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Solarkraft-Komplex „ Desertec“ bei Ouarzazate.

Leserfrage

Wie steht es um den „Strom aus der Wüste“ nach dem Ende des Desertec-Projekts?

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Für die FR-Serie haben Leserinnen und Leser Fragen eingeschickt, wir beantworten sie.

Joachim Wille antwortet::

Die Vision hieß: Desertec. Wüste plus (Solar-)Technik. Die Idee: Große Solar- und Windparks in Nordafrika und im Nahen Osten bauen und die dort erzeugte Elektrizität per Gleichstrom-Fernleitung nach Europa transportieren. Doch das Mega-Projekt, vorangetrieben vor allem von deutschen Konzernen wie RWE, Eon, Siemens und der Deutschen Bank, platzte im Jahr 2014. Die Vision aber lebt weiter, und sie ist zum Teil bereits Realität.

In der Region sind eine ganze Reihe Solar- und Windkraftwerke gebaut worden, vor allem von Konzernen aus Saudi-Arabien und China, aber auch von der in Sachen erneuerbare Energien sehr aktiven staatlichen Energiegesellschaft in Marokko. Der größte Solarpark der Welt mit 1,18 Gigawatt Leistung steht in Abu Dhabi, in Ägypten wird eine riesige Anlage nach der nächsten eröffnet, und Marokko baut das global größte Solarthermie-Kraftwerk Noor Midelt 1, das dank eines Speichers Strom rund um die Uhr liefern kann.

Die Preise des Solartroms sind inzwischen extrem günstig, die Kilowattstunde kostet bei den neuen großen Anlagen unter zwei Cent.

Ein weiterer Quantensprung: Noor Midelt 1 liefert den nach Bedarf zur Verfügung stehenden Ökostrom für sechs Cent. Das heißt, regelbare grüne Elektrizität kann damit erstmals mit Strom aus Gaskraftwerken konkurrieren. Experten glauben, dass sich damit auch in vielen anderen Ländern im Sonnengürtel der Erde die Chance auf einen Durchbruch bei Klimaschutz und wirtschaftlicher Entwicklung bietet.

Da der Ökostrom in diesen Regionen so billig ist, wäre neben der Umstellung der Stromversorgung in den jeweiligen Ländern der Aufbau einer Produktion von synthetischen Öko-Kraft- und Brennstoffen denkbar, die auch exportiert werden könnten, etwa nach Europa. Die Rede ist hier von der „Power-to-X“-Technologie, die auf dem Verfahren der Elektrolyse basiert. Dabei entsteht Wasserstoff, aus dem Energiegase oder -flüssigkeiten hergestellt werden können – einsetzbar als Ersatz für Erdgas, Diesel, Kerosin oder Heizöl.

Ob und in welchen Sektoren deren Nutzung energetisch Sinn macht, ist umstritten – wegen der hohen Umwandlungsverluste. Zudem sind Öko-Kraftstoffe noch deutlich teurer als konventionelle. Befürworter rechen aber damit, dass sich ändern wird, wenn entsprechend große Produktionsanlagen gebaut werden.

Diese Frage stellte Klaus Philipp Mertens aus Frankfurt.

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