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Jacinda Ardern (38) verhüllte ihr Haupt zum Zeichen der Trauer und der Solidarität.

Jacinda Ardern

Sympathisch hart

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Neuseelands Premier Jacinda Ardern muss eine neue Realität meistern – ein Porträt.

Neuseelands Premierministerin galt seit ihrem Amtsantritt im Herbst 2017 als das sympathische Gesicht ihrer sympathischen Heimat. Aber seit dem Anschlag des rechtsradikalen Australiers Brenton T. auf zwei Moscheen in Christchurch zeigt die 38-jährige Jacinda Ardern, dass sie auch anders kann: „Eine Schande“, kommentierte sie kurz und knapp die Äußerungen des australischen Senators Fraser Anning. Der machte als Grund für den Anschlag, der 50 Menschen das Leben gekostet hat, „muslimische Einwanderung“ aus. Und auch der rechte Terrorist T. hat sich mit der linken Sozialdemokratin eine unnachgiebige Gegnerin gemacht, die es nicht bei Trauer belässt.

Zwar besuchte Ardern, die in einem Mormonenhaushalt aufwuchs, Angehörige der Opfer, ihr Haupt demütig bedeckt, aber schon da ging sie in die Offensive gegen T. und seine Gesinnungsgenossen: Sie deklarierte, dass Muslime – nur rund ein Prozent der fünf Millionen Neuseeländer – ein integraler Teil ihrer Heimat seien. Eine gegenteilige Haltung, gar Rassismus – „so etwas gehört nicht nach Neuseeland“. Wobei es durchaus sein kann, dass in solchen Äußerungen auch der Zorn über eigene Versäumnisse mitspielt. Denn Neuseeland hat sich so sehr im Image einer friedliebenden, toleranten Nation gesonnt, dass manche Signale offenbar ignoriert wurden. Das Land besitzt keine Statistiken über „Hassverbrechen“, aber rassistische Zwischenfälle sind nicht unbekannt.

Ardern konzentrierte sich denn auch lieber auf ihre progressive Politik, will die neuseeländischen Waffengesetze verschärfen. Das kommt auch gut an, es lässt aber die Flüchtlingspolitik des Landes außen vor. Neuseeland nimmt ausgesuchte Flüchtlinge aus aller Welt auf. Aber Armutsmigration aus anderen Ländern wird nicht toleriert.

Ardern hat auch lange für Politiker gearbeitet, für die realpolitische Machbarkeit oberstes Gebot ist. So war sie im Stab ihrer Amtsvorgängerin Helen Clark und gehörte einem 80-köpfigen Beraterstab des britischen Premiers Tony Blair an – den sie gleichwohl nie zu Gesicht zu bekam. Solche Leute scheinen heute sehr gestrig. Den Relativierungen etwa von Populisten wie US-Präsident Donald Trump setzt sie den Wunsch nach einer „Botschaft des Friedens für unsere muslimischen Mitmenschen“ entgegen. Gegenüber Rechtsextremen wird sie nach dem Alptraum von Christchurch weniger freundlich sein. Aber wie weit sie einen harten Kurs durchhalten kann? Populär ist Jacinda Ardern, keine Frage. Aber das übertüncht, dass sie eine wackelige Koalitionsregierung führt.

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