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Protest mit Steinen.
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Protest mit Steinen.

Ägypten

Steuerbehörde in Kairo gestürmt

Vor dem belagerten Innenministerium in Kairo kommt es zu Straßenschlachten mit der Polizei. Bei dem Aufruhr in Ägypten werden mindestens drei Menschen getötet, Hunderte verletzt.

Ägypten kommt nach den tödlichen Fußball-Krawallen nicht zur Ruhe. Wütende Demonstranten belagerten am Freitag den zweiten Tag in Folge das Innenministerium in Kairo, das aus ihrer Sicht für den Tod von 74 Menschen im Stadion von Port Said verantwortlich ist.

Demonstranten stürmten ein Gebäude der Steuerbehörde in Kairo. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen flogen Brandbomben. Die Eindringlinge hätten Möbel und Akten zerstört, hieß es. Die Polizei habe Instruktionen erhalten, im Umgang mit den Randalierern zurückhaltend zu sein. Das Gebäude der Steuerbehörde liegt in der Nähe des Innenministeriums, vor dem die Polizei am Freitag wütende Demonstranten zurückdrängte, die mit Steinen warfen.

Vor dem belagerten Innenministerium kam es immer wieder zu gewaltsamen Auseinandersetzungen. Tausende Demonstranten warfen Steine auf das Gebäude im Stadtzentrum. Die Polizei setzte Tränengas gegen die Protestierer ein, die sich immer wieder neu gruppierten. Bis Freitagmorgen hatte ein harter Kern der Demonstranten eine Betonbarriere beiseite geräumt und sich dem Ministerium genähert. Ein Reuters-Journalist vernahm Schüsse und sah Patronenhülsen.

Bei Zusammenstößen mit Sicherheitskräften wurden in der Hauptstadt und in Sues insgesamt drei Menschen erschossen. Für das Wochenende haben revolutionäre Jugendgruppen unter dem Motto „Freitag des Zorns“ zu Massenprotesten gegen den regierenden Militärrat aufgerufen.

Westerwelle ruft Militärrat zur Demokratisierung auf

„Wir bleiben, bis wir unsere Rechte bekommen“, verkündete ein 22-jähriger, der sich nach der Arbeit am Donnerstag den Demonstranten angeschlossen hatte. Auf dem Tahrir-Platz harrten Hunderte Menschen die Nacht aus. Bange 45 Minuten durchlebten Bereitschaftspolizisten, deren Wagen versehentlich in eine Straße voller Demonstranten gefahren war. Eine drei Viertel Stunde lang wurde das Fahrzeug mit Steinen beworfen, ehe es mit Hilfe eines Krankenwagens und von Demonstranten, die eine Menschenkette gebildet hatte, wegfahren konnte.

Ein Mensch starb in Kairo an den Folgen einer Schrotkugelverletzung. In der Stadt Sues wurden Klinikmitarbeitern zufolge zwei Demonstranten getötet. Die Menge habe versucht, das Polizeirevier zu stürmen. Augenzeugen zufolge schoss die Polizei scharf.

Ausgelöst hatten die Proteste Krawalle in einem Fußballstadion in der Hafenstadt Port Said, bei denen am Mittwochabend 74 Menschen getötet und etwa 1000 verletzt wurden. Zwar gab der von den Streitkräften ernannte Ministerpräsident Kamal al-Gansuri erste personelle Konsequenzen gegen Sicherheitsverantwortliche bekannt. Zur Enttäuschung vieler verärgerter Parlamentarier entließ die Regierung den Innenminister jedoch nicht.

Die Demonstranten werfen dem herrschenden Militärrat vor, er wolle trotz gegenteiliger Versicherungen die Macht nicht an eine gewählte Regierung abgeben. In Berlin rief Außenminister Guido Westerwelle den Militärrat auf, den Kurs zur Demokratisierung des Landes unbeirrt fortzusetzen. Die Zusagen dazu müssten eingehalten werden, sagte Außenamtssprecher Andreas Peschke. Auch der Prozess zur Übergabe der Macht in zivile Hände müsse weitergehen. Darüber hinaus fordere Westerwelle, dass die besorgniserregenden Ereignisse in Kairo, Port Said und anderen Städten aufgeklärt würden. Es müsse festgestellt werden, was die Gründe für die Gewalt seien. (rtr)

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