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Pilot mit viel Erfahrung: Oberst Bernhard Teicke.

Eurofighter

Strenge Regeln für Piloten

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Luftwaffenoffizier Teicke über Hintergründe des Eurofighter-Absturzes

Die Fahnen auf dem Gelände der Luftwaffe in Berlin wehen auf halbmast – im Gedenken an den am Montag tödlich verunglückten Eurofighter-Piloten. Die Flugschreiber der beiden abgestürzten Bundeswehr-Jets sind mittlerweile gefunden – und trotzdem wird die Klärung des Vorfalls wohl noch einige Monate in Anspruch nehmen.

Bernhard Teicke, Oberst bei der Luftwaffe und selbst Eurofighter-Pilot, erklärt im Gespräch, warum das so ist. Es habe sich um einen normalen Übungsflug gehandelt – Routine eigentlich, sagt er im Gespräch. „Insgesamt war es eine Dreierformation, die da geflogen wurde“, so Teicke. Bei dieser werde unter anderem der „Luftkampf auf Sicht“ trainiert. Sprich: Zwei der Flieger üben die Koordination und das Zusammenspiel in einer Angriffssituation. Der dritte Eurofighter simuliert einen Gegner.

So werde geübt, auch unter Stress konfliktreiche Situationen in der Luft zu bewältigen. Voraussetzung für die startenden Piloten: eine Eurofighter-Lizenz sowie ausreichend Flugerfahrung. Bei dem Manöver am Montag sei es eigentlich darum gegangen, genau das zu verhindern, was letztendlich passiert sei – die Kollision der beiden Maschinen.

Die Übungseinsätze – auch über besiedeltem Gebiet – hält Teicke deshalb für berechtigt und wichtig. Nach dem Unglück hatte es Kritik an den Trainingseinheiten der Luftwaffe gegeben, weil ein Wrackteil in der Nähe eines Kindergartens gefunden worden war. „Am Ende des Tages müssen wir auch über dem Gebiet üben, dass wir mit unseren Luftstreitkräften schützen sollen“, sagte Teicke. Soweit möglich würden die Flüge aber über Seen stattfinden. „Alle anderen Manöver versuchen wir dann über möglichst dünn besiedelten Gebieten durchzuführen, um das Risiko für die Bevölkerung zu minimieren.“

Die verunglückten Eurofighter seien an der Untergrenze des Luftraums von 3000 Metern auch nicht zu tief unterwegs gewesen, erläutert der Offizier. Erlaubt sei der Abstieg bis auf 2000 Meter.

Teicke, der selbst jahrelange Erfahrung als Pilot hat, hält den Eurofighter für ein sehr sicheres Flugzeug. Während seiner Laufbahn bei der Bundeswehr habe aber auch er schon brenzliche Situationen erlebt, wenn auch in anderen Maschinen. Bei den nun verunglückten Fliegern handle es sich um Modelle von 2010, mit denen bisher etwa 1000 Flugstunden absolviert worden seien. „Das ist nicht viel für einen Eurofighter“, so Teicke.

Jetzt gelte es deshalb genau zu prüfen, ob die beiden Piloten ausreichend auf die risikoreiche Übung vorbereitet waren. Generell werde die Eignung vor einem solchen Einsatz aber genau überprüft und eine Risikobewertung vorgenommen. Die Regeln für Piloten seien insgesamt sehr streng: „Ist einer nicht ausgeschlafen, hat einer schlecht gefrühstückt oder ist zu lange nicht geflogen, wird entweder das Profil angepasst, so dass es ein risikoarmer Flug wird. Oder er wird komplett nicht angetreten.“

Aus Teickes Sicht muss nun geprüft werden, wieso der Rettungsausstieg des zweiten Piloten nicht gelungen sei. „Oder ob es vielleicht gar keinen Rettungsausstieg gegeben hat und es andere Gründe dafür gab, dass Zeugen zwei Fallschirme gesehen haben.“

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