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Kinder von IS-Kämpfern im Hospital von Hosaka.

IS-Rückkehrer

Stockholm weist kranke IS-Waisen ab

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Kinder getöteter schwedischer Dschihadisten dürfen nicht ins Land. Ein Großvater kämpft für die Rückkehr seiner Enkel und berichtet.

Auf dem Privatfoto aus einem nordsyrischen Gefangenenlager für IS-Kämpfer lächelt Großvater Patricio Galvez noch und hält ein Baby im Arm. Er freut sich, weil er vom fernen Göteborg aus tatsächlich die siebenköpfige Enkelschar im Alter von einem bis acht Jahren in dieser schrecklichen Gefangenschaft aufgespürt hat. Und weil alle am Leben sind, während ihre Eltern als schwedische Dschihadisten kurz vor der endgültigen IS-Niederlage starben. Dass die Regierung in Stockholm ihm jetzt partout nicht helfen will, die Waisen in seinem Heimatland in Sicherheit zu bringen, kann Galvez nicht fassen: „Wenn Schweden wirklich sagt, dass man diese unschuldigen Kinder nicht haben will, ist das barbarisch.“

Auch dass der Großvater, vollkommen frei von jedem Verdacht auf Sympathien oder Verständnis für IS-Aktivitäten, glaubwürdig über Unterernährung und lebensgefährlichen Lungenentzündungen seiner Enkel berichtet, hat vorerst an der Härte des amtlichen Reaktionen nichts geändert. „Erst mal benötigen wir ein Begehren der kurdischen Behörden. Das gibt es nicht“, sagte Außenamtssprecher Patric Nilsson heimischen Medien. Auch verfüge man nicht über Personal in dem Gebiet. Deshalb hätten sich die Kinder alle im nächsten Konsulat einzufinden. Das liegt unerreichbar in Erbil, mitten im Irak. „Auf jeden Fall müssen wir dann jeden Fall auch einzeln prüfen,“ erklärte der Sprecher.

Wohl damit es nicht allzu brutal klingt, fügte er an: „Ich kann nicht genug herausstellen, wie viel uns an der Situation im Lager selbst liegt. Deshalb haben wir Geld bereitgestellt, um dort die humanitäre Lage generell mit Blick auf die Grundversorgung zu verbessern.“ Mit der Heimführung der Kinder sei es „aber doch recht kompliziert“. Dem stand gegenüber, was der Großvater im Rundfunk aus dem Lager im Nordosten Syriens mit mehreren tausend gefangenen Dschihadisten zu berichten hatte: „Die Kinder sind fiebrig und haben immer Hunger. Das Personal erklärte mir, dass ich mich beeilen muss, ehe es zu spät ist.“

Dänen machen es vor

In empörten Reaktionen heißt es, die Regierung des Sozialdemokraten Stefan Löfven unterwerfe sich hier einer „hasserfüllten, lautstarken Volksmeinung“, für die zur maximal harten Abstrafung von Dschihadisten mit schwedischem Pass auch die ihrer Kinder gehört. Der Vater der sieben, Michael Skråmo, war als Konvertit zu Lebzeiten in Schweden Schlagzeilen-Lieferant, weil er als nimmermüder Propagandist zu Terroranschlägen in schwedischen Supermärkten aufforderte und Landsleute als IS-Kämpfer rekrutieren wollte. Skråmo starb kurz vor der endgültigen Niederlage der Dschihadisten bei Kämpfen in Baghus, seine Frau Amanda Gonzales zwei Monate vorher bei einem Bombenangriff. 2014 hatte das Paar mit seinen damals vier Kindern Schweden Richtung Syrien verlassen und hier drei weitere Kinder bekommen.

Bei der überall in Europa heftig umstrittenen Frage nach dem Umgang mit heimkehrwilligen Dschihadisten tat sich die schwedische Regierung schwer. Jetzt will sie offenbar um jeden Preis Härte demonstrieren.

Wie weit man damit gehen kann, führten vor ein paar Wochen die dänischen Nachbarn in Kopenhagen vor: Regierung und Rechtspopulisten einigten sich nicht nur auf bessere Ausbürgerungsbedingungen für „Fremdenkrieger“. Sondern auch gleich auf die Verweigerung der Einbürgerung von deren Kinder, wenn sie während des Aufenthalts in der Fremde zur Welt gekommen sind. Großvater Galvez kann nicht glauben, dass seine eigene Regierung an ihrer so barbarisch wirkenden Abweisung der Rettung kleiner Kinder festhält: „Schweden wird helfen. Aber es kann zu spät sein.“

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