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Ein Mann schützt sich vor giftigen Gasen einer provisorischen Raffinerie in Syrien.
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Ein Mann schützt sich vor giftigen Gasen einer provisorischen Raffinerie in Syrien.

Auf Messers Schneide

Syrien: Der vergessene Bürgerkrieg – Ein Land am Boden

  • Marvin Ziegele
    vonMarvin Ziegele
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Der Bürgerkrieg in Syrien rückte wegen der Corona-Pandemie und eines bröckeligen Friedens in den Hintergrund. Dabei erlebt das Land eines der schwersten Jahre bis jetzt.

  • Seit fast zehn Jahren tobt der Bürgerkrieg in Syrien.
  • Anfang 2020 hätte der Konflikt beinahe eine Eskalation zwischen zwei Großmächten erfahren.
  • Ein bröckeliger Waffenstillstand sorgte für neue Probleme – Wirtschafts- und Gesundheitssystem liegen darnieder.

Damaskus – Der Bürgerkrieg hat in Syrien kein Ende gefunden. Die bittere Realität der Corona-Pandemie und eine frei fallende Wirtschaft verschlimmert die Lage in Syrien in der Zeit eines bröckeligen Waffenstillstands zusätzlich. Machthaber Baschar al-Assad tauscht Minister aus, um die Situation zu verbessern. Doch was ist dieses Jahr in Syrien passiert? Eine Chronologie über einen vergessenen Konflikt. 

Bürgerkrieg in Syrien: Waffenstillstand statt blutigem Paukenschlag

Anfang 2020 sah es so aus, als würde der Bürgerkrieg mit einem blutigen Paukenschlag enden. Idlib, die letzte Region in Syrien, die noch von Rebellentruppen gehalten wurde, war von Assads Truppen umzingelt. Immer mehr Städte fielen in die Hände der Regierungstruppen. Zivile Ziele wurden kontinuierlich bombardiert. Russland fungiert dabei als Schutzmacht von Assads Truppen. Die Türkei unter der Führung von Recep Tayyip Erdogan unterstützt im Gegenzug die Rebellentruppen in der Provinz Idlib. Längst ist aus dem Bürgerkrieg in Syrien ein ausgewachsener Stellvertreterkrieg der Großmächte geworden. 

Im Februar schien ein direkter militärischer Konflikt zwischen türkischen und syrischen Truppen unabwendbar. „Die Idlib-Operation ist eine Frage des Augenblicks“, drohte Erdogan. Die Türkei werde nicht zulassen, dass Idlib in die Hände der syrischen Regierung falle. Auch Russland schien nicht von seiner Position abweichen zu wollen und lud den türkischen Präsidenten zu Verhandlungsgesprächen an den Tisch. 

Lage in Syrien: Wirtschaftskrise trotz bröckeligem Frieden

Die Gespräche mündeten in einem Waffenstillstand zwischen Rebellen und Regierungstruppen, dirigiert von der Türkei und Russland. Es ist nicht der erste Waffenstillstand während des Bürgerkriegs in Syrien. Vorherige Abkommen wurden gebrochen, der Krieg ging weiter. Problematisch gestaltete sich zumeist die Ansicht der syrischen Regierung unter Baschar al-Assad, die kein Interesse an einer Beilegung des Konflikts hat. In der Vergangenheit nutzte der Machthaber die Feuerpausen gezielt aus, um Kräfte zu sammeln und die Lage in Syrien schlussendlich wieder eskalieren zu lassen. Bisher hält der Waffenstillstand seit einem halben Jahr. Wie lange, ist nicht abzusehen. Aber die syrische Regierung wird von schwerwiegenderen Problemen geplagt. 

Anti-Assad-Demonstranten in den Ruinen der Stadt Ariha in der Provinz Idlib.

Im Verlauf des Jahres 2020 begann die ohnehin schon durch den Bürgerkrieg schwer geschädigte syrische Wirtschaft, einzubrechen. Die syrische Währung Lira verlor stark an Wert und die Preise für Lebensmittel explodierten. Viele Geschäfte mussten wegen des Kursabsturzes schließen. 

„Syrien gehört uns und nicht dem Assad-Clan"

Die Not der Syrer entlud sich auf den Straßen. Überall im Land kam es zu Protesten. Die Menschen klagten über die Lebenshaltungskosten und riefen Parolen gegen Assad. „Syrien gehört uns und nicht dem Assad-Clan“, hieß es. Als Konsequenz entließ der Machthaber seinen Ministerpräsidenten, Imad Chamis. Gründe wurden nicht genannt. Etwa die Hälfte der syrischen Bevölkerung, 9,3 Millionen Syrer, waren zuletzt vom Hunger bedroht.

Zuletzt folgte im Juli 2020 die Parlamentswahl in Syrien. Eine Wahl ohne eine echte Wahl. Über 2000 Kandidatinnen und Kandidaten bewarben sich auf insgesamt 250 Sitze, wobei die Mehrheit dieser Kandidaten der alles bestimmenden Baath-Partei von Machthaber Assad angehören. Viele der verbleibenden sind Verbündete der Baath-Partei. Die wahlberechtigten Syrer durften auch aus Gebieten wählen, die gar nicht unter der direkten Kontrolle der syrischen Regierung stehen, wie etwa Idlib. Deshalb konnten die Wähler in andere Gebiete reisen, um ihre Stimmen abzugeben. Baschar al-Assad will zeigen, dass er die Lage in Syrien im Griff hat und de jure das ganze Land kontrolliert.

Trotz eines haltenden Waffenfriedens brach die Wirtschaft ein und verschlimmerte die Lage der Menschen in Syrien. Trotz Feuerpause schlich sich ein neuer, gemeinsamer Feind nach Syrien. Viele Menschen sind zutiefst verunsichert, wie weit sich das Coronavirus bereits in Syrien ausgebreitet hat. Vor allem bei Ärzten und führenden Medizinern wurde das Virus entdeckt. Da über die Hälfte der syrischen Ärzte und medizinischem Personal das Land verlassen hat, ist die Sorge um die verbliebenen Mediziner groß. 

Coronavirus trifft syrisches Gesundheitssystem

Neben der Wirtschaft bricht nun auch das Gesundheitssystem des Landes ein. Überall in Syrien fehlt es an Krankenhausbetten oder Beatmungsgeräten, oftmals gibt es nicht einmal einen Kühlschrank, um Laborproben kühlen zu können. Falls Mediziner erkranken, müssen die wenigen verbliebenen Einrichtungen geschlossen werden. 

Das Jahr 2020 ist vielleicht nicht von blutigen Kämpfen im Bürgerkrieg in Syrien gezeichnet, stattdessen wird das Land von Krankheit, Armut und Hunger von innen heraus zerstört. Die Parolen der Demonstranten scheinen im Angesicht dieser bitteren Realität leiser zu werden. Syrien gehört dem Assad-Clan und das wird es auch weiterhin bleiben. (Marvin Ziegele)

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