1. Startseite
  2. Politik

CDU startet Familienoffensive

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Familienministerin Schröder will Kinderarmut bekämpfen.
Familienministerin Schröder will Kinderarmut bekämpfen. © dpa

Können Kindergärten die CDU aus dem Umfragetief retten? Familienministerin Schröder stellt ein Programm gegen Kinderarmut vor. Die SPD hält das für unglaubwürdig.

Berlin. Die CDU sucht mit einer Familienoffensive einen Ausweg aus dem Umfragetief. Die Parteispitze erarbeitete dazu ein Konzept, das am Montag in Bundesvorstand als Leitantrag für den Parteitag Mitte November in Karlsruhe beschlossen werden soll. Schwerpunkte in dem Papier mit dem Titel "Faire Chancen - für jedes Kind" sind die Bekämpfung von Kinderarmut sowie die Bildungspolitik. Die SPD warf der CDU Unglaubwürdigkeit vor.

Die Ausgangslage, die die CDU in dem vorliegenden Papier beschreibt, ist ernüchternd. 2,5 Millionen Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren gelten als relativ arm. Während sich die Zahl der Geburten in Deutschland seit 1965 fast halbierte, hat sich die Anzahl der Kinder in Sozialhilfe nahezu verzehnfacht. Fast jedes sechste Kind unter sieben Jahren lebe heute von staatlichen Transfers.

Die CDU will nun unter anderem die Kindertagesstätten zu "Familienzentren" machen. Dabei soll schon in jungen Jahren vermittelt werden, wie man gewaltfrei Konflikte bewältigt, sich gesund ernährt und richtig mit Geld und Medien umgeht. Verstärkt soll Personal für Kindertageseinrichtungen auf Hochschulniveau ausgebildet werden. Erzieher sollen sich regelmäßig fortbilden. Kinder mit Sprachdefiziten sollen gefördert werden, etwa durch den Besuch von Sprachkursen.

Einen starken Fokus richtet die CDU auf die Förderung von Alleinerziehenden. Reformiert werden soll das Unterhaltsvorschussgesetz. Die Jugendämter sollen einerseits säumige Unterhaltszahlungen besser eintreiben können. Zudem soll die Beantragung von Unterhalt unbürokratischer werden. Die Altersgrenze, bis zu der es Unterhalt gibt, soll von 12 auf 14 Jahre steigen.

Notwendig ist aus Sicht der CDU auch, den Lehrerberuf zu stärken. Es müssten wieder mehr junge Menschen begeistert werden, Lehrer zu werden. Die Qualität der Lehrerausbildung müsse verstärkt werden. Schließlich sollten mehr Menschen mit ausländischen Wurzeln als Erzieher und Lehrer gewonnen werden.

Die stellvertretende SPD-Chefin Manuela Schwesig warf der CDU Heuchelei vor. Es helfe den Kindern nicht, wenn "hochtrabend" Papiere beschlossen würden, während gleichzeitig Familienministerin Kristina Schröder (CDU) in der Praxis die Kluft zwischen Arm und Reich vertiefe. So setze das Sparpaket der Regierung "den Rotstift zuerst bei den ärmsten Familien" an. "Wir brauchen ein Sofortmaßnahmenpaket gegen Kinderarmut und keinen Parteitagsbeschluss im November", kritisierte Schwesig, die Sozialministerin in Mecklenburg-Vorpommern ist.

Die Vizevorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Dagmar Ziegler, verlangte, die Bundesfamilienministerin der CDU müsse "endlich anfangen zu regieren - statt die immer gleichen Ankündigungen immer wieder aufzuwärmen, aber nicht umzusetzen". "Geradezu absurd ist es, erst langzeitarbeitslosen Eltern das Elterngeld zu streichen und dann Problembewusstsein beim Thema Kinderarmut zu heucheln", sagte Ziegler weiter. "Wer Familien, die am meisten darauf angewiesen sind, Leistungen streicht, kann nicht mehr glaubhaft behaupten, etwas gegen Kinderarmut zu tun." (ddp)

Auch interessant

Kommentare