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Pandemie in Deutschland

Steht Corona-Strategie vor Wechsel? Kanzlerin Merkel und Spahn beim RKI

Wie soll es im Kampf gegen das Coronavirus weitergehen? Die drohende vierte Corona-Welle bestimmt die Debatte.

Berlin/Frankfurt - Die aktuelle Corona-Situation angesichts täglich steigender Inzidenzen und Neuinfektionen ist vielschichtig, daher gibt es auch bei vielen Fragen unterschiedliche Vorstellungen.

Im Kern stehen die Debatte um eine Impfpflicht für Schul- und Kitapersonal, die Situation der Schulen nach den Ferien und die steigende Corona-Inzidenz trotz immer mehr Geimpfter: Eine Übersicht.

Wie sehen die aktuellen Corona-Zahlen des RKI aus?

Die 7-Tage-Inzidenz steigt seit einer Woche jeden Tag an. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts von Dienstagmorgen lag sie bei 6,5. Genau eine Woche zuvor betrug der Wert von Neuinfektionen je 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen 4,9. Die Gesundheitsämter in Deutschland haben RKI binnen eines Tages 646 Corona-Neuinfektionen gemeldet, es gab 26 Todesfälle im Zusammenhang mit dem Virus. Die für die Ausbreitungsgeschwindigkeit des Virus maßgebende Reproduktionszahl lag laut RKI vom Montag bei 1,15.

Kanzlerin Merkel und Jens Spahn besprechen die Corona-Lage am Dienstag (13.07.2021) mit dem RKI.

Was passiert am Dienstag (13.07.2021)?

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Gesundheitsminister Jens Spahn (beide CDU) besuchen das Robert Koch-Institut in Berlin. Merkel wolle sich über aktuelle Aufgaben, Vorhaben und Herausforderungen beim RKI austauschen, hieß es vorab von Regierungsseite. Außerdem gehe es bei den Gesprächen um den Einfluss der Impfkampagne auf den Pandemieverlauf. Im Anschluss ist eine gemeinsame Pressekonferenz geplant (12.00 Uhr).

Am Montag hatte die Bundesregierung bereits auf einen Medienbericht reagiert und dementiert, dass es eine Abkehr vom Inzidenzwert als wichtigen Faktor in der Pandemie-Bewertung gebe.

Das Impfen und die vierte Welle

Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer, fordert eine intensivere Corona-Impfkampagne. „Ich vermisse den TV-Spot zum Impfen vor der Tagesschau. Und dann müssen wir direkt vor Ort informieren, und zwar genau da, wo die Impfbereitschaft bisher gering ist. Wir müssen auf die Menschen zugehen“, sagte Reinhardt der Rheinischen Post. Man müsse nicht nur Sportvereine, sondern auch Kulturvereine und Glaubenseinrichtungen für die Impfkampagne mit ins Boot holen. „Statt zu verordnen, müssen wir vor Ort sein.“

Die Frage, inwieweit die erhöhten Inzidenzwerte zu einer Belastung des Gesundheitssystems führen werden, hänge maßgeblich von der Impfquote ab, sagte Reinhardt. „Ich finde, jeder Erwachsene steht in der Verantwortung, durch seine Impfung dazu beizutragen, das Infektionsgeschehen niedrig zu halten - auch zum Schutz der Kinder. Sie sind bisher die großen Verlierer der Pandemie.“

Impfquote und Krankenhausbelegung kausal

Der Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi), Gernot Marx, sagte der Zeitung: „Wir haben in Deutschland aktuell mehr als die Hälfte der erwachsenen Bevölkerung geimpft, was sich deutlich in der Belegung der Intensivstationen bemerkbar machen wird. Wir erwarten bei einem erneuten Anstieg der Inzidenzen deshalb eine deutlich flachere Kurve mit Blick auf die schwer erkrankten Patienten.“

Vorsicht ist aus Sicht von Intensivmediziner Marx aber dennoch weiter angemessen: „Sollten die Infektionsraten sprunghaft ansteigen und ungebremst anwachsen, werden wir auch wieder eine deutliche Zunahme an schwer kranken Patienten erleben, die auf der Intensivstation behandelt werden müssen. Denn wir dürfen eben nicht vergessen: 40 Millionen Menschen in Deutschland sind eben noch nicht geimpft.“

Offene Schulen trotz Corona?

„Die Bundesregierung muss die Sommermonate nutzen und alles tun, damit die Schulen nach den Sommerferien wieder in den normalen Regelbetrieb kommen“, sagte FDP-Generalsekretär Volker Wissing dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. „Die Alternativen Fernunterricht und Wechselunterricht sind nach so langer Zeit keine Optionen.“

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes klingt verhaltener. „Das Szenario eins, von dem wir alle hoffen, dass es Wirklichkeit wird, heißt vollständiger Präsenzunterricht mit einer Sicherheitsphase von mehreren Wochen, wo weiterhin erhöhte Gesundheitsschutzmaßnahmen gelten“, sagte Heinz-Peter Meidinger dem RND.

„Zur Wahrheit gehört aber auch dazu, dass das nicht ausreichen wird, um die vierte Welle zu verhindern, weil sich diese auch außerhalb der Schulen durch Kontakte ungeimpfter Jugendlicher untereinander verbreiten wird.“ Deshalb dürfe auch eine „erneute Phase des Wechselunterrichts“, bei der Vorbereitung auf das nächste Schuljahr nicht ausgeblendet werden, so der Lehrerpräsident.

Impflicht für Schul- und Kitapersonal

Die Forderung nach einer Impfpflicht für das Personal in Kitas und Schulen stößt weiter auf Kritik. Lehrerpräsident Meidinger argumentierte in der Augsburger Allgemeinen: „Nach unserem Kenntnisstand ist die Impfbereitschaft bei Lehrkräften sehr hoch, so liegt die Quote der bereits erstgeimpften Lehrkräfte in einigen Bundesländern bei nahe 90 Prozent.“ Die Hauptinfektionsgefahr für die Kinder und Jugendlichen drohe also nicht von Erwachsenen und schon gar nicht von Lehrkräften, sondern von Gleichaltrigen.

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach bekräftigte gegenüber der Rheinischen Post: „Eine Impfung gegen Covid-19 muss die freiwillige Entscheidung jedes Einzelnen sein. Hier muss und wird die Politik zu ihrem Wort stehen. Das gilt auch für Lehrer und Erzieher.“ Der Humangenetiker Wolfram Henn vom Deutschen Ethikrat hatte am Montag eine Impfpflicht für das Personal gefordert. (ktho/dpa)

Rubriklistenbild: © Michael Sohn / dpa

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