Dem Bochumer Forschungsprojekt hatten knapp 3400 Menschen geschildert, wie sie polizeiliche Gewalt erlebt hätten.
+
Dem Bochumer Forschungsprojekt hatten knapp 3400 Menschen geschildert, wie sie polizeiliche Gewalt erlebt hätten.

Polizei

„People of Colour“: Von der Polizei diskriminiert

  • Pitt v. Bebenburg
    vonPitt v. Bebenburg
    schließen

Eine Bochumer Untersuchung zeigt Erfahrungen schwarzer Menschen. Sie arbeitet heraus, welche Rolle stereotype Einstellungen von Polizistinnen und Polizisten dabei spielen.

Schwarze Menschen leiden häufiger als andere unter anlasslosen Polizeikontrollen, die sie als diskriminierend empfinden und die manchmal bis zu gewalttätigen Polizeiübergriffen eskalieren. Das geht aus einer aktuellen Studie von Bochumer Kriminolog:innen hervor, die am Mittwoch in einer Online-Pressekonferenz vorgestellt wurde.

Zugleich zeigt die Untersuchung, dass Polizist:innen solche Vorfälle häufig nicht als rassistische oder als diskriminierende Ungleichbehandlung wahrnehmen. Der Kriminologie-Professor Tobias Singelnstein sprach von einer „Wahrnehmungsdiskrepanz“ zwischen den Polizeikräften und den betroffenen Menschen. Es müsse an der „Binnenkultur“ der Polizei gearbeitet werden.

Dem Bochumer Forschungsprojekt hatten knapp 3400 Menschen geschildert, wie sie polizeiliche Gewalt erlebt hätten. Rund 160 dieser Menschen wurden als „People of Colour“ (PoC) eingeordnet, also als Menschen, die angaben, „üblicherweise nicht als ,deutsch‘ aussehend wahrgenommen zu werden“.

Dabei zeigte sich, dass rund zwei Drittel dieser „People of Colour“ sich in der Auseinandersetzung mit der Polizei diskriminiert fühlten. Von den weißen Menschen gab das nur ein Drittel an. „Unter anderem die Häufigkeit von Diskriminierungserfahrungen führte bei den betroffenen PoC zu der Annahme, dass sie aufgrund äußerer Merkmale und damit aufgrund rassistischer Vorurteile anders behandelt werden als weiße Personen“, heißt es in der Bochumer Studie.

Von Anzeigen abgeraten

Die wenigsten Betroffenen entschieden sich für eine Anzeige gegen Polizeibeamtinnen und -beamte. Bereits vor einem Jahr hatten Singelnstein und seine Kolleginnen in einer ersten Auswertung hervorgehoben, dass von den knapp 3400 Betroffenen lediglich 312 Anzeige erstattet hätten, also neun Prozent. In der neuen Studie zeigt sich nun, dass Schwarzen Menschen noch häufiger als weißen Betroffenen von einer Anzeige abgeraten worden oder die Annahme bei der Polizei verweigert worden sei.

Singelnstein sprach von einem „strukturellen Problem der Polizei“. Deren Stereotype über „People of Colour“ beeinflussten das Verhalten bei Kontrollen und Einsätzen. „Das Berufen auf ein vermeintlich objektives Erfahrungswissen“ berge „die Gefahr von Pauschalisierungen in sich“, heißt es in der Studie.

Illustriert wird das mit einem Zitat aus dem Interview mit einem Polizisten. „Also das sind auch teilweise Leute, die aufgrund anderer Ethnien oder aufgrund anderer kultureller und moralischer Vorstellungen einfach nicht mit unserer Arbeit d’accord gehen“, sagt er darin.

Eine ganz andere Sicht schildern betroffene Personen auf der anderen Seite. Eine Gewalterfahrung wurde so geschildert: „Racial Profiling und fehlende Achtung meiner Person, ein falsches Wort meinerseits, eine Nachfrage und ich durfte erfahren, wie toll die deutsche Polizei arbeitet.“

Der Düsseldorfer Rechtsanwalt Blaise Francis El Mourabit, der Betroffene nach Polizeiübergriffen rechtlich begleitet, beklagte in der Pressekonferenz, dass viele Verfahren erfolglos blieben. Er schlug eine gesetzliche Verpflichtung zur Einschaltung von Bodycams vor, wenn Polizeibeamte in Grundrechte eingriffen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare