+
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier: "Sprachlosigkeit heißt Stillstand".

Weihnachtsansprache des Bundespräsidenten

Steinmeier: "Wir müssen wieder lernen zu streiten"

Mehr miteinander reden, unterschiedliche Meinungen aushalten, die eigene Filterblase verlassen - das wünscht sich Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier für Deutschland.

 Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat zu demokratischem Engagement aufgerufen. „Unsere Demokratie ist immer so stark, wie wir sie machen“, sagte er in seiner vorab aufgezeichneten Weihnachtsansprache. Die Demokratie baue darauf, dass Menschen ihre Meinung sagen und für ihre Interessen streiten. „Und sie setzt uns der ständigen Gefahr aus, dass auch der andere mal Recht haben könnte“, sagte Steinmeier.

Doch am Ende einen Kompromiss zu finden, sei keine Schwäche. „Die Fähigkeit zum Kompromiss ist die Stärke der Demokratie“, stellte der Bundespräsident heraus.

„Wir müssen wieder lernen zu streiten, ohne Schaum vorm Mund, und lernen, unsere Unterschiede auszuhalten“, sagte Steinmeier. Wer streite, könne sich auch wieder zusammenraufen. „Aber wer gar nicht spricht und erst recht nicht zuhört, kommt Lösungen kein Stück näher. Sprachlosigkeit heißt Stillstand“, sagte der Bundespräsident.

Er wünsche sich, „dass unsere Gesellschaft mit sich im Gespräch bleibt“. „Was passiert, wenn Gesellschaften auseinanderdriften, wenn eine Seite mit der anderen kaum noch reden kann, ohne dass die Fetzen fliegen – das sehen wir in der Welt um uns herum“, sagte Steinmeier: „Wir haben brennende Barrikaden in Paris erlebt, tiefe politische Gräben in den USA, Sorgen in Großbritannien vor dem Brexit, Zerreißproben für Europa in Ungarn, Italien und anderswo.“ Auch in Deutschland gebe es „Ungewissheit, gibt es Ängste, gibt es Wut“.

„Ich habe den Eindruck, wir Deutsche sprechen immer seltener miteinander“, beklagte das Staatsoberhaupt: „Und noch seltener hören wir einander zu.“ Vor allem in den Sozialen Medien werde „gegiftet, da ist Lärm und tägliche Empörung“. Angesichts dessen rief Steinmeier zum Zusammenhalt auf: „Wir alle gehören zu diesem Land – unabhängig von Herkunft oder Hautfarbe, von Lebensanschauung oder Lieblingsmannschaft.“ (epd)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion