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Omar al-Baschir ist vom Militär abgesetzt worden.

Militärputsch

Sudans Armee setzt Präsident al-Baschir ab

Der Militärrat soll für zwei Jahre die Regierung im Sudan übernehmen.

Sudans langjähriger Staatschef Omar al-Baschir ist nach monatelangen Protesten vom Militär des Landes abgesetzt worden. Die Armee habe den Präsidenten „an einem sicheren Ort“ in Gewahrsam genommen, erklärte Verteidigungsminister Awad Ibnuf im Staatsfernsehen. Al-Baschir werde durch einen Militärrat ersetzt, der die Regierung zunächst für zwei Jahre übernehme, fügte Ibnuf hinzu. Die Verfassung aus dem Jahr 2005 sei außer Kraft gesetzt worden. 

Baschir war zuletzt durch die landesweiten Proteste immer stärker unter Druck geraten. Sie hatten Mitte Dezember als Reaktion auf eine drastische Erhöhung der Brotpreise begonnen. Rasch weiteten sie sich aber zu Demonstrationen gegen den autoritär herrschenden Präsidenten aus. Bei gewaltsamen Zusammenstößen wurden offiziellen Angaben zufolge bislang 49 Menschen getötet. 

Verteidigungsminister Ibnuf verkündete einen dreimonatigen landesweiten Notstand. Die Grenzen und der Luftraum des ostafrikanischen Landes wurden geschlossen. Für das ganze Land, einschließlich der Krisenregion Darfur, gilt demnach ab sofort eine Waffenruhe. Schon vor der Erklärung des Verteidigungsministers hatten sich in der Hauptstadt Khartum große Menschenmengen in Erwartung eines Machtwechsels versammelt. 

Die Menschen schwenkten sudanesische Flaggen, umarmten einander und verschenkten Süßigkeiten, wie ein Fotograf der Nachrichtenagentur AFP berichtete. „Das Regime ist gefallen“, skandierten Demonstranten vor den Toren des Armee-Hauptquartiers, in dem sich auch die Residenz des Präsidenten und das Verteidigungsministerium befinden. 

Al-Baschir hatte sich 1989 mithilfe von Islamisten an die Macht geputscht. Seitdem regierte er den Sudan mit harter Hand. Gegen ihn besteht seit Jahren ein internationaler Haftbefehl wegen Völkermordes. In der Provinz Darfur wurden nach UN-Angaben in den Jahren seit 2003 im Konflikt zwischen Regierung und Rebellen 300.000 Menschen getötet. (afp)

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