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Nach Sturz als Premierministerin: Truss meldet sich mit Vorwürfen ans „Establishment“

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Von: Sandra Kathe

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Nur 45 Tage war Liz Truss Regierungschefin Großbritanniens und verschwand dann vorerst in der Versenkung. Nun meldet sie sich mit einem Essay zurück.

London – Ihre geplante Steuerpolitik stürzte ihr geschwächtes Land zunächst ins Chaos und brachte dann sie selbst zu Fall – so oder so ähnlich wird der gleichzeitige Höhe- und Tiefpunkt der Karriere von Tory-Politikerin Liz Truss in Großbritannien derzeit von fast allen Seiten zusammengefasst. Was unbestritten ist: Die 47-jährige Nachfolgerin von Boris Johnson geht als Premierministerin mit der bislang kürzesten Amtszeit in die britische Geschichte ein. Entschieden anders sieht Truss aber das Warum ihres politischen Sturzes.

Das hat die ehemalige britische Premierministerin jetzt in ihrem ersten Gastbeitrag im britischen Sunday Telegraph betont und für ihr frühzeitiges Ausscheiden aus dem Amt „ein sehr mächtiges wirtschaftliches Establishment und mangelnde politische Unterstützung“ verantwortlich gemacht. Auf dieser Basis hätte man ihr und ihren Plänen für Wirtschafts- und Steuerreformen wichtige Chancen verwehrt.

Nach monatelangem Rückzug hat sich die ehemalige Premierministerin Truss wieder öffentlich zu Wort gemeldet.
Nach monatelangem Rückzug hat sich die ehemalige Premierministerin Truss wieder öffentlich zu Wort gemeldet. (Archivfoto) © afp/(Archivbild)

Liz Truss meldet sich in Gastbeitrag zu Wort: Ausmaß des Widerstands unterschätzt

So schrieb Truss in ihrem Gastbeitrag für die britische Zeitung, dass sie beim Einzug in die Downing Street davon ausgegangen sei, dass ihr „Mandat respektiert und akzeptiert“ würde. Damit habe sie jedoch falsch gelegen. „Ich hatte zwar Widerstand gegen mein Programm antizipiert, sein Ausmaß hatte ich jedoch unterschätzt, erklärt sich die inzwischen wieder einfache Parlamentsabgeordnete, gut drei Monate nach ihrem Rückzug aus dem Amt.

Wie der britische Guardian berichtet, könnte der Artikel ein Auftakt sein für Truss‘ Versuch, nicht nur zurück auf die politische Bühne in Großbritannien zu gelangen. So wolle die ehemalige Premierministerin bei einem geplanten Auftritt bei einer internationalen Politik-Konferenz in Japan Mitte Februar eine „angriffslustige“ Rede zur Rolle Chinas halten, die auch Truss‘ Nachfolger Rishi Sunak nicht unbeträchtlich unter Druck setzen könnte. Zum thematischen Schwerpunkt der Rede, zitiert der Guardian eine nicht näher benannte Quelle aus Truss‘ Umfeld: „Es ist zu erwarten, dass sie Sunak‘s Entscheidung ansprechen wird, China als strategischen Widersacher zu behandeln und nicht als Gefahr.“

Großbritanniens ehemalige Premierministerin: Truss sieht Fehler vor allem bei anderen

Über ihre eigenen, heftig kritisierten Wirtschaftspläne für das durch Brexit- und Corona-Folgen schwer geschwächte Land, schreibt Truss, dass sie nach wie vor glaubt, dass sich Staatsschulden reduzieren und Wirtschaftswachstum hätten ankurbeln lassen. Stattdessen habe sie jedoch als „Sündenbock“ herhalten müssen für Probleme, die schon länger gebrodelt hätten. Zudem hätte ein tendenziell abnehmendes Verständnis von „steuer- und wirtschaftspolitischen Fragen“ unter Bürgern und Medien zu eher linksgerichteten Meinungen geführt.

Truss‘ Thesen, dass ihre Pläne letztlich doch zur Rückkehr zu wirtschaftlicher Größe geführt hätten, hat der amtierende britische Wirtschaftsminister Grant Shapps nur Stunden nach der Veröffentlichung ihres Essays entschieden widersprochen. Im Interview mit dem Fernsehsender Sky News sagte Shapps, der Ansatz der Truss-Regierung sei „offensichtlich der falsche Weg gewesen“. Stattdessen hätte man sich vor der Umsetzung von Steuersenkungen erst um die Grundlagen kümmern müssen. „Zuerst muss man die Inflation reduzieren. Damit erreicht man die größten Steuersenkungen, die man erreichen kann.“ (saka)

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