+
Sudanesen vor einem neuen Tag der Proteste gegen das Militär.

Sudan

Sudans Putschistenchef tritt ab

  • schließen

Ibn Auf erklärt seinen Rücktritt - nur einen Tag nach Entmachtung al-Baschirs.

Graue Eminenzen zeichnen sich dadurch aus, dass sie, wenn es drauf ankommt, schweigen. Awad Ibn Auf wurde noch am Tag des erzwungenen Rücktritts Omar al-Baschirs als Haupt des herrschenden Militärrats eingeschworen. Doch als die Generäle am Freitagmorgen vor die Presse traten, ließ der vormalige Vizepräsident und Verteidigungsminister den Chef des politischen Komitees des Militärrats, Generalleutnant Omar Zain al-Abidin, reden. Der schlug verblüffend versöhnliche Töne an: „Wir werden die Forderungen des Volkes beschützen. Wir werden uns nicht an die Macht klammern. Aber wir werden dafür sorgen, dass kein Chaos ausbricht.“

Zu den gefälligen Äußerungen seines Generalskollegen wog die grauhaarige graue Eminenz nur sanft den Kopf: Ob auch er hinter dem Friedensangebot des Politchefs des Militärrats stand, blieb zunächst sein Geheimnis. Am Freitagabend aber beendete er sein öffentliches Schweigen mit einem Paukenschlag: Er erklärte im Staatsfernsehen seinen Rücktritt. Als seinen Nachfolger als Chef des Militärrats verkündete er General Abdel Fattah Abdelrahman Burhan. Naheliegend ist, dass der Druck der Straße eine Rolle spielte: Anführer der Anti-Baschir-Proteste lehnten den „Militärputsch“ ab. Auch am Freitag versammelten sich wieder zehntausende Menschen vor den Toren des Armee-Hauptquartiers in der Hauptstadt Khartum und riefen nach einer Zivilregierung.

Ibn Auf hatte schon zu Beginn dieser geschichtsträchtigen Woche etwas Ähnliches gesagt: „Wir verstehen die Sehnsucht der Bevölkerung.“ Das klang nicht sehr glaubwürdig – gerade angesichts dessen, was als Ibn Aufs Überzeugung sonst so kolportiert wird. Bei einem Treffen des Sicherheitskomitees habe sich der General noch Anfang dieses Monats für ein brutales Eingreifen von Armee und Polizei gegen die Aufständischen starkgemacht, wird erzählt: „Wir sollten 100 Demonstranten töten. Der Rest wird dann bestimmt davonrennen“, soll die graue Eminenz damals von sich gegeben haben.

Awad Ibn Auf, General, Ex-Vizepräsident und einen Tag lang Sudans starker Mann.

Awad Ibn Auf galt bis vor zwei Tagen als einer der treuesten Verbündeten von Präsident Al-Baschir. Von diesem wurde Ibn Auf 2003 in die Darfur-Provinzen entsandt, um als Chef des militärischen Geheimdienstes den dortigen Aufstand unter Kontrolle zu bringen. Ibn Auf baute dazu die Janjaweed-Miliz auf: Eine paramilitärische Truppe, die die Darfuri in Angst und Schrecken versetzte.

Bei dem noch immer anhaltenden Konflikt im westlichen Sudan sind nach UN-Angaben bislang 300 000 Menschen ums Leben gekommen.Ibn Auf wurde deshalb von der US-Regierung auf die Sanktionsliste gesetzt. Vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag ist der pensionierte General allerdings nicht angeklagt.

Vor vier Jahren holte der Präsident ihn als Verteidigungsminister ins Kabinett. Und als Al-Baschir in diesem Februar den Ausnahmezustand über sein Land verhängte, machte er Ibn Auf auch noch zum Vizepräsidenten. Die beiden Ex-Generäle schienen unzertrennlich – bis Ibn Auf am Donnerstag plötzlich die Entmachtung und Verhaftung seines Mentors bekanntgab. Das „schlechte Management, die Korruption und Rechtlosigkeit“ in Al-Baschirs Regierung habe das nötig gemacht, hieß es plötzlich.

Wie es nun weitergeht, war am Freitagabend nicht abzusehen. Das Militär werde lediglich für die Sicherheit sorgen, hatte Al-Abidin vor Ibn Aufs Rücktritt gesagt: Die Übergangsregierung solle von der aufständischen Zivilgesellschaft selbst gebildet werden. Allerdings sei ein erster Versuch der Kontaktaufnahme zu den Demonstranten gescheitert.

Tatsächlich herrscht im Volk Skepsis gegenüber dem Militärrat vor. „Sie haben den einen Dieb durch andere ersetzt“, skandieren Hundertausende, die sich auch hartnäckig der vom Militärrat verordneten nächtlichen Ausgangssperre widersetzen. Aus dem ursprünglichen Sprechchor „Fall’ endlich!“ ist inzwischen ein „Fall’ auch du!“ geworden.

Das Vertrauen in den Militärrat ist bei den Sudanesen gleich null. Diejenigen, die schon „das Land zerstört und seine Leute umgebracht“ hätten, versuchten nun auch noch „jeden Tropfen Blut und Schweiß“ zu stehlen, den das „sudanesische Volk in seinen Aufstand fließen“ lasse, heißt es in einer Erklärung der Organisatoren der Protestwelle. „Unsere Revolution geht weiter.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare