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Ein Militärcamp auf den von Israel okkupierten Golan-Höhen, die an Syrien grenzen. Eine junge Israelin versuchte unlängst, die syrisch-israelische Grenze zu überqueren.
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Ein Militärcamp auf den von Israel okkupierten Golan-Höhen, die an Syrien grenzen. Eine junge Israelin versuchte unlängst, die syrisch-israelische Grenze zu überqueren.

Bürgerkrieg

Geheimer Deal: Israel zahlt Impfstoff für Syrien – als Lösegeld für israelische Gefangene

  • Marvin Ziegele
    VonMarvin Ziegele
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Israel und Syrien handeln ein Abkommen über die Lieferung von Corona-Impfstoff aus. Die israelische Regierung weicht Erklärungen zu dem geheimen Pakt aus.

  • Israel und Syrien haben während eines Gefangenenaustausches ein ungewöhnliches Abkommen getroffen.
  • Künftig will Israel russischen Impfstoff finanzieren, der nach Syrien geliefert wird.
  • Der israelische Premierminister Benjamin Netanyahu weicht Fragen zu dem Deal aus.

Tel Aviv/Damaskus – Eine junge israelische Frau wurde kürzlich aus syrischer Haft entlassen. Sie hatte die Grenze zu Syrien illegal überquert. Offenbar spricht sie fließend Arabisch und kannte eine günstige Stelle für einen Grenzübertritt nach Syrien, wie die Zeitung „Times of Israel“ berichtet. Anschließend wurde sie von syrischen Sicherheitskräften aufgegriffen. Warum sie die Grenze überqueren wollte, bleibt unklar. Die offizielle Begründung ihrer Freilassung war ein Gefangenenaustausch zwischen Syrien und Israel. Zwei syrische Schäfer wurden im Gegenzug aus israelischer Haft entlassen, so die Erklärung aus Tel Aviv.

Syrien: Israel handelt Freilassung von junger Bürgerin aus

Der Deal ist ein ungewöhnlicher Schritt. Die diplomatische Beziehung zwischen Syrien und Israel ist, bedingt durch zahlreiche Kriege zwischen den beiden Ländern, zum Zerreißen angespannt. Daher liegt die Annahme nahe, dass der Deal zu glatt über die Bühne ging. Diese Annahme bestätigt sich nach neuen Enthüllungen auch. Tatsächlich hat Israel für die Befreiung der jungen Frau zu viel mehr Bedingungen zugestimmt, wie die „New York Times“ berichtet. Auch die israelische Zeitung „Haaretz“ greift den Deal auf. Israel soll demnach eine unbekannte Summe in Corona-Impfungen investieren, die Syrien zugutekommen. Die „Times“ beruft sich auf einen Offiziellen, der den Verhandlungen um den Gefangenenaustausch beigewohnt haben soll.

Laut den Informationen über den geheimen Deal soll Israel Russland bezahlen, um den aus russischer Fertigung stammenden Impfstoff Sputnik V an das Regime unter Machthaber Bashar al-Assad in Syrien zu schicken. Israel hat inzwischen fast die Hälfte seiner Bürger:innen mindestens ein Mal geimpft. Syrien hat hingegen noch nicht einmal mit einer Impfkampagne begonnen.

Impf-Deal mit Syrien: Israelische Regierung schweigt auf Nachfragen

Die israelische Regierung hat sich bisher nicht zu den Enthüllungen geäußert. Als Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu in einem Fernsehinterview nach der Finanzierung von Impfstoff in Syrien gefragt wurde, wich er der Frage aus. Er betonte lediglich, dass kein israelischer Impfstoff nach Syrien gelangen würde. „Wir haben die Frau zurückgebracht. Darüber bin ich froh.“ Er dankte auch Russlands Präsident Wladimir Putin. „Mehr werde ich nicht hinzufügen.“

Der Impf-Deal ist eine überraschende Maßnahme der israelischen Regierung, bedenkt man, dass Syrien und Israel in der Vergangenheit mehrere Kriege geführt haben und immer noch Streitigkeiten um die Golan-Höhen in Israel herrschen. Auch wiegt die Tatsache, dass Israel palästinensische Arbeiter:innen aus dem Westjordanland im eigenen Land nicht impfen lassen will, schwer. Zahlreiche Palästinenser:innen sind frustriert über die Enthüllung, dass Syrien ihnen nun vorgezogen wird. Bis heute hat Israel den knapp 2,8 Millionen Palästinenser:innen im Westjordanland nur einige wenige tausend Impfungen zukommen lassen. Im dicht besiedelten Gaza-Streifen sind es sogar noch weniger. (Marvin Ziegele)

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