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Ein Luftangriff der Assad-Truppen im Norden Syriens. Wie viele Menschen dabei umgekommen sind, verwundet oder versehrt wurden? Niemand weiß es.

Krieg in Syrien

Der langsame Tod von Nordsyrien

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Die Lage in Nordsyrien eskaliert - wegen Trump, Erdogan und Assad.

Kurz vor Weihnachten drang aus den Kommandostellen des im Norden Syriens verbliebenen US-Militärs die Nachricht: Offiziere vor Ort wissen nicht mehr, auf welche Aussage aus Washington sie sich verlassen können. Der „Islamische Staat“ (IS) besiegt? Triumphaler Abzug nach Hause? Alles geregelt im Bürgerkriegsland Syrien?

Das war die Meinung des Obersten Befehlshabers der US-Streitkräfte, Präsident Donald Trump. Seine Generäle wissen inzwischen, dass Trump jedwede Expertise beiseitewischt, wenn sie ihm beispielsweise nicht in seine „Hollywood-Version von Krieg“ passt, womit mehrere ranghohe Offiziere sich in der Dezember-Ausgabe des Magazins „The Atlantic“ zitieren ließen.

Die US-amerikanischen Front-Offiziere aber warnten, was sich da im Norden an Getreuen des syrischen Diktators Baschar al-Assad sowie an vom Iran gesponserten Milizen und Söldnern im Dienste Moskaus oder Ankaras versammelt, sei „schlimmer als der IS“. Guten Gewissens die Kampagne gegen die Islamisten einfach so beenden? Keinesfalls, befanden die Offiziere.

Lage in Nordysrien wird immer verfahrener

Die nun jüngste Nachricht aus dieser gepeinigten Weltecke passt zu der immer verfahreneren Lage in Nordsyrien: „Syrische Truppen kreisen türkischen Beobachtungsposten ein.“ Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte meldete, Einheiten Assads hätten den türkischen Posten von Al-Surman in der Provinz Idlib umzingelt. Zuvor hätten die Regierungstruppen mehrere Städte und Dörfer in der Region nahe der strategisch wichtigen Stadt Maarat an-Numan erobert.

Die türkische Armee richtete Ende 2018 auf Vermittlung von Assads Schutzmacht Russland zwölf solcher Posten in Idlib ein, um eine Offensive der Syrer zu behindern. Seit April dringt das Assad-Militär im Schlagschatten russischer Truppen in den Norden vor. Auf die dort weiter vordringenden Türken und die mit ihnen verbündeten Milizen zu treffen, war nur eine Frage der Zeit.

Nordsyrien: Menschen versuchen zu retten, was noch irgendwie zu retten ist

Und in dieser Zwischenzeit zwischen allen Fronten werden die letzten Reste der zivilen Infrastruktur nach und nach zerrieben. Vor Weihnachten warnte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan die Europäer, der syrische Vormarsch habe weitere 80.000 Menschen in die Flucht geschlagen. Und er würde sie an die EU einfach weiterreichen – wenn die seine De-facto-Annexion Nordsyriens nicht akzeptiert.

Derweil versuchen die Menschen dort zu retten, was noch irgendwie zu retten ist. Und einander zu helfen. Doch auch dabei werden sie behindert und angegriffen. UN-Generalsekretär António Guterres prangerte insbesondere die Militärattacken auf Fluchtrouten der Zivilisten an. Er verlangte eine sofortige Waffenruhe. Die Vereinten Nationen und ihre Partner müssten ungehinderten Zugang zu den notleidenden Menschen haben, um sie zu versorgen. (mit afp/dpa/epd)

Der Kurdische Rote Halbmond hilft gemeinsam mit anderen Retterinnen und Rettern in Syrien Opfern auf allen Seiten. Ein Gespräch.

Bei einem Raketenangriff im Irak ist ein US-Zivilist ums Leben gekommen. Der Vorfall könnte zur Eskalation zwischen den USA und dem Iran führen.

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