+
Der Angeklagte.

Stutthof-Prozess

Gaskammer und Epidemie: Ein Bild perfider Grausamkeit

  • schließen

Im Stutthof-Prozess gegen einen ehemaligen Angehörigen der SS-Wachmannschaft wird das System des Mordens erläutert. 

  • Stutthof-Prozess gegen einen ehemaligen SS-Wachmann geht weiter
  • Rechtsmediziner erläutert, was bei einer Vergasung mit Zyklon B im menschlichen Körper passiert
  • In den Jahren 1944 und 1945 wurden in dem Vernichtungslager mindestens 200 Menschen durch Gas ermordet

Atemnot, Krampfanfälle, Herzrasen und dann ein qualvoller Todeskampf, der bis zu eine Viertelstunde dauern kann: Im Prozess gegen einen ehemaligen SS-Wachmann des Konzentrationslagers Stutthof hat ein Rechtsmediziner beschrieben, was bei einer Vergasung mit Zyklon B im menschlichen Körper passiert. Das Blausäuregas sorge für ein „inneres Ersticken jeder einzelnen Zelle“, erläuterte Sven Anders am Montag vorm Hamburger Landgericht.

Bruno D. wegen 5230-facher Beihilfe zum Mord angeklagt

Das könne in Sekunden ablaufen, so Anders, aber je nach Größe der Gaskammer, Raumtemperatur und Konzentration des Gifts in der Luft auch wesentlich länger dauern. Bei einem unbeheizten und nur behelfsmäßig abgedichteten Kleinbahnwaggon, wie er in Stutthof zeitweilig für den Mord vor allem an jüdischen Gefangenen genutzt wurde, seien bis zu 15 Minuten „absolut denkbar“, sagte der Sachverständige.

Während der Dienstzeit des wegen 5230-facher Beihilfe zum Mord angeklagten Bruno D. in den Jahren 1944 und 1945 wurden in dem Vernichtungslager bei Danzig mindestens 200 Menschen durch Gas ermordet. Zudem wurden nicht weniger als 30 in einem angeblichen „Arztraum“ per Genickschuss getötet.

Mindestens 5000 Gefangene starben bei einer Fleckfieber-Epidemie

Mindestens 5000 Gefangene starben bei einer Fleckfieber-Epidemie im Lager nach November 1944, deren Ausbreitung die SS-Wachmannschaft sogar noch beförderte, indem sie nicht infizierte Gefangene mit Kranken zusammensperrte; die Kranken überließ sie ohnehin schon sich selbst. „Die Epidemie wird dann auch alle Gesunden irgendwann erwischen“, sagte der ebenfalls als Sachverständiger gehörte Virologe Dennis Tappe vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin. „Das ist nur eine Frage der Zeit.“

Der Angeklagte D. wurde auf dem Weg ins Gericht und zurück von medizinisch geschultem Personal mit Schutzausrüstung begleitet und komplett abgeschirmt. Auch für das Transportfahrzeug und innerhalb des Gerichts wurden besondere Hygienevorkehrungen und Abstandsregeln getroffen. (mit epd)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion