Synagogen mit Gewalt geräumt

Israel setzt Gaza-Abzug zügig fort / Wasserwerfereinsatz

Jerusalem · Nach einer letzten Zehn-Minuten-Frist im Anschluss an das Nachmittagsgebet rückten die Truppen in die Synagoge von Newe Dekalim vor. Aneinander geklammert saßen dort junge Demonstranten, die meisten von ihnen aus dem Westjordanland angereist, um gegen den Abzug Widerstand zu leisten.

Mit Lautsprechern riefen sie zur Befehlsverweigerung auf. Auch hatten einige am Morgen Öl im Eingang des verbarrikadierten Gotteshauses verschüttet, um den Zutritt zu erschweren. Nur unter größten Mühen gelang es den Einsatzkräften, die Protestierenden einen nach dem anderen aus der Menge zu lösen und an Händen und Füßen hinaus zu tragen.

Alle Versuche, unter Vermittlung des Siedlerrates und einiger Rabbiner mit ihnen über ein Ende ihres Sitzstreiks zu verhandeln, waren zuvor gescheitert. Mit Zwangsmitteln verschafften sich die Truppen allerdings erst Einlass, als die meisten der regulären Siedler aus Newe Dekalim, der größten unter den 21 Gaza-Kolonien, bereits ihre Häuser verlassen hatten.

Auch in Kfar Yam, einer Siedlung direkt an der Küste des Gaza-Streifens, drohte die Lage zu eskalieren. Ein mit einem M-16-Sturmgewehr bewaffneter, rechtsextremer Wortführer, Arieh Yitzhaki, verschanzte sich dort auf seinem Hausdach und kündigte per Megaphon an, dass Blut vergossen werde, falls Soldaten sich seinem Haus näherten.

Er habe das Dach zudem mit Bomben bestückt, erklärte er israelischen Fernsehreportern. "Es gibt keine Chance, das Haus zu stürmen, es ist das sicherste in ganz Gusch Katif." Er warne deshalb jeden, sich zu nähern. Offenbar hatte er aber Kontakt zu Verhandlern, die ihn zur Aufgabe zu bewegen versuchten.

Eine heikle Aufgabe auch deshalb, weil sich etwa vierzig radikale Siedler, darunter Nadia Matar von den "Frauen in Grün" samt ihrer Kinder, in dem Gebäude aufhielten. Zudem hatten Yitzhakis Unterstützer am Morgen die nahe gelegene palästinensische Enklave Mowassi mit Steinwürfen angegriffen. Die Armee riegelte daraufhin Mowassi ab.

Als Hardliner-Hochburg gilt auch die Siedlung Kfar Darom, wo sich Bewohner und Siedler mit Vorräten und Schlafsäcken ausgerüstet in öffentlichen Gebäuden wie dem Kindergarten, dem Amtssekretariat und einer Fabrik eingeschlossen hatten. Mehrere hundert Militante verschanzten sich auch hier in der mit Stacheldraht bewehrten Synagoge.

Polizisten brachen am Nachmittag die Tür auf und drangen in den Gebetsraum ein. Dort saßen hunderte Ultranationalisten unter Tischen und klammerten sich aneinander, um ihren Abtransport zu erschweren. Gegen zahlreiche junge Menschen auf dem Dach der Synagoge setzte die Polizei Wasserwerfer ein. Die Demonstranten warfen Trümmer und Eier herunter.

Auch in anderen Gaza-Siedlungen empfingen Abzugsgegner die Truppen mit Farbbeuteln, Eiern und Steinen. Vereinzelt setzten sie auch Gebäude oder Treibhäuser in Brand. In Schirat Hayam besetzten sie einen Wachturm der Armee. Inge Günther

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