Diktator „schwach“ und „unfähig“

Bürgerkrieg in Syrien: Assad fällt in Russland in Ungnade

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Lange hat Russland Syriens Machthaber Baschar al-Assad unterstützt. Inzwischen gilt er dort als „schwach“ und „unfähig“.

Zunächst waren es Einzelstimmen wie der russische Karrierediplomat Alexandr Aksenenok. Kürzlich aber ging erstmals auch die populäre Medienplattform RIA FAN, die dem Oligarchen und Putin-Freund Jewgeni Prigoschin gehört, in mehreren Artikeln offen auf Distanz zu dem syrischen Diktator Baschar al-Assad – wenn auch das meiste später wieder gelöscht wurde. 

Syrien-Krieg bringt Assad in Bedrängnis - Kritik aus Russland

Assad sei „schwach“ und „unfähig“, die grassierende Korruption in Syrien zu stoppen und das Land wieder auf die Beine zu bringen, lautete die Kritik. Dazugestellt wurde eine Umfrage der russischen „Stiftung für den Schutz traditioneller Werte“ unter 1.000 Syrern in den Regime-Gebieten, nach der nur noch 31,4 Prozent Assad positiv sehen und bei der Präsidentenwahl 2021 wählen würden. 71,3 Prozent nannten die Korruption das größte Problem, 78,6 Prozent halten Reformen für dringend erforderlich. 

In Assads Syrien droht die Freundschaft zu Putins Russland in Rauch aufzugehen.  

Auch wenn es Zweifel gibt, ob diese telefonische Umfrage Anfang April tatsächlich so stattgefunden hat – ihre Hochglanzpräsentation in einem Putin-nahen Medium könnte Indiz dafür sein, dass im Kreml die Frustration über das Regime in Damaskus wächst. Der Einsatz in Syrien verschlingt Unsummen. Und wie es mit dem korrupten Assad-Clan an der Macht weitergehen soll, wird für Moskau immer unkalkulierbarer. 

Syrien liegt durch Krieg am Boden: Russland-Präsident Putin könnte bald genug von Assad haben

Das Land liegt total am Boden, 80 Prozent der Bevölkerung lebt in Armut, die Corona-Seuche könnte der geschundenen Nation nun den Rest geben. Und so befürchten Teile der russischen Führung offenbar, nach dem Virus allein auf dem syrischen Bürgerkriegschaos sitzen zu bleiben, während die übrige Welt auf Jahre mit der Reanimation ihrer demolierten Volkswirtschaften beschäftigt ist.

Zusätzlich fallen die Preise für Rohöl derzeit ins Bodenlose, dessen Erlöse 40 bis 50 Prozent des russischen Staatshaushalts ausmachen. Im laufenden Jahr rechnet Moskaus Finanzminister bereits mit einem Loch von 39 Milliarden Dollar. Auch das beflügelt Spekulationen, Putin könnte demnächst genug haben von seinem teuren syrischen Kriegsfreund und Ausschau halten nach einer Alternative, die Assad bis zur Präsidentenwahl im kommenden Jahr ersetzen könnte. 

Kritik an Assad und Syrien aus Russland

Ex-Botschafter Aksenenok, der bereits unter Assads Vater Hafis al-Assad bei der russischen Vertretung in Syrien tätig war, führt ein ganzes Bündel an Kritikpunkten ins Feld. Sein Artikel erschien nicht nur in der relativ Kreml-kritischen Zeitung „Kommersant“, sondern auch als englische Publikation beim „Russian International Affairs Council“ (RIAC), zu dessen Vorstand Russlands Außenminister Sergej Lawrow gehört. 

„Nach allem, was wir sehen, ist Damaskus nicht sonderlich interessiert, eine weitsichtige und flexible Haltung an den Tag zu legen“, bilanzierte der frühere Diplomat. Stattdessen setze die syrische Führung auf eine militärische Lösung und widersetze sich „unausweichlichen Reformen“. 

Syriens Zukunft unter Assad düster: Russland hat genug

Entsprechend düster malt der russische Autor Syriens Zukunft. Laut Weltbank seien 45 Prozent aller Wohnungen zerstört, ebenso die Hälfte aller Krankenhäuser und 40 Prozent der Schulen. Mindestens 250 Milliarden Dollar seien nach dem Ende des Krieges erforderlich. 

Weder Syrien „noch der kleine Kreis der ausländischen Geldgeber“ könne eine solche Last schultern. Das Regime sei unwillig oder unfähig, „Korruption und Kriminalität in die Schranken“ zu weisen. Nach Ansicht von Aksenenok fehlen daher sämtliche Voraussetzungen für große wirtschaftliche Wiederaufbauprojekte. 

Anfang des Jahres hatte sich auch Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel in den Syrien-Krieg eingeschaltet und mit Putin telefoniert. Schließlich währt der Syrien-Krieg schon neun Jahre - Ende nicht in Sicht.

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Rubriklistenbild: © Syrian Presidency / dpa

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