Lateinamerika

Streit über US-Militär vertagt

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Dass Kolumbien den USA erlauben will, Truppen im Land zu stationieren, stört die Nachbarn in Venezuela empfindlich. Brasilien entschärft jetzt den Konflikt der Nachbarn. Von Wolfgang Kunath

Dass Kolumbien den USA erlauben will, Truppen im Land zu stationieren, stört die Nachbarn in Venezuela empfindlich. Deren Präsident Hugo Chávez sagte gar, dass damit der "Wind des Krieges über der Region" wehe. Jetzt ist der Streit fürs erste vertagt. Bei einem südamerikanischen Gipfeltreffen im ecuadorianischen Quito gelang es Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva die Lage zu entschärfen. Er schlug vor, die Verstärkung der amerikanischen Militärpräsenz in Kolumbien mit US-Präsident Barack Obama zu diskutieren - etwa am Rande der UN-Generalversammlung im September.

Der Konflikt war entstanden, nachdem Ecuador den Vertrag für eine US-Militärbasis auf seinem Gebiet nicht mehr verlängerte, von der aus die US-Luftwaffe zu Aufklärungsflügen in der Region startete, um Drogenhandel und Guerrilla-Aktivitäten zu überwachen. Darauf kündigte Kolumbien an, den Amerikanern Zugang zu sieben kolumbianischen Militärstützpunkten zu gewähren. In Venezuela und Ecuador, die beide konfliktreiche Beziehungen zum Nachbarn Kolumbien unterhalten, löste das wütende Proteste aus. Chávez zog zeitweilig seinen Botschafter in Bogotá zurück, kündigte an, den Handel einzuschränken und beschuldigte die kolumbianische Armee, die Grenze absichtlich überschritten zu haben.

Nachdem Kolumbiens Präsident Álvaro Uribe vergangene Woche in einer Blitz-Tour durch Südamerikas Hauptstädte für seine Politik geworben hatte, zeichnete sich bereits ab, dass Venezuela in die Isolation geraten werde. Tatsächlich äußert sich zwar niemand in Südamerika begeistert über die Stärkung der US-Militärpräsenz in Kolumbien, aber generell heißt es, dass das eine innere Angelegenheit Kolumbiens sei.

Brasiliens Präsident schlug zudem vor, das Thema zusammen mit Uribe zu erörtern, der nicht zum Gipfeltreffen der Südamerikanischen Union (Unasul) erschienen war. Auch die argentinische Präsidentin Cristina Kirchner schloss sich Lula an, ebenso ihre chilenische Kollegin Michele Bachelet und der paraguayische Präsident Fernando Lugo. Damit stand das linke Lager - Venezuela, Bolivien und Ecuador - allein.

Chávez versicherte, eine kolumbianische Aggression werde militärisch beantwortet. Rafael Correa, der Präsident von Ecuador, bezeichnete die Öffnung kolumbianischer Militärbasen für die Amerikaner als Provokation. Correa hatte die Beziehungen zu Kolumbien letztes Jahr abgebrochen, nachdem die kolumbianische Armee ein Lager der Guerrilla-Truppe Farc in Ecuador angegriffen hatte.

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