+
Protest gegen die AfD in Heidenheim.

Parteitag

Südwest-AfD bleibt tief gespalten

Parteichef Meuthen wirft Mitgliedern „Menschenfeindlichkeit“ vor.

Beim AfD-Landesparteitag in Baden-Württemberg prallten Konservative und extrem Rechte am Wochenende mit voller Wucht aufeinander. Parteichef Jörg Meuthen warf den extrem rechten Parteimitgliedern in Heidenheim „gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“ vor und rief ihnen zu: „Ihr werdet diese Partei niemals kapern“. Es gab Beifall – und laute Buhrufe. Mit 380 zu 320 Stimmen wurde Bernd Gögel zum neuen Landeschef gewählt. Er gilt als Vertreter der sogenannten Gemäßigten, sein Gegenkandidat Emil Sänze gehört zu den extrem Rechten im Landesverband. Bei der Wahl des Co-Vorsitzenden scheiterte Martin Hess, mit dem Gögel eigentlich eine Doppelspitze bilden wollte, am Bundestagsabgeordneten Dirk Spaniel.

Spaniel will nach eigener Aussage auch die Interessen des rechten Rands des Landesverbands einbeziehen. „Es geht nicht ohne Flügel“, sagte der Bundestagsabgeordnete am Sonntag mit Blick auf Anhänger des radikalen „Flügels“ um den Thüringer AfD-Partei- und Fraktionschef Björn Höcke. Man müsse anständig und respektvoll auch mit kritischen Personen umgehen, sagte Spaniel. Es sei gut, wenn einer den Gesprächsfaden zu diesen Mitgliedern habe. „Es werden alle fair behandelt, auch Herr Räpple und Herr Gedeon“, sagte Spaniel mit Blick auf die Landtagsabgeordneten Stefan Räpple und Wolfgang Gedeon vom rechten Rand, die die Parteispitze aus der Partei ausschließen will.

Gögel polarisierte in seiner Bewerbungsrede bewusst gegen das radikale Lager seiner Partei. Wer sich nicht an die Regeln halte und eine Revolution wolle, müsse die Partei verlassen. „Wir haben euch jede Möglichkeit eingeräumt, diese Volière zu reinigen“, rief er. „Wenn ihr dazu nicht in der Lage seid, dann dürft ihr euch nicht wundern, wenn der Vermieter den Kammerjäger holt.“ Damit spielte er auf die drohende Beobachtung der AfD durch den Verfassungsschutz an.

Der bisherige AfD-Landeschef Marc Jongen wollte nicht mehr antreten. Er setzte sich aber bei der Wahl einer der Stellvertreterposten mit 351 gegen 221 Stimmen gegen die rechtsnationale Abgeordnete Christina Baum durch. (dpa/jps)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion