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Coronavirus in Brasilien: Augen zu und durch.

Brasilien

Stolpert Bolsonaro über das Virus?

Die Opposition wirft Brasiliens Präsident Verbrechen im Amt vor – und will ihn loswerden.

Verschiedene Oppositionsparteien haben in Brasilien gemeinsam einen Antrag auf Amtsenthebung von Präsident Jair Bolsonaro eingereicht. Sie werfen ihm unter anderem Verbrechen im Amt vor, die die Ausbreitung der Corona-Pandemie in Brasilien gefördert und damit Menschenleben riskiert hätten, wie die Tageszeitung „Estado de São Paulo“ am Donnerstag (Ortszeit) berichtete.

Außerdem habe Bolsonaro antidemokratische Manifestationen gegen den Kongress und das Oberste Gericht unterstützt. Der Antrag auf Amtsenthebung wurde unter anderem von der linksgerichteten Arbeiterpartei (PT) und der PSol sowie weiteren 400 Organisationen und Einzelpersonen der Zivilgesellschaft eingereicht. Allerdings stellt die brasilianische Verfassung hohe Hürden für eine Amtsenthebung auf. Unter anderem müssen Abgeordnetenhaus und Senat mehrheitlich dafür stimmen, dass ein Amtsenthebungsverfahren überhaupt eingeleitet wird.

Bolsonaro hatte mehrfach öffentlich die Pandemie als „kleine Grippe“ und Inszenierung der Medien bezeichnet und sich den von den Gouverneuren verhängten Quarantäne-Regeln widersetzt. Innerhalb eines Monats haben zwei Gesundheitsminister im Streit über den Umgang mit der Pandemie die Regierung verlassen.

Dabei steigt die Zahl der Infizierten im bevölkerungsreichsten Land Südamerikas dramatisch an. Mittlerweile wurden 310 000 Ansteckungen mit dem neuartigen Coronavirus nachgewiesen. Die Zahl der Verstorbenen hat die Schwelle von 20 000 überschritten. Mit einem neuen Rekord von 1188 gemeldeten Todesfällen binnen 24 Stunden wuchs die Zahl der Todesopfer auf 20 047, wie das brasilianische Gesundheitsministerium am Donnerstag (Ortszeit) mitteilte.

Brasilien ist nach den USA und Russland das am stärksten von der Pandemie betroffene Land weltweit. Nach Schätzungen von Experten könnten die Infektionszahlen in Brasilien sogar um das 15-fache höher sein als offiziell erfasst, da vergleichsweise wenig getestet wird. Bolsonaro erneuerte dennoch am Donnerstag seinen Ruf nach Lockerungen der von den Bundesstaaten angeordneten Corona-Beschränkungen, um die Wirtschaft des Landes wiederzubeleben. (epd/afp)

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