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Putsch im Sudan
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Im Sudan wurde der Ausnahmezustand verhängt.

Chaos

Putsch im Sudan: Ausnahmezustand verhängt - Regierung aufgelöst

  • Jan Trieselmann
    VonJan Trieselmann
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Im Sudan kommt es zu einem Putsch. Das Militär nimmt Regierungsmitglieder fest, darunter den Präsidenten. In der Hauptstadt Khartum gibt es Proteste.

+++ 13.00 Uhr: Im ostafrikanischen Sudan hat der höchste Militärvertreter im Land, General Abdel Fattah al-Burhan, die Auflösung der Übergangsregierung verkündet. Im ganzen Land werde der Ausnahmezustand verhängt, sagte al-Burhan in einer Fernsehansprache. 

Vielerorts kommt es am Montag zu Demonstrationen im Sudan. Videos, welche auf Twitter verbreitet wurden, zeigen zahlreiche Demonstrierende auf den Straßen. Aufnahmen der Nachrichtenagentur AFP (s. oben) zeigen zudem dichte Rauchschwaden in der Hauptstadt Khartum. Einem Bericht nach wurden dort brennende Reifen auf den Straßen positioniert, um für Blockaden zu sorgen.

Erstmeldung von Montag, 25.10.2021, 9.00 Uhr: Khartum – Im Sudan gab es am Montagmorgen (25.10.2021) einen Putschversuch. Nach mehreren größtenteils übereinstimmenden Medienberichten bestätigte das nun auch das sudanesische Informationsministerium auf dem Sozialen Netzwerk Facebook. „Zivile Mitglieder des Souveränen Übergangsrates und einige Minister der Übergangsregierung wurden von Militärkräften festgenommen“, teilte das Ministerium dort mit.

Unter den Festgenommenen befinde sich auch Sudans Regierungschef. „Nachdem er sich geweigert hatte, den Putsch zu unterstützen, wurde Ministerpräsident Abdalla Hamdok von einer Armeeeinheit festgenommen und an einen unbekannten Ort gebracht“, schrieb das Ministerium.

Putsch im Sudan: Militär nimmt den Ministerpräsidenten und Regierungsmitglieder fest

Darüber hinaus wurde laut Informationsministerium im gesamten Land das Internet unterbrochen und die wichtigsten Straßen und Brücken zur Hauptstadt Khartum gesperrt. Die Nachrichten-Agentur berichtet, dass das Staatsfernsehen patriotische Lieder ausgestrahlt habe. Der Gewerkschaftsdachverband Association of Professionals habe auf Twitter wegen eines „Staatsstreichs“ dazu aufgerufen, „heftigen Widerstand“ zu leisten. In der Hauptstadt Khartum kam es zu massiven Protesten: Laut AFP versammelten sich zahlreiche Demonstrantinnen und Demonstranten, um Straßen zu blockieren.

Sudans Ministerpräsident Abdallah Hamdok wurde Medienberichten zufolge von Bewaffneten unter Hausarrest gestellt. (Archivfoto)

Die Vorgänge schlagen auch international hohe Wellen: „Die USA sind zutiefst beunruhigt über Berichte über eine militärische Übernahme der Übergangsregierung“, erklärte der US-Sonderbeauftragte für das Horn von Afrika, Jeffrey Feltman, auf der Plattform Twitter. „Dies würde gegen die Verfassungserklärung und die demokratischen Bestrebungen des sudanesischen Volkes verstoßen“.

Seit dem Sturz des autoritären Langzeit-Machthabers Omar al-Baschir im April 2019 führt im Sudan ein sogenannter souveräner Rat die Regierungsgeschäfte. Darin vertreten sind Teile des Militärs und der Ziviligesellschaft. Seitdem befindet sich das Land in einer Übergangsphase. Im Jahr 2023 soll diese damit enden, dass eine zivile Regierung eingesetzt wird.

Sudan
HauptstadtKhartum
Fläche1.886.000 km²
Bevölkerung43,85 Millionen (2020)
Staatsoberhaupt\t Vorsitzender des „Souveränen Rates“ Abdel Fattah Burhan
Regierungschef\tPremierminister Abdalla Hamdok

Militär nimmt sudanesischen Ministerpräsident fest: Putsch im Sudan hatte sich angedeutet

Präsident Hamdok hatte die Lage der Übergangsregierung zuvor schon als „schwerste und gefährlichste Krise“ seit dem Sturz von al-Baschir bezeichnet. In der vergangenen Woche hatten zehntausende Menschen im Sudan dafür demonstriert, die vollständige Machtübergabe an die Zivilbevölkerung zu unterstützen. Erst Ende September hatte es einen Putschversuch gegeben, den das Militär jedoch unterband. Andere Demonstranten hingegen hatten bei einer mehrtägigen Sitzblockade vor dem Präsidentenpalast in Khartum eine Rückkehr zur „Militärherrschaft“ gefordert.

Am Samstag (23.10.2021) hatten Befürworter einer zivilen Regierung vor einem „schleichenden Staatsstreich“ gewarnt. Hamdok nannte daraufhin aber Berichte, laut derer er einer Kabinettsumbildung zugestimmt habe, „nicht zutreffend“. Am Samstag hatten sich außerdem Jeffrey Feltman mit Hamdok und Militärs getroffen. „Feltman betonte die Unterstützung der USA für einen zivilen demokratischen Übergang in Übereinstimmung mit den ausdrücklichen Wünschen des sudanesischen Volkes“, teilte die US-Botschaft in Khartum mit.

In den vergangenen Monaten hatte die amtierende Übergangsregierung eine Reihe von Wirtschaftsreformen auf den Weg gebracht. Im Mai wurden dem Sudan bei einem Afrika-Gipfel Schulden in Milliardenhöhe erlassen. (jtr mit dpa/AFP)

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