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Protest für eine unzensierte Berichterstattung vor der ägyptischen Botschaft in Kathmandu.
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Protest für eine unzensierte Berichterstattung vor der ägyptischen Botschaft in Kathmandu.

Journalisten in Ägypten

Strafverschärfende Tätigkeiten

  • Julia Gerlach
    VonJulia Gerlach
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Wie Journalisten in Ägypten behandelt werden, hängt davon ab, für wen sie arbeiten. Die angeklagten von Al-Dschasira wirken entspannt und bestreiten jeglichen Kontakt zu den Muslimbrüdern.

Beinahe fröhlich sahen sie aus, als sie am Montagmorgen in den Angeklagtenkäfig geführt wurden: Die Al-Dschasira-Journalisten Peter Greste, Mohammed Fahmy und Baher Mohammed winkten den Journalisten zu, die im Gerichtssaal warteten. Sie klatschten sich gegenseitig in die Hände. „Ich hoffe, du hast genug Geld für die Kaution dabei!“, rief Fahmy seinem Bruder zu. Die Stimmung stieg weiter, als der Richter die Angeklagten aus dem Käfig herausführen ließ, um mit ihnen zu sprechen. Dies ist in Ägypten sehr unüblich und wurde als positives Zeichen gesehen.

„Ich bin ein Korrespondent mit vielen Jahren Erfahrung. Ich war zwei Wochen in Ägypten, bevor ich verhaftet wurde. Ich spreche kein Wort Arabisch und der Vorwurf, dass ich Verbindungen zur Muslimbruderschaft unterhalte, ist absurd“, so Greste. Das Verfahren begann Mitte Februar, es hat bereits mehrere Verhandlungen gegeben. Die gestrige war mit besonderer Spannung erwartet worden. In der vergangenen Woche hatte der ägyptische Präsident den Familien von Greste und Fahmy versichert, sich für eine schnelle Lösung einzusetzen.

Zudem hieß es, dass die Staatsanwaltschaft endlich Beweismaterial präsentieren werde: Den Journalisten wird unter anderem vorgeworfen, Filmmaterial gefälscht zu haben, um die Situation in Ägypten als von Gewalt bestimmt zu zeichnen. Das Video wurde dann doch nicht gezeigt, auch sonst blieb die Verhandlung ergebnislos. Das Gericht vertagte sich auf den 10. April, der Antrag auf Erlassung der Untersuchungshaft gegen Kaution wurde abgelehnt. Seit mehr als drei Monaten sind Greste, Fahmy und Mohammed jetzt in Haft.

Die al-Dschasira-Journalisten sind trotz allem in einer vergleichsweise privilegierten Position: Immerhin macht man ihnen den Prozess und sie bekommen internationale Aufmerksamkeit. Weniger prominente ägyptischen Journalisten hingegen sind bereits sehr viel länger in Haft, ohne dass je formell Anklage erhoben wurde. Dies gilt etwa für den Fotografen Mahmoud Abu Zaid.

Panik geht um

Er wurde im August bei der Räumung der Protestlager der Anhänger des im Juli gestürzten Präsidenten Mohammed Mursi verhaftet. Es machte ihn verdächtig, dass der freischaffende Fotograf zu diesem Zeitpunkt im Auftrag der türkischen Nachrichtenagentur arbeitete. Ebenso wie al-Dschasira ist Anadolu-Press bei der neuen ägyptischen Regierung verhasst, da die türkische Regierung Mursi unterstützt hat.

Er kann noch von Glück reden, dass seine Akte nicht wie die mancher seiner Zellengenossen dem „Kontrollraum-Verfahren“ zugeordnet wurde. Dieses beginnt am heutigen Dienstag vor einem Gericht in Kairo. Angeklagt werden zahlreiche führende Muslimbrüder der jüngeren Generation, viele sind Kinder der Top-Kader. Es geht um ihre Rolle während der Zeit der Protestcamps im Sommer und vor allem, inwieweit sie ihre Anhänger zu Gewalttaten angestiftet und mit Waffen versorgt haben. Am Tag der Räumung kam es überall in Ägypten zu heftigen Kämpfen, Polizeiwachen und knapp hundert Kirchen wurden angezündet.

Zusammen mit den Führern werden auch mehrere junge Journalisten vor Gericht gestellt, die sich im Medienzentrum des Protestcamps engagiert haben. Zu ihnen zählt etwa Mohammed al-Adly. Ideologisch stand er dem gestürzten Präsidenten nahe, zählte aber nicht zur Bruderschaft, schon gar nicht zur Führungsclique. Er bräuchte dringend einen Anwalt, um nicht womöglich gemeinsam mit der Muslimbruderführung zu einer sehr harten Strafe verurteilt zu werden.

Seit den 529 Todesurteilen, die vergangene Woche von einem Richter in al-Minya verhängt wurden, geht in Ägypten Panik um. Angesichts der Situation sind nur wenige Anwälte bereit, einen solchen Fall zu übernehmen und auch die Journalistengewerkschaft will mit Leuten wie al-Adly nichts zu tun haben.

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