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COP26 in Glasgow

Südafrikas Traum von der sauberen Energie

  • Johannes Dieterich
    VonJohannes Dieterich
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Südafrika erzeugt seinen Strom vor allem mit dem Verbrennen von Kohle. Der Umstieg wird teuer – ein großes Problem für das Land.

Kapstadt saß auf dem Trockenen; von einem Zyklon aufgepeitscht schwappte der Indische Ozean über sein Ufer; und in der KwaZulu/Natal-Provinz fallen an heißen Tagen die Vögel vom Hitzschlag getroffen tot vom Himmel. In Südafrika deuten sich die Folgen der Klimakatastrophe nicht nur an – sie sind schon Wirklichkeit geworden. Wie in anderen Regionen des Kontinents südlich der Sahara fällt der Temperaturanstieg hierzulande doppelt so hoch aus wie im globalen Durchschnitt: Um mehr als zwei Grad ist die Luft bereits wärmer geworden.

Anders als der Rest des Erdteils, der weniger als vier Prozent der für die Erderhitzung verantwortlichen Emissionen ausstößt, ist Südafrika aber nicht nur Betroffener, sondern auch Verursacher der Katastrophe. Sein staatlicher Stromerzeuger Eskom ist zu fast 90 Prozent auf die Verbrennung von Kohle angewiesen und gilt als der schmutzigste Energiekonzern der Welt. Seine 15 Kraftwerke, die gut 44 Gigawatt Elektrizität herstellen, blasen jährlich 1600 Kilotonnen Schwefeldioxid in die Luft – mehr als drei Mal soviel wie sämtliche Kohlekraftwerke der 27 EU-Staaten zusammen.

COP26 in Glasgow: Südafrika hofft auf den globalen Klimafonds

Dass sich daran etwas ändern muss, ist auch am Kap der Guten Hoffnung klar. Was, ist allerdings umstritten. Südafrika sitzt auf 35 Milliarden Tonnen Kohle, den achtgrößten Reserven der Welt – gut 200 Millionen Tonnen werden jährlich verbrannt, mehr als 80 Millionen exportiert. Einen schnellen Ausstieg aus der Kohleförderung kann sich das Land nicht leisten. Erst kürzlich wurden wieder zwei riesige Kraftwerke gebaut, trotzdem kommt Eskom mit der Stromproduktion nicht nach. Der Konzern steht mit über 25 Milliarden Euro in der Kreide. Gwede Mantashe, Minister für Bodenschätze, träumt von „sauberer“ Kohle-Energie und will als ehemaliger Chef der Minengewerkschaft vor allem die Arbeitsplätze der Kumpels sichern. Die Arbeitslosenquote liegt bei 42 Prozent.

Trotzdem hat sich die Regierung unter Präsident Cyril Ramaphosa jetzt dazu verpflichtet, die Emissionen ab 2025 zu vermindern. Ab 2030 sollen sie nur noch zwei Drittel des heutigen Werts ausmachen und bis Mitte des Jahrhunderts auf Null gesunken sein. Das Motto der Regierung lautet „just transition“, gerechter Übergang: Der Umstieg auf erneuerbare Energie dürfe nicht auf Kosten der Kumpels gehen, sie sollen vielmehr umgeschult werden. Tatsächlich sind Fachleute überzeugt, dass der Umstieg auf Solar- oder Windenergie tatsächlich Arbeitsplätze schaffen kann. Vor allem, wenn Südafrika in die Herstellung der dafür notwendigen Hardware einsteige. Mit jedem Jahr der Verzögerung wird das jedoch unwahrscheinlicher: Industriestaaten wie China stellen Sonnenkollektoren längst billiger her, als das in Südafrika realistisch erscheint.

Insgesamt werden die Kosten des Umstiegs von fossilen Brennstoffen auf „grüne“ Energie mit 235 Milliarden Euro veranschlagt – ein für hiesige Verhältnisse astronomischer Betrag. Zumindest einen Teil davon will Pretoria aus dem Klimafonds der Industrienationen finanzieren: Die Debatte über dessen Ausstattung werde für sie in Glasgow deshalb im Vordergrund stehen, kündigte Umweltministerin Barbara Creecy an.

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