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Südkorea erklärt Zeitalter der Rücksicht für beendet

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Von: Nail Akkoyun

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Panzer-Haubitzen der südkoreanischen Armee bei einer Übung nahe der Grenze zu Nordkorea. (Archivbild)
Panzer-Haubitzen der südkoreanischen Armee bei einer Übung nahe der Grenze zu Nordkorea. (Archivfoto) © Ahn Young-Joon/AFP

Unter dem neuen Präsidenten Yoon Suk Yeol will Südkorea dem Nachbarland Nordkorea gegenüber wieder härtere Kante zeigen und das Bündnis mit den USA stärken.

Seoul – Die Zeit der Appeasement-Politik gegenüber Nordkorea ist in den Augen von Südkoreas Staatsoberhaupt Yoon Suk Yeol vorüber. Künftige Gespräche müssten vom nordkoreanischen Machthaber Kim Jong-Un initiiert werden, sagte der neue konservative Präsident am Montag (23. Mai).

„Ich denke, der Ball liegt beim Vorsitzenden Kim – es ist seine Entscheidung, einen Dialog mit uns zu beginnen“, sagte Yoon gegenüber dem US-Nachrichtensender CNN.

Mit 15 Raketentests hat Pjöngjang in diesem Jahr bereits mehr Tests als in den vergangenen zwei Jahren durchgeführt. Im vergangenen Monat gelobte Kim Jong-Un darüber hinaus, seine Nuklearstreitkräfte mit „höchstmöglicher“ Geschwindigkeit zu verstärken und weiterzuentwickeln. Auf Provokationen des Nachbarlandes ist man in Südkorea laut Yoon aber vorbereitet.

Südkoreas neuer Präsident Yoon Suk Yeol will einen anderen Nordkorea-Kurs als sein Vorgänger einschlagen. (Archivfoto)
Südkoreas neuer Präsident Yoon Suk Yeol will einen anderen Nordkorea-Kurs als sein Vorgänger einschlagen. (Archivfoto) © Lee Jin-Man/AP/dpa

Yoon Suk Yeol will Wohlstand in Süd- und Nordkorea

„Nur um vorübergehend einer nordkoreanischen Provokation oder einem Konflikt zu entgehen, sollten wir nicht handeln“, sagte Präsident Yoon und verwies auf die beschwichtigende Strategie der vorherigen liberalen Regierung. „Diese Art von Ansatz hat sich in den letzten fünf Jahren als Fehlschlag erwiesen“.

Yoon, ehemaliger Staatsanwalt und Neuling in der Politik, hatte in der Vergangenheit vermehrt seine härtere Haltung gegenüber Nordkorea und seinen Wunsch betont, das südkoreanische Militär zu stärken. Sein Vorgänger Moon Jae-in vertraute stattdessen auf einen friedlichen Dialog und setzte sich für eine Versöhnung der seit 1945 geteilten Länder ein.

Trotz seiner Haltung beteuerte Yoon jedoch, er wolle nicht, dass Nordkorea „zusammenbricht“. Auch er wolle eine gemeinsame Zukunft. „Was ich will, ist ein gemeinsamer Wohlstand auf der koreanischen Halbinsel“, sagte er, fügte allerdings hinzu: „Ich glaube nicht, dass die Verbesserung der nuklearen Fähigkeiten [Nordkoreas] hilfreich und förderlich für die Erhaltung des internationalen Friedens ist.“

Nordkorea-Konflikt: Südkorea plant gemeinsame Militärmanöver mit den USA

Angesichts der ersten Asien-Amtsreise Bidens und den jüngsten Raketentests Nordkoreas warnten US-Beamtete vor einem möglich Atom- oder Interkontinentalraketenversuch während Bidens Besuch. Dazu kam es bislang allerdings nicht.

Während seines Wahlkampfs hob Yoon Suk Yeol die Bedeutung eines engen Sicherheitsbündnisses zwischen Südkorea und den USA hervor. Joe Biden äußerte sich nach dem Treffen mit Yoon positiv und sprach davon, dass die Beziehungen „neue Höhen“ erreicht hätten. Nun plane man, in Zukunft wieder gemeinsame militärische Übungen auszuweiten – ein Schritt, den Kim Jong-Un als Provokation auffassen dürfte.

Yoon verteidigte die geplanten Manöver hingegen als rein defensiv. Es sei „die grundlegende Pflicht jedes Militärs auf der ganzen Welt, um seine Bereitschaft aufrechtzuerhalten“. Er schloss jedoch die Möglichkeit aus, taktische Nuklearwaffen wieder in Südkorea zu stationieren. (nak)

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