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Wer gratuliert hier wem? Robert Habeck, Frank-Walter Steinmeier und Annalena Baerbock.

40 Jahre Grüne

Steinmeier zollt den Grünen Respekt

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Die Partei feiert ihren 40. Geburtstag in Berlin mit einem ungewöhnlichen Stargast und alten Bekannten. Einige Plätze blieben allerdings überraschend leer.

Frank-Walter Steinmeier scheint etwas überrascht darüber zu sein, dass ausgerechnet er die Festrede zur Grünen-Geburtstagsfeier halten soll. Mit ihm als Bundespräsidenten spreche ja „sozusagen das amtgewordene Establishment“ zu jener Partei, die sich vor 40 Jahren gründete, um Staat und Parteien umzukrempeln. „Die Grünen haben das Land verändert – und das Land hat die Grünen verändert“, stellt Steinmeier versöhnlich fest. Und gut 1000 Grüne stimmen ihm lautstark zu.

Im Januar 1980 schlossen sich Ökos, Feministen, maoistische K-Gruppen und weitere Bewegungen und Initiativen zur Grünen-Bundespartei zusammen; Anfang 1990 gründete sich das ostdeutsche Bündnis 90. Den doppelten Geburtstag begehen die Grünen am Freitagabend im einstigen Motorwerk im Nordosten Berlins – mit dem Bundespräsidenten als Stargast.

Steinmeier richtet den Grünen sehr freundliche Glückwünsche aus: „Sie haben viel dazu beigetragen, dieses Land vielfältiger und moderner zu machen.“ Steinmeier, der in der rot-grünen Regierungszeit Chef im Bundeskanzleramt unter Gerhard Schröder war, lobt die Grünen für ihre im Laufe der Jahrzehnte gewachsene Bereitschaft, „Kompromisse einzugehen, Verantwortung zu übernehmen und bei Widerstand in den eigenen Reihen auch zu tragen“.

Der schwindende Zusammenhalt in der Gesellschaft, die zunehmende Polarisierung sind das Leitmotiv der Amtszeit Steinmeiers. „Sie spüren ebenso wie ich: Dies sind Bewährungsjahre für unsere Demokratie“, ruft er mit Pathos in der Stimme. In den Grünen sieht er Verbündete für deren Bewahrung. Sie danken für das Vertrauen mit Jubel.

Doch der Bundespräsident findet auch mahnende Worte. Angesichts ihres wachsenden Zuspruchs stünden die Grünen auch in der Verantwortung, „andere Interessen nicht zu übersehen und andere Bedürfnisse nicht geringzuschätzen“. Im Bemühen um mehr Klimaschutz dürfe die Gesellschaft nicht auseinander getrieben werden. „Brücken über sichtbare Gräben in unserer Gesellschaft zu schlagen, das muss in diesen besonderen Zeiten auch ein Anliegen der Grünen sein“, ruft er ihnen zu.

Joschka Fischer mahnt

Auch Grünen-Urgestein Joschka Fischer hat ein paar Ratschläge für seine Partei parat: „Verdammt noch mal: Scheut euch nicht vor der Verantwortung. Sucht sie, nehmt sie und setzt durch“, befiehlt der frühere Bundesaußenminister. Aber auf ihrem Weg zur abermaligen Regierungsbeteiligung müssten sich die Grünen bewusst machen, dass sie dann nicht mehr „nur für den eigenen Laden“ sprechen – „sondern für das Land“.

Parteichefin Annalena Baerbock zeigt sich offen für Kritik. Mit Blick auf die bescheidenen Wahlerfolge der Grünen in Ostdeutschland müsse sie feststellen, dass die Grünen dort nicht in der Breite der Gesellschaft angekommen seien, sagt die Brandenburgerin. „Das ist unsere Aufgabe in den nächsten Jahren.“ Ko-Chef Robert Habeck gibt sich zuversichtlich: „Wir feiern nicht nur die Vergangenheit“, ruft er in die Halle, „sondern auch die Zukunft.“

Mit dabei sind auch Vertreter anderer Parteien. Die SPD wird vertreten von Saskia Esken, Kevin Kühnert und Vizekanzler Olaf Scholz. Für die Linkspartei ist Petra Pau da. Union? FDP? Waren – im Gegensatz zur AfD – auch eingeladen, heißt es bei den Grünen. Erschienen sind deren Spitzenleute nicht.

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