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Martin Sonneborn hat Leo Fischer zu seinem Nachfolger als Bundesvorsitzender der "PARTEI" erklärt.

"Die PARTEI"

Streit und Satire

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Bei der Satire-Partei "Die PARTEI" tobte ein Machtkampf. Leo Fischer wollte den Bundesvorsitzenden Martin Sonneborn absetzen. Nun erklärt Sonneborn Fischer zu seinem designierten Nachfolger. Über den Wahrheitsgehalt vom Zoff bei der "PARTEI".

Natürlich hat jede Nachricht von oder über die Satire-Partei „Die PARTEI“ einen doppelten Boden. Wie also ist die Kunde von einem „Machtkampf“ innerhalb der vermeintlichen Spaßpartei zu bewerten? Und wie erst, wenn dieser nur kurze Zeit später für beendet erklärt wird?

All das ist geschehen. Ex-Titanic-Chefredakteur und Mitglied des Bundesvorstands der „PARTEI“, Leo Fischer, hat am vergangenen Wochenende via Internet verkündet, dass er den Ex-Titanic-Chefredakteur und amtierenden Bundesvorsitzenden der „PARTEI“, Martin Sonneborn, absetzen will. Sein Projekt nannte er „Chance 5000“, auf der gleichnamigen Homepage hat er als „Frauke Petry der ‚PARTEI‘", wie er sich nannte, erklärt, dass Sonneborn die „Bedürfnisse der Mitglieder“ nicht verstehe. Auf Youtube ist eine Rede zu finden, in der Fischer vor den Mitgliedern des Hamburger Landesverbandes sagt, dass es der Bundesvorstand „nur mit Mühe geschafft hat, dem Vorsitzenden ein Finanzmodell aufzuzwingen, das legitime Interessen der Landesverbände berücksichtigt“. Ist das nun Ernst oder Satire – oder von beidem etwas?

Mit der FR sprach Fischer über sein Anliegen. Und während des Gesprächs wurde deutlich, dass dem satirisch ausgetragenen „Machtkampf“ reale Unzufriedenheiten zugrunde liegen. Dass Fischer die Revolte am Donnerstag allerdings, abermals via Facebook, abbläst, wirft erneut Fragen auf. Fischer verkündete: „Liebe Freunde, nach einem kurzen Urlaub am Tegernsee in Begleitung meiner Schutzabteilung kann ich mitteilen: CHANCE 5000 funktioniert! Ich habe meine Differenzen mit dem Bundesvorsitzenden beigelegt. Nicht nur hat er mich zu seinem designierten Nachfolger erklärt, er hat mir auch 5000 andere Gründe genannt, die dafür sprechen, das existierende System kritisch mitzugestalten. Ich kann nur jedermann raten, seine ganz persönliche CHANCE 5000 zu nutzen!“ Die meisten anderen Medien hatten die Angelegenheit ohnehin schnell in der Witzecke abgelegt.

"Ich habe Fischer gekauft"

In einer internen Mail kritisierte Fischer allerdings die „völlig einseitige Konzentration des Vorsitzenden auf den Landesverband Berlin“. So sei um Sonneborn herum ein Schattenvorstand entstanden, indem alle wichtigen Entscheidungen getroffen werden. Aus der angekündigten Rotation auf dem Brüsseler EU-Mandat wurde nichts. Erstmals geschaffene und bezahlte Verwaltungsstellen wurden, wie zu hören ist, ohne Ausschreibung mit „Leuten aus Berlin“ besetzt. Das sorgte bei den übrigen, komplett ehrenamtlich tätigen Mitgliedern für Ärger. Diese hätten Sonneborn seinen Sitz im EU-Parlament erst erkämpft und gingen jetzt leer aus, so der Vorwurf. Weil die Partei vor der Europawahl noch in keinem anderen Parlament vertreten war, mussten Unterschriften gesammelt werden. Nur so konnte die „PARTEI“ überhaupt antreten und Sonneborn sein Mandat erringen. 4000 Unterschriften waren nötig, etwa 4500 kamen zusammen.

Und während Sonneborn gegenüber der FR Fischers Projekt lobte und sagte, dass er es begrüße, wenn es junge Männer gebe, die nach oben wollen und bei Spiegel Online erklärte: „Wir sind eine extrem führerzentrierte Partei, innerparteiliche Demokratie ist mit mir nicht zu machen“, räumte er in einer Mail an die Mitglieder Versäumnisse ein. Und so bleibt es ein doppeltes Spiel und die Frage: alles Jux, gar nix Ernst?

Jedenfalls haben sich Sonneborn und Fischer am Donnerstag telefonisch ausgesprochen. Fischer sagt: „Ich bin Sonneborns designierter Nachfolger und werde ihn beerben, sollte ihm etwas zustoßen.“ Auf seine Kandidatur beim Bundesparteitag am 3. Oktober in Frankfurt, bei dem Slime und die Antilopen Gang auftreten sollen, will er nun verzichten.

Sonneborn sagt: „Ich habe Fischer gekauft.“ Christian Scheeff, hessischer Landesvorsitzender der Partei sagt: „Sonneborn hat Fischer umgarnt. Ich sehe das sehr kritisch.“

Sonneborn schrieb seine Magisterarbeit über die „absolute Wirkungslosigkeit moderner Satire“. Mit den Erfolgen, die die Satire-Partei „Die PARTEI“ errang, schien diese These widerlegt. Am Ausgang dieses innerparteilichen Konflikts wird sich zeigen, ob sie tatsächlich widerlegt war.

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