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Trumps Ex-Berater Bannon.

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Steve Bannon: Abstieg eines Schaumschlägers

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Europas Rechte interessieren sich nur mäßig für Steve Bannon. Der nimmt sich jetzt Deutschlands Osten zum Ziel.

Steve Bannon hofft auf ein politisches „Erdbeben“ nach der Europawahl. Und er hat auch schon sein nächstes Ziel: Sachsen. Ausgerechnet. Vor der Landtagswahl am 1. September will er den deutschen Osten kennenlernen. Diese Woche war der 65-Jährige Ex-Berater von US-Präsident Trump zum ersten Mal in Berlin.

Der Besuch war mehrmals angekündigt und immer wieder verschoben worden. Das lag daran, dass die AfD mit ihm lange nicht warm wurde. Parteipatriarch Alexander Gauland ist skeptisch gegenüber Angeboten von außen, andere halten Bannon schlicht für einen Mann auf der Suche nach einem neuen Geschäftsmodell. „Er ist ein Schaumschläger“, sagen viele im Parteivorstand. Auch Co-Chef und Europa-Spitzenkandidat Jörg Meuthen hat die Gespräche über eine Allianz europäischer Rechtsparteien bisher geführt, ohne sich mit Bannon zu treffen.

Nun haben sich Meuthen und Bannon am Dienstag in Weimar zu einer „freundlichen Begegnung und interessantem Gedankenaustausch“ zusammengefunden, wie Meuthen auf Twitter schrieb. Weimar liegt bekanntlich in Thüringen – der dortige AfD-Chef Björn Höcke war über das Treffen nicht einmal informiert, hört man aus Parteikreisen.

In Berlin ist Bannon im Hotel Adlon abgestiegen – mit Blick auf Brandenburger Tor und Reichstagskuppel. Hier gibt er ausgewählte Interviews: dem rechten Blogger David Berger, der „Jungen Freiheit“, der „Neuen Zürcher Zeitung“ (NZZ). Und der dpa. Der NZZ sagt er, dass die Rechtsparteien im EU-Parlament nach der Wahl eine „Supergruppe“ bilden können. Und er droht: „Nach der Wahl wird jeder Tag in Brüssel Stalingrad sein.“ Die neue Rechts-Allianz könne das Parlament blockieren.

Bannon lobt Meuthen und den italienischen Innenminister Matteo Salvini als treibende Kräfte hinter der künftigen „Supergruppe“ im EU-Parlament. „Am Samstag werden wir zusammen in Mailand sein“, lässt er im Interview mit der NZZ fallen. An diesem Tag werden die führenden Köpfe der im Aufbau begriffenen rechtspopulistischen Allianz an einer Demonstration in Mailand teilnehmen – darunter auch Marine Le Pen aus Frankreich. Bannon ist aber höchstens als Zuschauer dabei. Salvinis Sprecher sagt dem RND: „Ich weiß nicht, dass er kommt. Ich habe keine Ahnung. Er hat keine offizielle Funktion.“ Ist Bannon etwa nur ein Groupie? Er sagt von sich selbst: „Ich bin nur ein Amerikaner, der hier ist, um zu tun, was ich kann, um Verbindungen herzustellen und um Leute zu motivieren.“

Meuthen ist im Gespräch mit dem RND zuversichtlich, dass es nach den Wahlen zum Aufbau einer neuen Fraktion reicht, die den Namen „Europa der Vernunft“ oder „Europa des gesunden Menschenverstandes“ tragen wird. Neun Parteien seien bereits dabei, sagt Meuthen. Von einer „Supergruppe“ spricht er nicht, von Stalingrad schon gar nicht. Man wolle die EU nicht zerstören, sondern reformieren, so Meuthen. Bannon sagt der dpa: „Wenn der Trend so bleibt, wie er jetzt ist, dann könnten künftig 33 bis 35 Prozent der Abgeordneten Mitglieder von Souveränitätsbewegungen sein. Das wird ein Erdbeben in Brüssel auslösen.“ Er lacht. Für Meuthen wäre es in Deutschland schon ein Erfolg, wenn die AfD in der Nähe ihres Bundestags-Wahlergebnisses von 12,6 Prozent käme.

Jetzt will er nach Görlitz

Von einer „Supergruppe“ ist die künftige Rechtsfraktion des „gesunden Menschenverstandes“ noch weit entfernt. Spannend wird es jedoch, wenn nach der Wahl die ungarische Fidesz-Partei beitreten sollte. Zwar haben Viktor Orbans Vertreter in Brüssel zurzeit nur elf Sitze. Aber ihr Beitritt könnte der Türöffner für andere konservative Parteien Mittelosteuropas wie der polnischen Regierungspartei PiS werden. Die halten sich zurzeit noch von Meuthen und Salvini fern. Im Gegensatz zu Orban. Den hat Bannon auch gerade getroffen. Hat er dafür geworben, sich der Allianz der Rechtspopulisten anzuschließen? Er winkt ab. „Nein, nein, nein, nein. Ich habe nicht versucht, ihn zu überzeugen“, sagt er der dpa. Alles, was die Zusammenarbeit zwischen ihm und Salvini angeht, ist von den beiden selbst in Gang gesetzt worden. Die Zwei sind wie ein Doppelschlag beim Boxen.“

Neben Meuthen hat Bannon diese Woche auch einen AfD-Politiker getroffen, der international bislang nicht bekannt ist: Tino Chrupalla. Der Malermeister aus Sachsen hat bei der Bundestagswahl 2017 den Wahlkreis Görlitz gewonnen – gegen den damaligen CDU-Generalsekretär Michael Kretschmer. Fünf Stunden lang habe er sich mit Chrupalla unterhalten, erzählt Bannon. Chrupalla sagt dem RND, Bannon sei auf ihn zugekommen. „Er fand es sehr interessant, wie wir es geschafft haben, in Sachsen bei der Bundestagswahl stärkste Partei zu werden. Er hat sich auch für den Görlitzer Oberbürgermeister-Wahlkampf interessiert.“ In Görlitz gehört der AfD-Kandidat zu den Favoriten im Kampf um das Rathaus.

Bannon hat sich für Juni in Görlitz angekündigt. Das zeigt zweierlei. Er hat ein Gespür für Gegenden, in denen es politisch gärt. Und: Keine Aufgabe ist ihm zu klein. Washington oder Görlitz, für Bannon ist alles Weltpolitik.

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