Holocaust-Gedenken

Stolpersteine in Plettenberg entsorgt

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Ein Tiefbauer der Telekom wirft bei Arbeiten zum Glasfaserausbau aus Versehen Gedenktafeln für ermordete Juden auf die Müllkippe.

Fünf Stolpersteine, die in der nordrhein-westfälischen Stadt Plettenberg an ermordete Juden erinnerten, wurden bei Baumaßnahmen weggeworfen. Es handelt sich um fünf Stolpersteine, die am 10. Dezember 2015 an der Adresse Alter Markt 3 verlegt wurden und der jüdischen Familie Heilbronn gewidmet sind, die 1942 von den Nazis ermordet wurden.

Noch am vergangenen Montag hatte Bürgermeister Ulrich Schulte zum Holocaust-Gedenktag auf dem jüdischen Friedhof der Stadt auf die Stolpersteine hingewiesen, die daran erinnerten, dass auch in Plettenberg in der Zeit des Nationalsozialismus Juden aus ihren Betten geholt, deportiert und in KZs ermordet wurden. Dass fünf der insgesamt 13 Stolpersteine in der Innenstadt weggeworfen wurden, erfuhr der „Westfälische Anzeiger“ erst kürzlich über den Verein Heimatkreis, dem das Fehlen der Steine bereits vor einigen Monaten bei einer Stadtführung aufgefallen war. Dass die Steine nicht nur vorübergehend entfernt, sondern tatsächlich weggeworfen wurden, bestätigte nun die Stadt Plettenberg auf Nachfrage.

Die Steine verschwanden demnach im vergangenen Jahr bei Arbeiten zum Glasfaserausbau, die von einer Firma im Auftrag der Telekom ausgeführt wurden. „Sowohl der Projektleiter als auch die ausführende Firma wurden mehrfach auf die Stolpersteine und den Umgang damit hingewiesen“, sagt Sebastian Jülich, Fachbereichsleiter Planen und Bauen. „Das hat leider nichts gebracht, die Steine sind entsorgt worden.“

Firma zahlt Schadensersatz

„Das ist sehr ärgerlich“, sagt Schulte. Hätte man geahnt, dass jemand die deutlich von normalen Pflastersteinen unterscheidbaren Stolpersteine mit den restlichen Steinen auf die Kippe bringt, hätte man die Stolpersteine vorher durch den Bauhof ausbauen lassen. „Als der Schaden bemerkt wurde, war es schon zu spät.“

Die Stadt habe im Frühsommer vom Verlust der Steine erfahren, als sie im Rahmen der regelmäßig stattfindenden Abstimmungsgespräche mit der Telekom direkt nach der Ausführung der Arbeiten nach dem Verbleib der Steine gefragt habe, sagt Jülich: „Diese wurden dann erst von der Firma gesucht, waren aber auch nach längerer Suche nicht mehr auffindbar. So haben wir Schadenersatz gefordert und auch bekommen.“ Die Kosten für die von der Stadt bestellten neuen Steine wurden von dem verantwortlichen Tiefbauer erstattet.

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