haben sich selbst schnell entzaubert. Da helfen weder teure Wahlversprechen noch die Drohung mit einem "Kreuzzug" gegen die Linke. DieWahl Ende September wird spannend - nicht weil die SPD zulegen, aber weil die CSU unter ihre magische Marke sacken könnte.

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