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Stufen erinnern an Jürgen Ponto

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Der Brunnen für Jürgen Ponto ist für Künstler Claus Bury ein Ausdruck dafür, dass "das Leben weitergeht".
Der Brunnen für Jürgen Ponto ist für Künstler Claus Bury ein Ausdruck dafür, dass "das Leben weitergeht". © FR/Storch

Der Brunnen zu Ehren des ermordeten Bankiers ist heute Publikumsmagnet / Witwe Ignes Ponto wünschte sich das Wasserspiel in OberurselEs muss das Herz bei jedem Lebensrufe bereit zum Abschied sein und Neubeginne." So heißt es in Hermann Hesses Gedicht "Stufen", das während der Trauerfeier für Jürgen Ponto gelesen wurde. Der Vorstandssprecher der Dresdner Bank war am 30. Juli 1977 in seinem Haus in Oberursel von RAF-Terroristen erschossen worden.

Von ANJA KOCH

Es muss das Herz bei jedem Lebensrufe bereit zum Abschied sein und Neubeginne." So heißt es in Hermann Hesses Gedicht "Stufen", das während der Trauerfeier für Jürgen Ponto gelesen wurde. Der Vorstandssprecher der Dresdner Bank war am 30. Juli 1977 in seinem Haus in Oberursel von RAF-Terroristen erschossen worden.

Stufen hat auch der Jürgen-Ponto-Brunnen, der heute auf dem Rathausplatz der Stadt im Taunus bei Frankfurt steht. Er besteht aus zwei Granitblöcken, eingefasst in ein flaches Becken. Der größere Granitblock fällt schräg ins Wasserbecken ab, auf der Rückseite plätschert das Wasser über Stufen.

Der kleine Granitblock ähnelt einer Treppe, die, um 180 Grad gedreht, genau auf die Stufen des größeren Blocks passt. "Die Treppe steht separat und soll zeigen, dass dem Ganzen ein Teil entrissen wurde", sagt Künstler Claus Bury, der den Brunnen entwarf.

1984, sieben Jahre nach dem Tod Pontos, wurde das Denkmal eingeweiht. Dass es so lange gedauert hat, liegt wohl auch an der Witwe Ignes Ponto. Die Stadt hatte ihr vorgeschlagen, eine Straße nach dem Ermordeten zu benennen. Sie aber wollte lieber einen Brunnen: "Ein einfaches Schild mit dem Namen Jürgen Ponto wäre vielleicht auch ein bisschen zu wenig gewesen", sagt Bury.

Die Dresdner Bank und die dazugehörige Jürgen-Ponto-Stiftung schrieben schließlich einen Wettbewerb zur Gestaltung aus. Bury lebte in dieser Zeit in den USA und bekam von der Witwe Ponto, die er bereits persönlich kannte, den Tipp.

Für seinen Entwurf des GedenkBrunnens hat der Künstler versucht, von der Witwe Persönliches über Ponto zu erfahren. Über den Tod ihres Mannes aber hat Bury mit ihr nie gesprochen: "Das wollte sie nicht". Für Bury war es der erste Brunnen, den er entwarf, und das erste Gedenk-Monument. "Ein Kunstwerk zu erstellen, das an eine Person erinnern soll, ist immer schwierig", sagt Bury - den Wettbewerb hat er trotzdem gewonnen.

Nur ein kleines Schild am Fuße des kleineren Granitblocks erklärt, warum es den Brunnen überhaupt gibt. Aber viele in Oberursel wissen es sowieso noch. "Ich kann mich an den Tag noch gut erinnern, ich war auf dem Weg nach Hause und wurde von der Polizei angehalten. Ich musste aussteigen und mich mit gespreizten Armen ans Auto lehnen, die haben alle kontrolliert. Wir waren damals sehr erschrocken über den Mord", erinnert sich der 77-jährige Hans Kaufmann.

Jürgen Ponto war nicht das einzige hessische Opfer des RAF-Terrorismus: In Bad Homburg wurde 1989 Alfred Herrhausen, Vorstandssprecher der Deutschen Bank, bei einem Sprengstoffanschlag getötet. Auch Polizeimeister Fritz Sippel starb, als er 1976 in Dreieich-Sprendlingen zwei RAF-Mitglieder bei einer Personenkontrolle traf.

1985 musste in Wiesbaden der US-Soldat Edward Pimental sterben, weil die RAF seinen Ausweis brauchte, um auf die US-Airbase zu kommen.

Brunnen ist Publikumsmagnet

Heute ist der Jürgen-Ponto-Brunnen in der Stadtmitte von Oberursel ein Publikumsmagnet: Rund um den Brunnen genießen Spaziergänger die Sonne, Familien kommen her, deren Kinder an besonders heißen Tagen lachend die Schräge des Gedenk-Brunnens herunterrutschen.

Den Künstler Claus Bury stört das muntere Treiben nicht. Er hält es wie Hesse mit dem Neubeginn, der dem Abschied folgt: "Natürlich haben Gedenken und Schweigen große Bedeutung, aber man sollte mit dem Gedenken auch positiv umgehen - eben nach vorne schauen. Denn das Leben geht weiter."

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