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Roms Bürgermeister Gianni Alemanno (r.) hofft auf eine zweite Amtszeit. Sein Herausforderer ist der Chirurg Ignazio Marino (l.).

Kommunalwahl in Rom

Stimmungstest in Italien

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Am heutigen Sonntag beginnt die Kommunalwahl in Italiens Hauptstadt Rom. Der Sozialdemokrat Marino liegt in Umfragen mit 35 Prozent vorn, jedoch nur knapp vor dem amtierenden Bürgermeister Alemanno. Die Linke könnte Rom zurückerobern.

Eigentlich sind Alessandra Mussolini und Gianni Alemanno ja Gesinnungsgenossen und Parteifreunde – beide sind ehemalige Neofaschisten, beide gehören heute zu Berlusconis Partei PdL. Im vergangenen Herbst aber platzte der Duce-Enkelin der Kragen. „Eine Schande ist das!“, schimpfte die Parlamentsabgeordnete, „der Bürgermeister sollte mal eine Rundfahrt durch die Straßen von Rom machen, die ganze Stadt ist ein Schlachtfeld!“ Mussolinis Zorn rührte daher, dass sie mitten in der Ewigen Stadt mit dem Auto in ein kraterartiges Schlagloch gefahren und steckengeblieben war.

Der immer desolatere Zustand von Straßen und Gehwegen mit aufgerissenem Asphalt, knöcheltiefen Löchern, losen Pflastersteinen macht den 2,6?Millionen Römern das Leben schwer und verursacht steigende Unfallzahlen. Jetzt ist er auch zum Wahlkampfthema geworden.

Nur Schlaglöcher als Erfolg

Bei den Kommunalwahlen am Sonntag und Montag hofft Bürgermeister Alemanno darauf, für eine zweite Amtszeit bestätigt zu werden. Als der frühere rechtsradikale Straßenkämpfer, inzwischen geläutert, vor fünf Jahren ins Rathaus auf dem Kapitolshügel einzog, gab er sich als „Sheriff. Er propagierte Null-Toleranz gegenüber Kriminellen, versprach mehr Ordnung und Sicherheit und kündigte an, illegale Ausländer gnadenlos auszuweisen. Aber von sich reden machte er dann vor allem durch Skandale und Vetternwirtschaft. So wurden in der Stadtverwaltung und in kommunalen Betrieben wie der Verkehrsgesellschaft Atac ganze Hundertschaften lokaler Parteigänger des Mitte-Rechts-Lagers und deren Angehörige eingestellt, gerichtliche Ermittlungen dazu laufen. Einer der engsten Mitarbeiter Alemannos sitzt in Haft, weil er 600.000 Euro Schmiergeld für den Kauf von Elektrobussen angenommen haben soll. Es gibt auch Hinweise, dass Kommunalbetriebe von der organisierten Kriminalität infiltriert sind.

Die Verkehrsgesellschaft Atac steht kurz vor der Pleite. Busse und U-Bahnen sind schlecht gewartet, es gibt zu wenig Fahrer, regelmäßige Havarien verstärken das Verkehrschaos in der Stadt. Rom hat unter den europäischen Hauptstädten die meisten Autos pro Kopf und eines der kleinsten Bus- und U-Bahnnetze. Großprojekte wie der Bau einer dritten U-Bahn-Linie haben sich unter Alemannos Regie um Jahre verzögert, die Kosten sind explodiert.

„Die Schlaglöcher in Roms Straßen: Das einzige öffentliche Werk dieser Führung“, twitterte polemisch der sozialdemokratische Herausforderer, der Chirurg Ignazio Marino. Er verspricht unter anderem eine Smartphone-App, mit der Bürger Probleme direkt der Kommune melden können. Alemanno wirbt für sich damit, Rom vor dem Bankrott bewahrt und die von den linken Vorgängern übernommene Schuldenlast von zwölf auf 8,5 Milliarden Euro verringert zu haben.

Unsicherheitsfaktor Grillo

Der Sozialdemokrat Marino liegt in Umfragen mit 35 Prozent vorn, jedoch nur knapp vor Alemanno mit 32 Prozent. Eine Stichwahl könnte nötig werden. Die Kommunalwahlen in 564 Städten gelten als Stimmungstest, nachdem Berlusconis PdL und die Linken eine große Koalition eingegangen sind. Der Kandidat von Beppe Grillos Fünf Sternen in Rom ist laut aktuellen Umfragen chancenlos. Aber abwarten: Auch bei der Parlamentswahl im Februar hatten die Demoskopen den Überraschungserfolg der Protestbewegung nicht vorhergesehen.

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