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Stellvertreter am Himmel über Kiew

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Von: Peter Rutkowski

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Teheran will Moskau Kampfdrohnen liefern, das würde den Krieg am ukrainische Himmel wieder zuspritzen.

Die Ukraine verhindert seit Kriegsbeginn die Lufthoheit der russischen Invasoren mittels türkischer Drohnen. Laut US-Regierung zieht der Iran nun seine Drohnen-Produktion an, um Russland „Hunderte, auch waffenfähige UAVs“ (Unmanned Aerial Vehicles – unbemannte Fluggeräte) schnellstmöglich zu liefern, wie der Nationale Sicherheitsberater Jake Sullivan am Dienstag bestätigte.

Drohnen sind zwar derzeit noch nicht in der Lage, Luftkämpfe gegeneinander auszuführen, die rüsttechnische Nachricht hat aber zwei weitreichende Konsequenzen.

1. Die Russen sind offenbar dabei, den Luftkrieg über der Ukraine zu verlieren und ihre eigenen technischen und industriellen Drohnenkapazitäten sind unzureichend. Russische Drohnenpiloten könnten bald eine Wende am Himmel über der Ukraine erzwingen. Ob sie dazu versiert genug sind, ist fraglich. Bislang haben sich alle russischen Teilstreitkräfte inklusive der Generalität als völlig unzureichend erwiesen.

2. Der Himmel über der Ukraine wird zum Kampfgebiet der Konkurrenten Türkei und Iran. Diese beiden – und Saudi-Arabien (siehe Text auf Seite 5) – ringen mittels diverser Stellvertreterkonflikte um die Vorherrschaft im Nahen und Mittleren Osten. Dass durch ihre Drohnen dieses Ringen nicht unkontrolliert eskaliert, dafür will Wladimir Putin laut Kreml nächste Woche in Teheran mit der iranischen und der türkischen Regierung konferieren.

Und in der Ukraine? Dort wird weiter gestorben. In Tschassy Jar, wo jüngst eine russische Rakete ein fünfstöckiges Wohnhaus (in Moskaus Lesart: „Aufstellungsraum einer ukrainischen Brigade“ – also bis zu 9000 Mann) zur Hälfte zerstörte, klettert die Zahl der Toten auf nun um die drei Dutzend. Neun Menschen haben verletzt überlebt, die Suche nach Vermissten geht weiter. Wie zum Ausgleich behaupten die russischen Besatzungs- und Kollaborationsstellen in Cherson, „Dutzende“ seien durch ukrainischen Beschuss verletzt worden. Kann sein, ist aber wahrscheinlich nicht so. Ukrainische Truppen verzeichnen bei Cherson weitere Geländegewinne – und sie hatten davor die Zivilbevölkerung vor neuen Kämpfen dort gewarnt.

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