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Das Gebäude des Parlaments in Kapstadt ist von oben zu sehen. Den Räumen fehlt die Bedachung, Staub und Rauch hängt in der Luft.
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Das Dach des Parlaments in Kapstadt ist eingestürzt.

Parlament in Schutt und Asche

Brand in Südafrika: Nach dem Feuer kommen die Gerüchte

  • Johannes Dieterich
    VonJohannes Dieterich
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Die Ursache für den Brand im Parlament Südafrikas ist unklar. Doch es mangelt nicht an Schuldzuweisungen. Laut einer Sprecherin waren „dunkle Mächte“ am Werk.

Kapstadt – Am Sonntagmorgen (02.01.2022) um sechs Uhr wurden die sterblichen Überreste Desmond Tutus in einer Urne im Boden der Kapstädter St.-Georgs-Kathedrale versenkt. Nicht einmal hundert Meter entfernt ging zur selben Zeit das Kapstädter Parlamentsgebäude in Flammen auf – zwei Ereignisse, die höchstens in den Hirnen von Verschwörungsfanatiker:innen in Verbindung gebracht werden können. Oder in dem Umstand, dass Südafrika von allen guten Geistern nun vollends verlassen zu sein scheint.

Das Parlament brannte zwei Tage lang. Am Dienstag (04.01.2022) war von der fast 150-jährigen Abgeordnetenkammer nicht mehr viel übrig: Das Dach eingestürzt, das Gestühl ruiniert, die Büros im vierten und fünften Stock bis auf die Mauern abgebrannt.

„Eine nationale Katastrophe“, klagt Staatspräsident Cyril Ramaphosa. Fachleute rechnen mit einem Schaden von einer Milliarde Rand (rund 55 Millionen Euro) und vielen Monaten, wenn nicht gar Jahren an Renovierungszeit. Wie konnte das passieren?, wird in Südafrika heute gefragt: Wo das Gebäude doch wie ein Augapfel gehütet wird – oder zumindest werden sollte.

Brand im Parlament in Südafrika: Feueralarm sprang erst spät an

An der Feuerwehr lag’s nicht. Anders als in Johannesburg, wo Flammenbekämpfer:innen froh sein können, wenn ihr Leiterwagen anspringt und über genügend Diesel verfügt, war Kapstadts Feuerbrigade sechs Minuten nach ihrer Alarmierung vor Ort.

Allerdings waren sie nicht vom automatischen Feuermeldesystem im Parlament, sondern vom Anruf eines Bürgers aufgeschreckt worden, der Rauch gesehen hatte. Der Feueralarm sprang erst 20 Minuten nach ihrer Ankunft an, auch die Sprinkleranlage habe nicht funktioniert, sagt eine Ministerin: Jemand habe den Hahn zugedreht. Also: Sabotage!

Tatsächlich wird bald ein 49-jähriger Mann festgenommen, der sich die ganze Nacht über im Parlament aufgehalten haben soll: Das zeigen die Bilder der Überwachungskameras. Für Parlamentssprecherin Nosiviwe Mapisa-Nqakula, die ob der Katastrophe unter starken Beschuss kommt, steht fest, dass der Großbrand kein Unfall gewesen sein kann: „Es war ein Angriff auf unsere Demokratie.“

Südafrika: Brand des Parlamentsgebäudes – Verhaftet wurde ein Obdachloser

Der Verhaftete, der am Dienstag dem Untersuchungsrichter vorgeführt wird, stellt sich allerdings als ungeeigneter Staatsfeind heraus. Zandile Christmas Mafe ist offenbar ein Obdachloser, der sich durch ein Fenster im Hinterhof Zugang zum Parlament verschaffte: Womöglich wollte er nur eine Nacht auf den weichen Teppichböden verbringen.

Kapstadts Sicherheitschef Jean-Pierre Smith geht eher von einem Unfall, einem elektrischen Kurzschluss, aus: Ein solcher hatte bereits im März 2021 einen Brand im selben Teil des Gebäudes ausgelöst. Fachleute legten damals einen Katalog zur Verbesserung der Sicherheit des Parlaments vor: Doch dessen Umsetzung müsse erst noch „voll umgesetzt“ werden, räumt Sprecherin Mapisa-Nqakula ein.

Unterdessen entbrennt ein Streit darüber, ob der Brand überhaupt beklagenswert ist. Was auch immer seine Ursache sei, „das Feuer sieht wunderschön aus“, frohlockt der Sprecher der Economic Freedom Fighters, Mbuyiseni Ndlozi, auf Twitter: Die kämpferischen Parlamentarier:innen haben das „Symbol des Kolonialismus“ schon immer gehasst. Sie wollen, dass die Volksvertretung endlich zur Regierung nach Pretoria umzieht. Haben die gewöhnlich in Rot gekleideten Feuerköpfe etwa gezündelt?

Brand in Südafrika: Parlamentssprecherin sieht „dunkle Mächte“ am Werk

Parlamentssprecherin Mapisa-Nqakula bleibt jedenfalls dabei: „Hier sind dunkle Mächte am Werk.“ Als Täter:innen kommen auch die Freund:innen Jacob Zumas infrage, die das Land schon vor einem halben Jahr in Flammen aufgehen ließen. Jüngst wurde der Ex-Präsident von einem Gericht zum Absitzen seiner Reststrafe verdonnert.

Über Twitter wird sogar die These verbreitet, Präsident Cyril Ramaphosa stehe hinter dem Anschlag: Auf diese Weise könne er Maßnahmen ergreifen, die ihm die Verfassung ansonsten verbiete. (Johannes Dieterich)

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