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Nach der Europawahl - Demo gegen AfD- Wahlerfolg.

Streit

Die Südwest-AfD zerlegt sich

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Parteichef Gauland stellt östliche Landesverbände als Vorbilder heraus.

Noch am Abend der Europawahl ließ ein führender Vertreter der Südwest-AfD auf der Wahlparty seinen Gefühlen freien Lauf: „Baden-Württemberg ist eine Katastrophe.“ Er meinte nicht nur das schlechte Wahlergebnis in seinem Bundesland.

Dort flammt wieder ein heftiger interner Streit auf. Nur drei Monate nach der Neuwahl des Landesvorstands ist der komplett zerstritten. Sieben Vorstandsmitglieder werfen dem Landesvorsitzenden Dirk Spaniel und seinem Schatzmeister Frank Kral „rüdes Verhalten“, „Gebrüll, Pöbeleien und Anschuldigungen“ vor. „Sie hinterlassen eine Spur der kollegialen Verwüstung“, heißt es in einem Schreiben an alle Mitglieder. Bemängelt wird auch der Umgang mit der Landesgeschäftsführerin, überhöhte Telefon- und Plakatrechnungen, Vetternwirtschaft und zig Alleingänge Spaniels.

Am Samstag ist wieder mal Landesparteitag in Pforzheim. Laut Antragsbuch soll da versucht werden, Spaniel und Kral rauszuwerfen. Es liegt aber auch ein allgemeiner Abwahlantrag vor, der sich gegen den zweiten Landesvorsitzenden, den als eher gemäßigt geltenden Bernd Gögel richten könnte. Erst im Februar war der Vorstand unter heftigen Streitereien gewählt worden. AfD-Chef Jörg Meuthen hatte damals in Pforzheim gegen rechtsextreme Tendenzen und „rücksichtslose Radikale“ gewettert: „Wer hier seine gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit ausleben möchte, dem sage ich ganz klar: Sucht euch ein anderes Spielfeld für eure Neurosen!“

Spaniel wurde Landeschef, weil er versprach, auch den radikalen „Flügel“ einzubinden. Seine Gegner vermuten, dass er Absprachen getroffen hat, „Flügel“-Leute mit Posten zu versorgen und die Machtverhältnisse im Vorstand zu seinen Gunsten zu verändern.

Spaniel und Kral arbeiteten schon in Berlin zusammen. Kral wurden von Bundestagfraktionschefin Alice Weidel als kommissarischer Chef des Fraktionsaufbaus gefeuert. Spaniel stellte sich als einer von wenigen hinter Kral. Der frühere Daimler-Ingenieur gilt als sehr ehrgeizig, angeblich strebt er nach führenden Posten in Fraktion und Parteiführung.

Meuthen wird nicht wieder eingreifen. Wie der Parteitag ausgeht, mag kein AfD-Kader vorherzusagen. Spaniel schweigt zu dem Brief seines Vorstands. Sicher ist: Baden-Württemberg bleibt wie die Landesverbände Bayern und Nordrhein-Westfalen in einer zerstörerischen Spirale aus persönlichen Animositäten, Macht- und Flügelkämpfen gefangen. Das verschiebt die Machtverhältnisse in der Partei in Richtung der viel kleineren, aber deutlich erfolgreicheren ostdeutschen Länder.

Parteichef Gauland sieht im Anti-Establishment-Kurs der Ost-AfD, die immer wieder auf den Sturz der DDR 1989 verweist, ein Vorbild: „Wir wollen die Wende vollenden“, intoniert brandenburgische AfD-Chef Andreas Kalbitz. Brandenburger und Sachsen wollen am 1. September in ihre Landtage als stärkste Kraft einziehen.

Der Fokus auf die radikalen Ostdeutschen bereitet vielen im Westen Sorge: „Das werden keine einfachen Monate für konservative Realos“, sagt ein AfD-Kader aus dem Südwesten.

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