1. Startseite
  2. Politik

Anklage gegen Ex-Anführer der Proud Boys

Erstellt:

Von: Daniel Dillmann

Kommentare

Neue Vorwürfe gegen «Proud Boys»
Enrique Tarrio war einst Anführer der „Proud Boys“ und anschließend Informant des FBI. (Archivfoto) © Allison Dinner / AP / dpa

Dem ehemaligen Chef der rechtsradikalen Gruppierung „Proud Boys“ wird – neben zahlreichen anderen Straftaten – nun auch „Staatsgefährdung“ vorgeworfen.

Washington D.C. – Sein Name ist Henry „Enrique“ Tarrio. Bis vor kurzem war der 38 Jahre alte US-Amerikaner mit kubanischen Wurzeln Anführer der „Proud Boys“, einer chauvinistischen, rechtsradikalen Gruppierung in den USA, die dem Ex-Präsidenten Donald Trump nahesteht und die für zahlreiche gewalttätige Ausschreitungen verantwortlich ist. Die Proud Boys waren auch am Sturm auf das Kapitol am 6. Januar 2021, in dessen Zuge fünf Menschen starben, beteiligt. Aufgrund dieser Ereignisse muss sich Tarrio nun einer Klage wegen „Staatsgefährdung“ stellen – obwohl er sich am 6. Januar gar nicht in Washington D.C. aufgehalten hat.

Dennoch geht die Staatsanwaltschaft in den USA davon aus, dass die mittlerweile in die Kritik geratenen Proud Boys eine maßgebliche Rolle bei den Ereignissen in Washington D.C. gespielt haben. In einer am Montag veröffentlichten Zusatzanklage wurden die Vorwürfe gegen Tarrio sowie gegen vier weitere Beschuldigte um den schwerwiegenderen Punkt der aufrührerischen Verschwörung ergänzt. Dafür drohen laut einem Bericht der New York Times bis zu 20 Jahre Haft. Tarrio soll bei den Angriffen die Planungen geleitet haben. Während der Attacke selbst stand er laut Informationen der Ermittlungsbehörden in engem Austausch mit mehreren Mitgliedern der Gruppierung.

Proud Boys: Anführer Henry „Enrique“ Tarrio steht vor Gericht

Tarrio selbst konnte bei dem Aufmarsch der Proud Boys nicht teilnehmen, weil er zwei Tage zuvor bereits festgenommen worden war. Der rechtsradikale Aktivist hatte eine Fahne der Anti-Rassismus-Bewegung Black Lives Matter verbrannt. Er kam zwar frei, aber nur unter der Auflage, sich in den folgenden Tagen nicht der Hauptstadt Washington D.C. zu nähern – was wiederum seine Teilnahme am Umsturzversuch im politischen Zentrum des Landes unmöglich machte.

Tarrio, der nicht nur Anführer der Proud Boys war, sondern auch Informant für das FBI, ist bereits der zweite bekannte Anführer einer rechtsextremen Gruppierung, der im Zuge der Erstürmung des Kapitols in den USA festgenommen und angeklagt wurde. Im Januar wurde der Gründer der rechtsextremen Gruppierung „Oath Keepers“, Stewart Rhodes, inhaftiert. Auch er wurde zusammen mit zehn anderen Mitgliedern der Gruppe wegen aufrührerischer Verschwörung angeklagt. Drei von ihnen haben sich bereits schuldig bekannt.

Henry „Enrique“ Tarrio: Rolle der Proud Boys beim Sturm auf Kapitol im Fokus

Der 6. Januar ist in den USA als der Tag, an dem Anhänger des abgewählten Präsidenten Donald Trump den Machtübergang auf Joe Biden verhindern wollten, in die Geschichte eingegangen. Der Kandidat der Demokraten hatte die Wahl im November 2020 gewonnen. In Folge der Ereignisse wurden bereits mehr als 800 Menschen festgenommen.

Hunderte radikale Trump-Fans hatten das Kapitol am 6. Januar 2021 erstürmt, als dort der Sieg des Demokraten Joe Biden bei der Präsidentschaftswahl vom November 2020 zertifiziert werden sollte. Der Sturm auf den Sitz des Kongresses mit fünf Toten sorgte weltweit für Entsetzen und gilt als schwarzer Tag in der Geschichte der US-Demokratie. In der Folge wurden mehr als 800 Menschen festgenommen.

Nicht nur die Proud Boys stehen in Sachen Kapitolerstürmung und Umsturzversuch im Visier der Ermittlungsbehörden. Ähnliches gilt wohl auch für Donald Trump. Am Donnerstag (9. Mai) legt der Ausschuss zu den Ereignissen seinen Bericht vor, bereits im Vorfeld sickerten aber erste Informationen durch. Demnach soll der Ausschuss bei seinen Ermittlungen Erkenntnisse gewonnen haben, die vermuten lassen, dass Trumps Rolle über „Anstiftung“ weitaus hinausgehen würde. (dil mit dpa/AFP)

Auch interessant

Kommentare