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Stiftung für Kohls Nachlass geplant

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Von: Holger Schmale

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Im Keller von Kohls Bungalow lagern viele Akten.
Im Keller von Kohls Bungalow lagern viele Akten. © imago

Der Anwalt der Witwe des verstorbenen Altkanzlers nennt noch keine Details zum Testament von Helmut Kohl. Beim Umgang mit dem Erbe geht es auch um die Deutungshoheit.

Was steht eigentlich im Testament von Helmut Kohl? Die Antwort auf diese Frage kennen bisher wahrscheinlich nur seine Witwe Maike Kohl-Richter und sein langjähriger Vertrauter und Anwalt Stephan Holthoff-Pförtner. Dabei geht es einmal um das auf mehrere Millionen Euro geschätzte Vermögen des ehemaligen Kanzlers und CDU-Vorsitzenden, das sich vor allem aus den Erlösen seiner Buchveröffentlichungen speiste. Für die Öffentlichkeit interessanter aber ist die Frage, was aus seinem sonstigen Nachlass wird – Aufzeichnungen, Briefe, Gesprächsnotizen.

Dabei ist klar, dass alle Dokumente, die mit seiner Tätigkeit als Kanzler zu tun haben, der Bundesrepublik gehören. Darum kümmert sich das Bundesarchiv in Koblenz. Schwieriger ist der Umgang mit den Unterlagen aus seiner 25 Jahre währenden Arbeit als CDU-Vorsitzender und hier vor allem die Grenzziehung zwischen eher privaten und parteioffiziellen Dokumenten. Nach allem, was man weiß, ist Kohl damit in den Jahren nach dem Abschied aus seinen Ämtern eher großzügig umgegangen.

Sein Biograf Heribert Schwan, Autor der ersten drei Bände der Erinnerungen des Politikers, hatte freien Zugang zu allen möglichen Akten, die zum Teil noch immer im Kellerbüro in Kohls Bungalow in Oggersheim lagern. Dabei dürfte es sich vor allem um Parteiunterlagen handeln, die Kohl schon einmal in die Obhut der Konrad-Adenauer-Stiftung gegeben hatte. Doch im Jahre 2010 verlangte er – in Wirklichkeit wohl seine Frau – einen Großteil seiner Handakten zurück, die er 1998 dem Archiv der CDU-nahen Stiftung überlassen hatte. Er benötige sie, um den vierten Band seiner Erinnerungen fertigstellen zu können, lautete die Begründung.

Niemand, der den schwer behinderten Altkanzler bei seinen raren öffentlichen Auftritten in den vergangenen Jahren erlebt hatte, glaubte an diese Version. Tatsächlich dürfte es Maike Kohl-Richter gewesen sein, die sich anhand dieser persönlichen Aufzeichnungen einen Überblick über die letzten Regierungsjahre ihres Mannes verschaffen wollte – um womöglich selber den ominösen vierten Band der Erinnerungen herauszugeben, der die spannenden Jahre 1994–1998 umfassen würde.

Darunter sind Entwürfe für Reden jener Zeit, aber auch Korrespondenz mit Parteifreunden und anderen Staatsmännern. Die Adenauer-Stiftung pocht seit langem darauf, diesen Nachlass für die Öffentlichkeit zu sichern und nicht im Keller des Bungalows in Oggersheim verschwinden zu lassen.

Die Übergabe sämtlicher Archivalien an eine bundeseigene Stiftung, wie es sie auch für Konrad Adenauer, Willy Brandt und Helmut Schmidt gibt, wäre eine für alle Beteiligten praktikable Lösung. Kulturstaatsministerin Monika Grütters hat eine solche Helmut-Kohl-Stiftung bereits vorgeschlagen. In der Regel haben Angehörige oder Weggefährten des Staatsmannes dann Sitz und Stimme in den Aufsichtsgremien, sodass auch Maike Kohl-Richter weiter Einfluss auf den Umgang mit dem Vermächtnis ihres Mannes nehmen könnte.

Holthoff-Pförtner bestätigte dem Magazin Focus, dass es Pläne für eine Stiftung gebe, aber Näheres dazu werde vor der Beerdigung des Altkanzlers nicht mitgeteilt. Wie der Prozess genau gestaltet werde, sei noch nicht klar. „Vor der Beisetzung werde ich die Frage, wie die Stiftung gestaltet wird, nicht diskutieren. Aber es ist völlig klar, dass sie kommen wird.“

Es gilt als sicher, dass Kohl gemeinsam mit seiner Frau und seinen Vertrauten, darunter neben Holthoff-Pförtner der langjährige Chefredakteur und Herausgeber von „Bild“ und „Bild am Sonntag“, Kai Diekmann, genaue Festlegungen für den Umgang mit seinem Nachlass getroffen hat und sich damit in gewissem Sinne die Deutungshoheit gesichert hat. Das beginnt bereits mit der Planung für die Trauerfeierlichkeiten, in deren Zentrum ein erstmalig zelebrierter europäischer Staatsakt stehen wird.

Dieser von EU-Ratspräsident Jean-Claude Juncker am Wochenende in der „Bild am Sonntag“ unterbreitete überraschende Vorschlag dürfte mit Sicherheit auf Anregungen aus der Familie zurückgehen. Wie zu hören ist, hatte Kohls Witwe dabei alle Fäden fest in der Hand. Sie ist die alleinige Ansprechpartnerin, sowohl für die Kanzlerin als auch für den Chef des Bundespräsidialamtes.

Bei der Kommunikation nach außen hilft Diekmann mit dem Zugang zu seinen ehemaligen Zeitungen. Schon die Nachricht vom Tode Kohls wurde vor einer Woche – viele Stunden nach dem Ereignis – zuerst über die „Bild“-Zeitung verbreitet. Der Sohn Walter Kohl vernahm die Kunde nach eigener Aussage aus dem Autoradio. Kohl hatte den Kontakt zu ihm und seinem Bruder Peter schon vor Jahren abgebrochen. (mit dpa)

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