Bevölkerungsschutz

Stiller Alarm

Der Warntag offenbart Schwächen im System. 

Ziel des Warntags am Donnerstag war es, Warnanlässe bekannter zu machen, die Selbstschutzfertigkeiten der Bevölkerung zu verbessern, alle zur Verfügung stehenden Warnmittel zu testen und diese bewusst an Belastungsgrenzen zu führen. Zumindest letzteres Ziel ist geglückt. Denn bei dem flächendeckenden Probealarm konnte festgestellt werden, dass eine zeitgleiche Warnung der Bevölkerung deutschlandwiet nicht funktioniert.

Eine Sprecherin des Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) in Bonn sagte, dass es bei der Warn-App NINA teilweise wegen Überlastung nicht geklappt habe. Einige hätten die Warnung aber bekommen. „Wir wissen, dass es teilweise geklappt hat“, so die Sprecherin.

Teilweise sei es auch zu einer Überlastung des modularen Warnsystems (MoWaS) gekommen. „Deshalb gibt es gerade Verzögerungen bei der Auslösung.“ Über das MoWaS werden unter anderem die Warn-Apps NINA, Biwapp und Kattwarn angesteuert. Es könnte sein, dass die Warnungen verspätet auf den Smartphones ankamen. Die Warn-App NINA soll Nutzer vor Gefahren warnen – am gestrigen Donnerstag sollte sie einen Probealarm übermitteln.

Viele Menschen hatten sich zudem auf Lärm eingestellt, hörten um 11 Uhr allerdings nur wenig. Denn in vielen Orten in Deutschland gibt es schlichtweg keine Sirenen. Das ursprünglich gut ausgebaute Sirenennetz konnte von den Kommunen übernommen werden, das wurde aus Kostengründen jedoch oft nicht getan. Früher gab es deutschlandweit etwa 80 000 funktionierende Sirenen, die als „Fliegeralarm“ oder „Luftschutzalarm“ bekannt waren. Heute sind es noch rund 15 000, die einen Warnton senden können.

Viele deutsche Städte verfügen inzwischen nicht mehr über ausreichende Sirenentechnik – beispielsweise Braunschweig, Peine und Osnabrück. Die Sirenen sind eine kommunale Angelegenheit, somit können auch benachbarte Städte völlig unterschiedliche Vorgehensweisen haben. Während Wolfsburg mit 50 nagelneuen Sirenen sogar aufgerüstet hat, sind in Braunschweig und Peine die Sirenen abgebaut worden. Laut einem Bericht auf der Webseite regionalheute.de verfügt Wolfsburg damit über das modernste Sirenennetzwerk im ganzen Land. Der Landkreis Wolfenbüttel etwa verfügt zwar andererseits über Sirenen, will diese aber nur zur Alarmierung der Feuerwehr einsetzen. Dem Bericht zufolge wurden die Sirenen aus dem Warnsystem des Katastrophenschutzes herausgenommen, die Leitstelle kann die Sirenen also gar nichtansteuern.

In Osnabrück hingegen wollte man gerne am Warntag teilnehmen, konnte es laut NDR-Informationen aber nicht. Insgesamt 26 neue Sirenen wollte die Stadt anschaffen, diese seien jedoch noch nicht da. Gespräche dazu können erst im Laufe des Septembers starten.

In Schleswig-Holstein ist die Lage ähnlich. Die einen – wie etwa Lübeck – verfügen über keine Zivilschutzsirenen mehr. Die anderen – wie die Gemeinden im Kreisgebiet von Ostholstein – lösen die vorhandenen Sirenen aus technischen Gründen nicht aus. Ganz anders im Kreis Segeberg: Sirenen sind zwar vorhanden – werden aber nicht ausgelöst, weil sie nicht den richtigen Ton treffen. Dies liegt daran, dass die Warntöne schlicht nie programmiert wurden.

Um 11 Uhr war der bundesweite Probealarm ausgelöst worden - erstmals seit der Wiedervereinigung. Der Warntag dient als Vorbereitung auf Gefahrenlagen wie schwere Unwetter, Überschwemmungen, Chemieunfälle oder auch Terroranschläge. Künftig soll er jedes Jahr am zweiten Donnerstag im September stattfinden.

(Von Vanessa Casper)

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