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Wandelte sich vom "Falken" zur "Taube": Mohammed Dahlan

PORTRÄT: Mohammed Dahlan

Der starke Mann in Gaza

Der 41-jährige Dahlan traut sich die unter Palästinensern unpopuläre Aufgabe zu, die bewaffneten Milizen der Hamas und Tansim (ein militanter Flügel der

Von Inge Günther (Jerusalem)

Der 41-jährige Dahlan traut sich die unter Palästinensern unpopuläre Aufgabe zu, die bewaffneten Milizen der Hamas und Tansim (ein militanter Flügel der PLO-Mehrheitsfraktion Fatah) in Schach zu halten. Auch bringt er als früherer Chef des "Preventive Security" in Gaza, dem vielleicht mächtigsten Geheimdienst der Autonomiebehörden, einiges an Erfahrung für den Job mit.

Auf Konfrontation sind allerdings auch die radikalen Kräfte eingestellt. Kaum war die Ernennung Dahlans durch, sprengte sich am Bahnhof von Kafre Saba ein 18-jähriger Selbstmordattentäter aus dem Flüchtlingslager Balata in die Luft und riss einen israelischen Wachmann mit in den Tod. Eine blutige Provokation gegen Abbas' Mann für Sicherheitsfragen.

Der freilich war selbst einst ein "Held der Intifada", des "Aufstands der Steine" in den Achtzigern. Von 1981 bis 1986 verhafteten die Israelis den damaligen Studentenführer rund zehnmal, bis sie ihn kurz nach Ausbruch der ersten Intifada nach Jordanien deportierten. Über Umwege stieß Dahlan schließlich zur Exil-PLO nach Tunis, von wo er stets Kontakt zu den Fatah-Kämpfern daheim unterhielt.

Diese Basisverbundenheit zahlte sich für ihn aus, als Arafat ihn nach dem Osloer Friedensabkommen zum Geheimdienstchef von Gaza machte. Anders als die viel geschmähte "Tunis-Clique" galt Dahlan unter den Einheimischen als "Mann von uns". Ein Ruf, der ihm half, nach der Bombenserie im Frühjahr 1996 mit rigiden Methoden gegen die Islamisten vorzugehen.

Gefallen entwickelten damals auch amerikanische und israelische Geheimdienstler an dem alerten Dynamiker, der sich politisch vom "Falken" zur "Taube" mauserte. Ob in Wye Plantation oder später in Camp David - Dahlan zählte zu den flexibleren palästinensischen Verhandlungspartnern. Dass er sich, auch dank seines fließenden, im Gefängnis erworbenen Hebräisch, bestens in israelischen Verhältnissen auskennt, schätzte lange Zeit auch Arafat an ihm. Bis Dahlan während der zweiten, bewaffneten Intifada zunehmend auf Distanz zum Palästinenserchef ging.

"Der starke Mann in Gaza" blieb Dahlan dennoch. Dort soll jetzt die erste Strecke des internationalen "Friedensfahrplans" anlaufen. Was Sinn macht, da Israels Armee den palästinensischen Polizeiapparat in Gaza weit weniger zerschlagen hat als den im Westjordanland. Dahlan baut zudem darauf, dass ein Großteil der Intifada-Kämpfer durchaus ein Interesse an einer Waffenpause hat, nachdem viele ihrer führenden Köpfe liquidiert wurden. Ein Argument, mit dem sich womöglich selbst die Hamas, das größte radikale Oppositionslager, überreden ließe, sich für eine Testphase ruhig zu verhalten. Als "Gaza-Insider" weiß Dahlan zudem mit wem er reden muss. Den obersten Hamas-Kommandant Mohammed Dief kennt er seit seiner Jugend.

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