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Zweli Mkhize (r.) und Innenminister Aaron Motsoaledi (l.).

Wegen Coronavirus

Südafrikaner werden nach Wochen aus Wuhan ausgeflogen

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Algerien, Ägypten und Nigeria verzeichnen neue Fälle des Covid-19-Virus.

Mit einer „beispiellosen“ Militär-Aktion will die Regierung in Pretoria nach wochenlangem Zögern nun doch mehr als 160 südafrikanische Staatsbürger aus dem Zentrum der Corona-Epidemie in der chinesischen Provinzhauptstadt Wuhan nach Hause holen. Der Meinungsumschwung kam auf Druck der Angehörigen der rund 200 seit zwei Monaten in Wuhan festsitzenden Südafrikaner zustande, die sich in sozialen Netzwerken bitter über ihr zwangsisoliertes Leben und ihre finanziellen Schwierigkeiten in der mit einer Ausgangssperre verhängten Unistadt beklagt hatten.

Soldaten, die in biologischer Kriegsführung ausgebildet sind, sollen die Rückkehrwilligen in den kommenden Tagen mit einem gecharterten Flugzeug in Wuhan abholen. An einem geheim gehaltenen Ort in der Freistaat-Provinz in der Landesmitte werden die Betroffenen 21 Tage lang isoliert. Der zum militärischen Sperrgebiet erklärte Ort werde von Soldaten streng bewacht, teilte Südafrikas Gesundheitsminister Zweli Mkhize am Sonntag in Johannesburg mit. Auch die Piloten des Flugzeugs sowie die Busfahrer müssen in Quarantäne. Die gesamte Aktion lässt sich Pretoria rund fünf Millionen Euro kosten.

Chinas Regierung suchte ausländische Staaten von Evakuierungen abzubringen, weil so der Eindruck entstehe, dass das Land mit der Covid-19-Epidemie nicht adäquat umgehen kann. Eine Evakuierung vergrößere außerdem die Gefahr, dass sich das Virus außerhalb Chinas weiter ausbreiten könne, warnte Chinas Botschafter in Pretoria, Lin Songtian. In den vergangenen Wochen hatte Südafrikas Regierung wiederholt geleugnet, dass ihre in Wuhan festsitzenden Landsleute überhaupt zurückkehren wollen.

Ein Patient in Lagos isoliert

Das Kap der Guten Hoffnung selbst wurde bislang von der Infektionswelle verschont. Allerdings steckten sich auf dem vor der japanischen Hafenstadt Yokohama festgesetzten Kreuzfahrtschiff „Diamond Princess“ auch zwei Südafrikaner an, die nun unter Quarantäne in Japan behandelt werden. Am Freitag wurde außerdem der erste Fall einer Corona-Infektion in einem südlich der Sahara gelegenen afrikanischen Staat, nämlich Nigeria, bekannt – eine Weltregion, die wegen ihres mangelhaften Gesundheitswesens für besonders anfällig gilt.

Der Infizierte ist ein Italiener, der aus Mailand in Nigerias Hafenstadt Lagos geflogen war, um dort seine Arbeit bei einem lokalen Zementwerk wieder aufzunehmen. Erst zwei Tage nach seiner Ankunft in Lagos – der mit rund 20 Millionen Einwohnern zweitgrößten Metropole des Kontinents – hatte der Norditaliener Krankheitssymptome entwickelt und war nach dem positiven Corona-Befund in eine Isolierstation eingeliefert worden. Die Gesundheitsbehörden suchen der aufkommenden Panik im bevölkerungsreichsten Staat Afrikas mit dem Hinweis zu begegnen, dass bereits vor sechs Jahren eine Ausbreitung der Ebola-Epidemie in Nigeria verhindert wurde. Damals war ein infizierter US-Liberianer bei seiner Ankunft in Lagos diagnostiziert und isoliert worden. Lediglich 19 Personen hatten sich an ihm angesteckt, von denen sechs starben.

Ein neuer Fall des Covid-19- Virus war zudem in Ägypten festgestellt worden, Algerien bestätigte nun zwei weitere Infektionsfälle.

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