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Betrieb in der Küche des Noma – vor der Pandemie.

Nebenwirkung

Sterneküche mit Bacon und Cheese

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Das „Noma“ in Kopenhagen ist hochfein und weltberühmt – jetzt gibt’s dort Burger. Fürs erste.

Zunächst ein paar Zahlen zu Kopenhagens weltberühmtem Gourmettempel „Noma“ aus der Zeit vor Corona: Zwei Michelin-Sterne, vier Mal zum besten Restaurant der Welt gekürt, vier Monate Wartezeit auf einen Tisch und minimum 400 Euro für ein Menu. Ohne Wein.

Kommende Woche startet das Restaurant nach der Zwangspause wieder neu: als Burger- und Weinbar, natürlich mit Takeaway und Lichtjahre unter den gewohnten Preisen. Umgerechnet 16 Euro sollen der klassische Cheeseburger wie auch die vegetarische Alternative kosten. Reservierung überflüssig.

Für ausgehhungrige Kopenhagener ist das als sekundärer Pandemiegewinn kaum noch zu toppen. Das Restaurant der Restaurants wird nun in der frühsommerlichen Lockerungsphase für alle, auch das hippe, aber klamme Prekariat, locker machbar. Die Zeitung „Politiken“ räumte denn auch für Chefkoch, Mehrheitseigner und Hipster-Ikone René Redzepi gleich eine ganze Seite frei, damit er mit seinem Konzept „Noma 3.0“ erhofften Gästen den Mund wässrig machen konnte. „Der Burgerpeis liegt vielleicht einen Hauch am oberen Ende. Aber dafür sind die Rohwaren wie immer bei uns erstklassig“, erklärte der 42-Jährige, ohne dass die in Corona-Zeiten sicher auch gebeutelte Anzeigenabteilung der „Politiken“ davon profitiert hätte.

Lese ich etwas über diesen weltweit bewunderten Erneuerer der Kochkunst, erinnert mich das sonst unzuverlässige Gedächtnis automatisch an eine TV-Doku über das „Noma“. Unauslöschlich gespeichert ist bei mir, wie René Redzepi sich als hemmungslos herumschreiender Chef durch den Film pöbelte. Ist aber lange her.

Jetzt geht es einfach darum, dass wieder Freuden des Lebens wie eine gemeinsame Mahlzeit um einen Restauranttisch möglich werden. Außerdem soll René Redzepi schon lange nicht mehr Untergebene niedermachen. Er erklärt mit angenehm entspannter Offenheit, es gehe bei den radikalen Noma-Umwälzungen natürlich auch darum, zügig „in Gang zu kommen mit dem Umsatz“. Auf die Touristen aus Peking, Frankfurt und Mailand, für die der Preis ab 400-Euro unverzichtbarer Teil des Noma-Kitzels ist, muss ja erst mal weiter verzichtet werden. Also verwandelt das „Noma“-Team – wenn alles gut geht mit den Lockerungen – den bisher hermetisch geschlossenen Gourmet-Tempel in ein munter sprudelndes Volksvergnügen, zumindest für eine Weile.

Ich bin oft an den Absperrungen vor dem Noma-Gelände mit Gewächshäusern für exquisite Gemüsebeilagen sowie Kräuter vorbeigeradelt und habe gedacht: Nie und nimmer würde ich mir den Zugang zu so etwas mit 400 Euro plus Wein erkaufen. Von nächster Woche an wird es keine Absperrungen geben – und stattdessen Biergartenstimmung zwischen den Gewächshäusern.

Soll man sagen: Corona sei Dank? 

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