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Euphorische Fans von Pablo Kuczynski in der Wahlnacht.

Präsidentschaftswahl

Stichwahl in Peru

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Keiko Fujimori, die Tochter des früheren Diktators Alberto Fujimori, muss im Juni vermutlich gegen Pedro Pablo Kuczynski antreten.

In Peru hat Keiko Fujimori, die Tochter des früheren Diktators Alberto Fujimori, die Wahl am Sonntag klar gewonnen. Dennoch muss sie im Juni in der Stichwahl vermutlich gegen den Kandidaten der Rechten, Pedro Pablo Kuczynski, antreten. Die Links-Kandidatin Veronika Mendoza, die im Wahlkampf überraschend stark zugelegt hatte, wurde Dritte. Bei rund zwei Dritteln der ausgewerteten Stimmen lag Fujimori bei knapp 33, Kuczynski bei 20 und Mendoza bei knapp 15 Prozent.

Trotz ihres großen Vorsprungs könnte die 40-jährige Keiko Fujimori im Juni leicht verlieren, weil zwar viele für, aber den Umfragen zufolge noch mehr gegen sie sind. Denn ob gerechtfertigt oder nicht, viele Peruaner sehen sie als politische Erbin ihres Vaters an, der Peru in den Neunzigern diktatorisch regierte und wegen schwerer Menschenrechtsverletzungen und diverser Korruptionsaffären im Gefängnis sitzt.

Viele ihrer Anhänger wählen sie jedoch gerade, weil sie die Tochter ihres Vaters ist. Sie halten Alberto Fujimori zugute, den Terrorismus des „Leuchtenden Pfades“ besiegt und die Wirtschaft wieder flottgekriegt zu haben, wenn auch mit undemokratischen Maßnahmen beziehungsweise einer neoliberalen Rosskur. Tochter Keiko setzt sich zwar von den finsteren Aspekten der Herrschaft ihres Vaters ab und verspricht im Übrigen, ihn nicht zu begnadigen. Aber nach der Scheidung ihrer Eltern spielte sie damals die Rolle der First Lady, kann also nur bedingt auf Distanz zur Regierung ihres Vaters gehen.

Schlachtross der neoliberalen Rechten

Ihr Gegner in der Stichwahl wird wohl der neoliberale Ökonom Pedro Pablo Kuczynski, und für ihn dürften in der Stichwahl nicht nur seine Anhänger stimmen, sondern auch – allerdings mit zusammengebissenen Zähnen – die anderen, für die Keiko absolut unwählbar ist. Und damit könnte Kuczynski siegen.

Anders als von Keiko sind von Kuczynski kaum Überraschungen zu erwarten. Der 77-Jährige gilt als erprobtes Schlachtross der neoliberalen Rechten. Er hat bereits in den Sechzigern dem liberalen Präsidenten Fernando Belaúnde als Berater gedient. Von einer linken Militärregierung der Korruption bezichtigt, ging er ins Ausland, machte in den Siebzigern bei internationalen Bergbau-firmen und während der Regierung von Alberto Fujimori auch in anderen Branchen Karriere. In demokratischen Zeiten war er Bergbau- und Energieminister, danach auch Wirtschaftsminister.

Während die japanischen Wurzeln der Kandidatin Fujimori im Volk kaum schaden – Asiaten gehören in Peru oft zum unteren Mittelstand –, schlägt Kuczynski das Misstrauen entgegen, ein Handlanger der Eliten und des Auslands zu sein. Das liegt nicht nur an seinem beruflichen Werdegang, sondern auch daran, dass er Spanisch mit hartem Akzent spricht. Sein Vater war ein jüdisch-polnischer Arzt, der den Nazis entkam, seine Mutter stammt aus der französischen Schweiz und war Musiklehrerin. Kuczynski studierte selbst Musik; der Filmregisseur Jean-Luc Godard ist sein Vetter.

Die Linkskandidatin Veronika Mendoza hat zwar französische Wurzeln, aber sie ist fest in Cusco verankert. Außerdem spricht die 35-Jährige die Indigenen-Sprache Quechua. Während Kuczynski 2002 nach Protesten gegen die Privatisierung der Wasserversorgung als Minister zurücktreten musste, hält Mendoza den Zugang zu Wasser für ein Menschenrecht. Ein heißes Thema in Peru, wo der Bergbau in den vergangenen Jahren zwar einen Wirtschaftsboom, aber auch starke ökologische Zerstörung und entsprechende soziale Proteste nach sich gezogen hat. Mendoza bezeichnet sich als Sozialistin und verficht vor allem die Anliegen der indigenen Bevölkerung.

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