Kita

Stiftung wehrt sich gegen Hetze

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Broschüre zu Rassismus in der Kita.

Ein Kind zeichnet im Kindergarten Hakenkreuze und sagt: „Das gibt es bei uns zu Hause.“ Anderes Beispiel: Eine Familie lädt Kinder zum Geburtstag ein, die Eltern sind vermutlich rechtsextrem. Andere Eltern fragen Erzieherinnen um Rat. Dritter Fall: Eine Mutter beschwert sich, dass ihr Sohn lackierte Fingernägel bekommen hat und wettert über „Genderwahn“. Situationen aus dem deutschen Kindergartenalltag, die in der Broschüre „Ene, mene, muh“ der Amadeu-Antonio-Stiftung beschrieben werden. „Alle Beispiele stammen aus der Praxis“, sagt Stiftungsvertreterin Simone Rafael.

Die Broschüre erschien am 12. Oktober. Seitdem machen Rechte dagegen mobil. Darin soll Kita-Personal im Umgang mit rechtspopulistischen und rechtsextremen Mobilisierungen geschult werden. Er wurde aus dem Programm „Demokratie leben“ des Bundesfamilienministeriums gefördert. Warum, schreibt Ministerin Franziska Giffey (SPD) im Vorwort: „Wir erleben ein neues Ausmaß an menschenverachtendem Verhalten und einen deutlichen Anstieg rechtspopulistischer Bewegungen. Diese Entwicklung macht auch vor den Kindertagesstätten nicht Halt.“

Die AfD-Abgeordnete Nicole Höchst befindet, die Broschüre sei „ein kleines Einmaleins der Gesinnungsdiktatur“. Betreuer würden „zur Bespitzelung von Eltern und Kollegen angehalten“. Apropos Bespitzelung: Am Donnerstag war ein Gutachten von Juristen des Landtags von Sachsen-Anhalt bekannt geworden, das ein Onlineportal der AfD zur Meldung kritischer Lehrer als wahrscheinlich illegal einstuft. Die AfD ruft Schüler dazu auf, Lehrer zu melden, die angeblich gegen das politische Neutralitätsgebot verstoßen.

Bei der Stiftung nahm man diese Angriffe zunächst gelassen zur Kenntnis. Die Amadeu-Antonio-Stiftung ist Lieblingsfeind der Rechten. Am Mittwoch aber stieg die „Bild“-Zeitung ein und zitierte nicht die AfD, sondern einen CDU-Innenpolitiker. Christoph Bernstiel aus Halle (Saale) sagte: „Ich finde es unfassbar, dass eine mit Steuergeldern finanzierte Broschüre junge Mädchen, die Zöpfe und Kleider tragen, als potenziell „völkisch“ bezeichnet.“

Daraufhin steht das Telefon bei der Stiftung nicht mehr still. „Wir rufen nichts zum Beschnüffeln von Eltern auf“, muss Simone Rafael mehrere Dutzend Mal sagen. Und auch: „Es geht nicht um Zöpfe.“ In dem Beispiel geht es um die Kinder, deren mutmaßlich rechtsextreme Eltern eine Geburtstagsfeier veranstalten wollen. Sehr ausführlich werden die Kinder dieser Eltern beschrieben. Die Zöpfe des Mädchens sind aber nicht das Entscheidende, sondern die Zugehörigkeit der Eltern zu einer Kameradschaft. In der Zusammenfassung heißt es: Eine Ausgrenzung der Kinder ist keine Lösung. (mit afp)

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