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Keine Maske, echte Freude zeigt Hillary Clinton, als sie in Ohio im Konfetti-Regen steht. Die Ex-First-Lady genießt ihre Siege - auch wenn sie weiß, dass es ihr rein rechnerisch kaum noch möglich ist, Barack Obama einzuholen.

Hillary Clintons Comeback

Stehauffrau im Konfetti-Regen

Zwei gegen einen: Bei den Demokraten ist weiter offen, ob sie Hillary Clinton oder Barack Obama ins Rennen um das Weiße Haus schicken. Die Republikaner haben mit John McCain ihre Wahl getroffen.

Von DIETMAR OSTERMANN

Washington. "Wir machen weiter, wir sind stark, und wir werden den Weg bis zu Ende gehen." In der an Wendungen reichen Geschichte ihrer Präsidentschaftskandidatur war Hillary Clinton in der Nacht zum Mittwoch wieder die umjubelte Stehauffrau im Konfetti-Regen. Nach zuletzt 11 Niederlagen in Folge gewann die New Yorker Senatorin am "kleinen Super-Tuesday" drei von vier Vorwahlen der US-Demokraten. Vor allem die Siege in den wichtigen Staaten Ohio und Texas verschaffen ihr Luft: Die zuletzt immer lauter werdenden Rufe aus der Partei, sie solle den Weg freigeben für Barack Obama, dürften vorerst verstummen.

In Umfragen hatten schon vor der Dienstagwahl zwei Drittel der Demokraten dafür plädiert, Clinton solle weitermachen, wenn sie Texas oder Ohio gewinne. "Ich denke, niemand in der Obama-Kampagne wird ihr sagen, sie solle aufhören", räumte der Obama-Helfer und frühere Fraktionschef im Senat, Tom Daschle, am Dienstag ein.

Trotz der Clinton-Siege in Ohio, Texas und Rhode Island sieht sich das Obama-Lager im Kampf um die Präsidentschaftskandidatur im Vorteil: Der Senator aus Illinois, der am Dienstag nur die Abstimmung in Vermont gewann, kommt jetzt in der Zählung des Senders CNN auf insgesamt 1451 Delegierte für den Nominierungsparteitag im Sommer. Hillary Clinton liegt bei 1365 Delegierten. Wegen des komplizierten Verteilungsschlüssels in Texas stehen zwar noch nicht alle dort vergebenen Mandate fest. In fast allen Rechenmodellen von US-Medien aber wird Clinton nur noch eine theoretische Chance eingeräumt, Obama bei den sogenannten festgelegten Delegierten zu überholen, die in Vorwahlen vergeben werden. Hier führt Obama bei CNN mit 1257 Delegierten, Clinton kommt auf 1127. Neben "festgelegten Delegierten" gibt es knapp 800 "Superdelegierte", meist Parteifunktionäre, die den Ausschlag geben können. Sie sind bei ihrer Stimmabgabe ungebunden, unterliegen aber wachsendem Druck, sich nicht über das Wählervotum hinwegzusetzen.

"Ihr läuft die Zeit davon", glaubt deshalb der Parteistratege Jim Jordan, der wie viele Beobachter eine Wende in der Delegiertenstatistik zugunsten Clintons in den verbleibenden zwölf Vorwahlen für "unmöglich" hält. Dazu müsste sie alle ausstehenden Rennen mit mindestens 60 Prozent Stimmanteil gewinnen. Bislang gelang ihr ein Sieg in dieser Höhe nur in Arkansas. In Ohio kam sie auf 54 Prozent der Stimmen, in Texas auf 51. In den nächsten Vorwahlen in Wyoming und Mississippi gilt Obama als Favorit.

Dennoch hofft das Clinton-Lager auf eine psychologische Wende. Vor allem der klare Sieg in Ohio wird als Zeichen gewertet, dass die Demokraten den Jungstar Obama noch einmal kritischer beäugen. Unter Wählern, die sich erst in den letzten drei Tagen entschieden haben, siegte Clinton auch in Texas klar mit 61 gegen 38 Prozent. Ihre Berater glauben, dass es Clinton nun erstmals gelungen sei, Obama in die Defensive zu drängen, indem sie seine Qualifikation anzweifelt. Geschadet haben dürfte dem Illinois-Senator auch der Korruptionsprozess gegen den Immobilienspekulanten Antoin Rezko, einem früheren Spender, dessen Frau den Obamas ein Grundstück verkauft hatte. Vor allem aber hatten den Kandidaten Berichte in Erklärungsnot gebracht, sein Wirtschaftsberater habe kanadischen Konsularbeamten versichert, die Forderung nach einer Neuverhandlung des Freihandelsabkommens Nafta sei vor allem wahltaktischer Natur.

Im Clinton-Camp konzentriert man sich auf die Vorwahl in Pennsylvania. Nach einem Sieg dort könnte Clinton argumentieren, sie habe alle großen Staaten gewonnen, darunter die bei den Präsidentenwahlen im November wichtigen "Swing States". "Wir brauchen einen Kandidaten, der in umkämpften Staaten gewinnen kann", versuchte Clinton nach ihrem Ohio-Sieg, sich als stärkste Kandidatin gegen den Republikaner John McCain zu empfehlen.

Clinton zielt darauf, Obama bei den abgegebenen Wählervoten zu überholen. Dort liegt Obama laut RealClearPolitics nur mit 288 000 Stimmen vorn, wenn die von der Parteiführung wegen eines Terminstreits annullierte Floridawahl mitzählt. Als Bewerberin mit den meisten Stimmen könnte Clinton unentschiedene Superdelegierte unter Druck setzen, ihr die Kandidatur zuzusprechen. Nötig dafür wäre eine Kampfabstimmung beim Parteitag im August.

Zu einer gemeinsamen Kandidatur mit Obama sagte Clinton am Mittwoch,dies könne die Richtung sein, "in die das geht". Natürlich müsse aber entschieden werden, wer an der Spitze stehe. "Die Menschen in Ohio haben gesagt, dass ich das sein sollte",beharrte Clinton. In der Vergangenheit hatten beide Bewerber sich bereiterklärt, den anderen als Vizepräsidenten in Erwägung zu ziehen.

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