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Die Deko für das Mond-Neujahrsfest am Freitag in Thailand hängt zwar, doch die Pandemie macht größere Feiern unmöglich.
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Die Deko für das Mond-Neujahrsfest am Freitag in Thailand hängt zwar, doch die Pandemie macht größere Feiern unmöglich.

Coronavirus

Südostasien hat das Nachsehen

  • vonFelix Lill
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Viele Staaten in Südostasien können sich Impfstoffe kaum leisten, die Impfkampagnen stocken.

Thailand wird das Impfdrehkreuz Südostasiens. Schon Ende des vergangenen Jahres schloss die Regierung des 69-Millionen-Menschen-Landes einen Deal mit dem britischen Impfstoffhersteller Astrazeneca ab, durch den es mit Lizenz 200 Millionen Dosen produzieren wird. Allerdings: „Wir werden uns nur 26 Millionen Dosen selbst sichern“, erklärte Nakorn Premsi, Vorsitzender des nationalen Impfinstituts. Diese Zahl könne zwar noch erhöht werden, aber der Großteil sei für den Export in Nachbarländer des Staatenverbunds Asean (Association of Southeast Asian Nations) gedacht.

In dem Schwellenland, das zuletzt in eine neue Infektionswelle geriet, sorgt dies für Nervosität. Weil die Auslieferung des lizenzproduzierten Impfstoffs nämlich erst für Juni geplant ist, muss sich Thailands Regierung unterdessen auf günstig importierte Vakzine verlassen. So sollen zunächst zwei Millionen Dosen des chinesischen Herstellers Sinovac kommen, die noch in diesem Monat verabreicht werden könnten. Nur bestehen in der Bevölkerung, von der ein Großteil seit Monaten gegen die Regierung und ihren König protestiert, erhebliche Zweifel. Studien in verschiedenen Ländern haben für den Impfstoff höchst unterschiedliche Wirkungsgrade ergeben.

Nicht nur in Thailand kritisieren Menschen: Die Regierung nehme ein günstiges Angebot aus China an – und mache sich damit politisch abhängig. Auch Indonesien, mit rund 270 Millionen Einwohner:innen einer der bevölkerungsreichsten Staaten der Welt, verlässt sich mit dem Bezug von Sinovac-Dosen auf Peking. Im Januar hat Indonesien mit neun Millionen Injektionen für Angestellte des öffentlichen Sektors das Impfen begonnen. Dabei werden nicht etwa – wie in westlichen Ländern üblich – zuerst die Ältesten geimpft. Priorität haben 18- bis 59-Jährige. Das Argument: Damit möglichst viele Sektoren der durch die Pandemie darniederliegenden Wirtschaft möglichst schnell wiederbelebt werden können, müssen sich die Älteren hintanstellen. Neben dem chinesischen Impfstoff sollen nun durch das multilaterale Impfprogramm Covax zwischen 13,7 und 23,1 Millionen Dosen des Stoffs von Astrazeneca hinzukommen.

In Relation zur Bevölkerungsgröße steht Kambodscha besser da – zumindest erwartet man dies für die kommenden Wochen. Die Impfungen haben hier noch nicht begonnen. Aber das 16-Millionen-Menschen-Land, das nach internationalen Entwicklungskennzahlen zur Gruppe der ärmsten der Welt gehört („least developed countries“), erwartet die Lieferung von 20 Millionen Dosen. Elf Millionen davon sind Spenden befreundeter Staaten, zu denen neben Australien auch hier China gehört. Ein weiterer Teil kommt von Covax. Die ersten 300 000 Dosen von Sinopharm aus China sollen noch im Februar geliefert werden. Beim ersten Pieks geht es in Kambodscha aber nicht nach Alter, sondern nach Amt. „Ich möchte ankündigen, dass die erste Injektion der Vakzine an mich gegeben wird“ erklärte der seit 1985 regierende Premierminister Hun Sen Ende Januar. „Ich muss an der Front sein, wie es seit Jahrzehnten meine Gewohnheit ist.“

Kambodscha schon einige Schritte voraus ist Myanmar. Mit seinen 54 Millionen Einwohner:innen ist der Nachbar ein größeres, aber in Sachen Entwicklungsniveau wie Kambodscha ähnlich armes Land. Die Impfungen haben hier schon Ende Januar begonnen. Die ersten Injektionen haben nicht Politiker:innen erhalten, sondern Arbeitskräfte aus dem Gesundheitssektor. Das nahegelegene Indien, wo unter Lizenz der Impfstoff von Astrazeneca und der Universität Oxford produziert wird, hat 1,5 Millionen Dosen als Spende geschickt. Allerdings ist nun ungewiss, wie es im Land weitergehen wird, zumal sich Anfang vergangener Woche das Militär an die Macht putschte. Schlimmstenfalls könnte diese politische Zäsur auch Auswirkungen auf die Fortschritte beim Impfen haben.

Im 107-Millionen-Menschen-Land Philippinen, das nach Indonesien die meisten Infektionsfälle in Südostasien zählt (derzeit rund eine halbe Million), hat das Impfen noch nicht einmal begonnen. Zwar zählen die Philippinen ähnlich wie Indonesien und Thailand zu den Schwellenländern. Aber die ersten Lieferungen von Biontech/Pfizer sowie Astrazeneca – zunächst 5,6 Millionen Dosen – erwartet der Staat via Covax erst gegen Ende des ersten Quartals. Unterdessen hofft das Land auf eine rasche Lieferung von 50 000 Dosen – von insgesamt 25 Millionen bestellten – von Sinovac aus China. Nur steckt die Regierung auch deshalb in Schwierigkeiten: Präsident Rodrigo Duterte will die Menschen schnell impfen und daher nicht auswählen lassen, welchen Impfstoff sie erhalten. Und da im Fall von Sinovac nur begrenzt Daten verfügbar sind, wird im Land derzeit darüber diskutiert, wie sicher und sinnvoll es sei, sich dann überhaupt impfen zu lassen. Wegen schlechter Erfahrungen in der Vergangenheit mit Impfstoffen gegen das Denguefieber besteht im Land erhebliche Skepsis.

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