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Rechtsextremist Steve Bannon wollte in der Nähe von Rom eine „Gladiatorenschule für Kulturkämpfer“ gründen. Daraus wird wohl nichts.

Trisulti

Steve Bannon geht nun doch nicht ins Kloster

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Italiens Kulturministerium stoppt Pläne für rechte Kaderschmiede.

Sie wird wohl nie eröffnen, die Kaderschmiede für europäische Rechtspopulisten, die der frühere Trump-Stratege Steve Bannon in einem italienischen Kloster einrichten wollte. Das Kulturministerium in Rom hat jetzt ein Verfahren zum Widerruf des Mietvertrages eingeleitet, wegen „Verletzung verschiedener vertraglicher Verpflichtungen“. Es lägen alle Voraussetzungen vor, um den Vertrag zu annullieren, hieß es in der Erklärung. Gegen Bannons Projekt hatte es Protestdemonstrationen gegeben und die Kritik linker Parlamentarier.

Der 800 Jahre alte Klosterkomplex der Kartause von Trisulti südöstlich von Rom gehört dem italienischen Staat und war im Februar 2018 nach einer Ausschreibung an den ultrakonservativen katholischen Think Tank Dignitatis Humanae Institute (DHI) vergeben worden. Dessen Schirmherr und Finanzier ist der US-Amerikaner Bannon, Ex-Chef des rechtsradikalen, islamfeindlichen Internetportals Breitbart News, der von einer rechtspopulistischen Wende in Europa träumt. Ehrenpräsident des DHI ist Kardinal Raymond Leo Burke, ein Traditionalist und Gegner von Papst Franziskus.

Denkmalpflege ungenügend

In dem 25.000 Quadratmeter großen Klosterkomplex solle eine „Akademie für den jüdisch-christlichen Westen“ entstehen, hatte der Chef des Instituts, der Bannon-Vertraute Benjamin Harnwell gesagt, ein Brite, der seit einem Jahr in Trisulti lebt. Bannon sprach von einer „Gladiatorenschule für Kulturkämpfer“. Er hat Italien zu einem Zentrum seiner Aktivitäten erkoren, seit die rechtsnationale Lega und ihr Chef Matteo Salvini regieren.

Das italienische Kulturministerium teilte Ende vergangener Woche mit, Überprüfungen hätten ergeben, dass das DHI einige Anforderungen der Ausschreibung gar nicht erfüllt habe. So fehle in seinen Statuten das Ziel des Schutzes und der Pflege von Kulturgütern. Auch habe es nicht die geforderte mindestens fünfjährige Erfahrung in der Pflege eines Baudenkmals vorweisen können, so Kulturminister Alberto Bonisoli von den Fünf Sternen auf Facebook. Zudem sei die Miete für 2018 nicht gezahlt worden.

Die Jahresmiete für das Kloster beträgt 100 000 Euro. Der Vertrag hat eine Dauer von 19 Jahren und war noch unter der Mitte-Links-Vorgängerregierung geschlossen worden. Beim Widerruf spielten politische Meinungen keine Rolle, versicherte Kultur-Staatssekretär Gianluca Vacca von den Fünf Sternen. „Uns interessiert der Respekt der Legalität und der Schutz des nationalen Kulturguts.“ Das Institut hatte sich zu Restaurierungsarbeiten in der Kartause verpflichtet.

Harnwell kündigte an, sein Think Tank werde gegen eine Annullierung vorgehen. „Egal, wie viele Jahre es dauern wird.“ Was den Zahlungsrückstand angeht, so verwies er auf eine Vereinbarung mit Ministeriumsmitarbeitern, wonach die Miete mit Instandsetzungsarbeiten verrechnet werden sollte. Bannon sagte, der Kampf um Trisulti sei „ein Mikrokosmos für den Kampf um den jüdisch-christlichen Westen“.

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