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Die Diskussion über die Tafel ist auch eine über den Umgang mit uraltem Antisemitismus.

Wittenberg

Streit über antisemitische Plastik

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Soll die „Judensau“ von der Wittenberger Stadtkirche entfernt werden?

Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, hat dafür plädiert, die umstrittene „Judensau“ an der Wittenberger Stadtkirche zu entfernen. „Meiner Einschätzung nach gehört die Judensau ins Museum“, sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) nach dem Anschlag auf die Synagoge in Halle. „Dort sollte man sie mit einem erläuternden Text versehen.“ Klein fügte hinzu: „An der Stelle, an der sich die Judensau jetzt befindet, sollte eine Hinweistafel angebracht werden. Die Tafel sollte aussagen, dass die evangelische Kirche mit der Entfernung der Judensau einen sichtbaren Beitrag zur Überwindung von Antijudaismus und Antisemitismus leistet.“ Wittenberg und Halle liegen in Sachsen-Anhalt.

Zuvor hatten sich Irmgard Schwaetzer, Präses der Evangelischen Kirche in Deutschland, und der neue evangelische Landesbischof in Mitteldeutschland, Friedrich Kramer, ebenfalls distanziert. Neuesten Untersuchungen zufolge nimmt der Antisemitismus in Deutschland stark zu. Der Anschlag von Halle mit zwei Toten belegt dies.

Die „Judensau“ – ein mittelalterliches Relief an der Südostfassade der Kirche, die im Zentrum der Stadt steht und an der Martin Luther predigte – stellt laut Gerichtsbeschluss „ein Schwein dar, an dessen Zitzen Menschenkinder saugen, die durch ihre Spitzhüte als Juden identifiziert werden sollen. Eine ebenfalls durch seinen Hut als Rabbiner zu erkennende Figur hebt mit der Hand den Schwanz der Sau und blickt ihr in den After.“ Sie wurde 1570 ergänzt durch den Schriftzug: „Schem Ha Mphoras“ – eine jüdische Umschreibung für Gott.

Die Stadtkirchengemeinde selbst stellte bereits Anfang 2017 fest, dass es sich um ein Relief handelt, das „die Juden und ihre Religion karikiert und verspottet“. Dessen Bewertung ist ebenso unstrittig wie die Bewertung mancher Schriften Luthers als antisemitisch.

Gerichtsverfahren läuft

Auf der Homepage der Gemeinde heißt es: „Immer wieder stören sich einige Wittenberger Bürger und Besucher der Lutherstadt an der Schmähplastik und ihrer Position ausgerechnet an der Fassade eines Gotteshauses. Briefe und Petitionen erreichen die Stadtkirchengemeinde mit der Bitte, die Schmähplastik zu versetzen, zu entfernen oder zu ersetzen.“

Strittig ist, wie man darauf am besten reagiert. Die Gemeinde verweist darauf, dass am 11. November 1988 unterhalb des Reliefs eine Bodenplatte angebracht worden sei mit dem Schriftzug: „Gottes eigentlicher Name, der geschmähte Schem Ha Mphoras, den die Juden vor den Christen fast unsagbar heilig hielten, starb in sechs Millionen Juden unter einem Kreuzeszeichen.“ Sie betont zudem: „Geschichte soll nicht versteckt werden, und Geschichtsvermittlung gelingt am eindrücklichsten am authentischen Ort“ – wenngleich dies ein „immer auch schmerzlicher und paradoxer Prozess“ sei, „weil etwas Negatives etwas Positives bewirken soll“.

Ein Mitglied der jüdischen Gemeinde hat gegen die Skulptur geklagt – mit der Begründung, sie mache Juden verächtlich und müsse entfernt werden. Die Kirche bekam im Mai vor dem Landgericht Dessau recht. Am 21. Januar 2020 folgt vor dem Oberlandesgericht in Naumburg die Berufung.

Angriff auf Rentner

Ein 70-Jähriger ist in Berlin Pankow antisemitisch beleidigt und verletzt worden. Er ging am Montagnachmittag spazieren, als ihn ein Unbekannter beschimpfte, wie die Polizei mitteilte. Als der Mann sich verbal gegen die Beleidigungen wehrte, schlug der Unbekannte auf ihn ein und verletzte ihn an Kopf und Kinn. Beim Abwehrversuch der Schläge verlor der 70-Jährige das Gleichgewicht und stürzte. Eine Passantin veranlasste den Angreifer zur Flucht. Der polizeiliche Staatsschutz beim Landeskriminalamt übernahm die Ermittlungen.

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) verurteilte die Attacke „auf das Schärfste“. Solche Angriffe dürften „niemals zur Normalität werden“, sagte er und dankte der Passantin, „die Mut und Zivilcourage bewiesen hat.“ (afp)

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