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Stromkosten bremsen

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Von: Rainer Grießhammer

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Möglicherweise bieten die Preise an der Ladesäule einen Anreiz zum Stromsparen
Möglicherweise bieten die Preise an der Ladesäule einen Anreiz zum Stromsparen. © Robert Poorten/Imago

Wer Auto fährt, weiß, wie viel das Benzin kostet. Die wenigsten kennen jedoch ihre Stromrechnung. Wenn sich das ändert, kann viel eingespart werden.

Zwei Drittel der Konsument:innen kennen weder ihren Stromverbrauch noch ihre Stromkosten, geschweige denn die sehr hohen Einsparpotenziale. Für den Durchschnittshaushalt (2,1 Personen; Verbrauch rund 3 500 kWh pro Jahr) waren die Stromkosten mit rund 1 100 Euro pro Jahr bislang offensichtlich wenig relevant. Ein weiterer Grund ist, dass die Stromrechnung erst mehrere Monate nach der letzten Verbrauchsperiode kommt und mit Vorauszahlungen verrechnet wird.

Die Kosten für Benzin oder Diesel werden dagegen ganz anders wahrgenommen. An der Zapfsäule rattern der Verbrauch in Litern und die Kosten in Euro in schmerzhafte Höhen. Grund genug für viele, doch etwas spritsparender zu fahren. Möglicherweise geben nun aber die E-Autos und die Angabe der Stromkosten an den Ladestationen einen Schub zum Stromsparen, beim Fahren und erst recht im Haushalt. Viele Projekte zeigen, dass Durchschnittshaushalte mit einfachen kostengünstigen Schritten bereits im ersten Jahr um die 500 kWh sparen können. Wenn Haushalte im Laufe der Jahre jeweils nur stromeffiziente Elektrogeräte kaufen, können sie bei gleichem Komfort rund 1 500 kWh weniger verbrauchen. Mit 1 500 kWh könnte man mit einem E-Auto der Kompaktklasse rund 10 000 Kilometer weit fahren.

Die typischen Empfehlungen zum Stromsparen bekommen damit plötzlich ein anderes Gewicht. Zum Beispiel die überdimensionierte und kaum genutzte Uraltgefriertruhe im Keller einfach abschalten (jährlicher Verbrauch 450 kWh = 3 000 km). Oder die alte Stereoanlage mit einem Standby-Verbrauch von 20 Watt bei Nichtnutzung mit einer Steckerleiste abschalten (Einsparung 150 kWh = 1 000 Kilometer).

Der Staat kann das Stromsparen gleich mehrfach unterstützen: Mit Vorschrift von gestuften Stromtarifen, erstmals im Jahr 2022 wie bei der Strompreisbremse geplant (wegen schlechter Datenlage vereinfacht mit 40 Cent pro Kilowattstunde für 80 Prozent des letzten Jahresverbrauchs); ab 2023 aber mit niedrigem Kilowattstundenpreis nur für die ersten 1 000 kWh pro Haushaltsmitglied mit Hauptwohnsitz. Mit schnellerer Einführung der digitalen Stromzähler (Smartmeter) und mit monatlichen Stromrechnungen. Mit der Weiterführung des sehr erfolgreichen Stromsparchecks für Haushalte mit geringem Einkommen, mit Erweiterung auf Einsparungen im Wärmebereich. Und mit großzügigeren Prämien für den Ersatz von ineffizienten Kühl- und Gefriergeräten, Wäschetrocknern und Heizungspumpen.

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